Chronik für vervielfältigende Kunst — 3.1890

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///. Jahrgang.


Briefe und Handschristen für die Graphischen Künste und die Chronik für vervielfältigende Kunst sind an den Schriftleiter
Dr. Richard Graul, Wien, VI., Lustbadgasse 17, zu richten.
INHALT- Upmark: Moderne graphische Kunst in Skandinavien. I. (A. Die Radirung). — Meiani: Der moderne Holzschnitt in
Italien. III. — Preisaussehreiben: Academie Royale de Belgique, Gebrüder Reichel, Kunstzeitrchrist „L'Art", Michael Beer'sche
Stistung. — Vermischte Nachrichten: Stiche und Radirungen als Vereinsblätter. — Ausstellung von Malerradtrern in Paris. — Aus
dem Jahresberichte des Münchener Kunstvereins. — Bureau de timbrage in Paris. — Jury der Societe des Beaux-Arts. — Gesetze über
Urheber und Verlagsrecht. — Versteigerung Landsmger. — Paul Sigmund Habelmann s. — Gründer der Gesellschaft. — Radirung
von Feldmann. — Radirungen von Stark. — Farbenholzschnitte von Knöfler. — Anzeigen.
MODERNE GRAPHISCHE KUNST IN SKANDINAVIEN.


ror drei Jahren wurde in Stockholm ein Verein
Jüv graphische Kunst, „Föreningen för grafisk
konst", gegründet, der sich die Aufgabe stellte,
die Kenntnis der verschiedenen Arten graphischer Kunst
zu verbreiten, ihre Entwicklung im Vaterlande zu fördern
und eine Vereinigung Aller, die sich für die Sache inter-
essiren, herbeizuführen.
Dieser Verein, der bei den Kunstfreunden des Landes
vom Anfang an rege Unterstützung fand, hat während der
vergangenen drei Jahre an seine Mitglieder eine Anzahl
von kleineren und grösseren Kunstblättern, an deren Aus-
führung bisher fünfzehn schwedische Künffler theil hatten,
vertheilt. Von dem Vereine ist auch die Initiative und der
Plan zu der kürzlich stattgefundenen graphischen Aus-
stellung in Stockholm ausgegangen (vgl. Chronik II, Nr. 11,
S. 87). Sie ist das Resultat des Zusammenwirkens von
dem Vereine und dem Nationalmuseum, insofern dieses
seine Localitäten und sein reiches Material an Kunst-
drucken jenem zur Verfügung stellte.
Die Ausstellung, die am 16. 06tober 1889 feierlich
eröffnet wurde, beabsichtigte, einen Gesammtüberblick
über die Lage der graphischen Künste in Skandinavien
und besonders in Schweden zu geben. Die photomechani-
schen Reprodusitionsweisen sind aus Mangel an Raum nur

I.
DIE RADIRUNG.
ausnahmsweise, und hauptsächlich insoweit sie die Buch-
illustration betrefsen, vertreten gewesen.
Die Radirung erfreut sich in Schweden seit
einigen Jahren einer sehr lebhaften Pflege. Ein kräftiger
Anstoss wurde in den Siebziger-Jahren durch die später
eingegangene „T i d s k r i f t f ö r b i 1 d a n d e k o n s t" gegeben,
die durch den hieher berufenen holländischen Radirer
Leopold Lowenßam einige jüngere Künstler im Radiren
unterwies. Auch der berühmte deutsehe Radirer William
Unger verweilte einige Zeit in Stockholm und ebenso
auch J. Klaus. Später haben mehrere Künstler sich im
Auslande weiter ausgebildet, vor Allem aber hat das Bei-
spiel des tüchtigen, in England thätigen schwedischen
Künstlers Axel Herman Hägg eine sehr belebende Ein-
wirkung ausgeübt.
Blicken wir uns in der schwedischen Abtheilung um:
Den Ehrenplatz nimmt hier die stattliche Reihe Radirun-
gen A. H. Hägg's (Haig) ein. Zum Theile von imponiren-
der Grösse, behandeln die meisten Blätter Architektur-
motive aus England und Italien, Frankreich und Deutsch-
land, Spanien und Schweden und werden in einer Menge
und einer Vollständigkeit wie kaum vorher vorgeführt. Ein
geborner Schwede (1835) und seit vielen Jahren in Lon-
don wohnhaft, aber ein fleissiger Gast im alten Vaterlande,

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