Eggers, Friedrich [Hrsg.]
Deutsches Kunstblatt <Stuttgart>: Zeitschrift für bildende Kunst, Baukunst und Kunsthandwerk ; Organ der deutschen Kunstvereine &. &. — 9.1858

Seite: 129
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Neunter



Kedigirt von Friedrich Eggers in Üerlin.

Gottlieb ächick.
(Mil Portlait.)


Porlraik von Gottlicb Lchick.

Der große Bildhauer, von dem unser unvergeßlicher
Freund im Februarheft ein so lebensvolles Charakterbild ge-
geben hat, gehört im Gefühle Aller durchaus der Gegen-
wart an; der Maler, von dem wir jetzt reden wollen, pflegt
zu denen der Vergangenheit zu zählen. Bisweilen wird er
mit andern guten Namen am Eingang einer neuen Epoche
genannt, aber mit ziemlich dunklen Begriffen von seiner
Bedeutung und seiner Wirksamkeit. Und doch war er noch
zwei'Jahre jünger, als jener Bildner; doch hat Rauch ein
Stück Jugendzeit seiner Künstlerlaufbahn mit Schick in Rom
verlebt und ihn seinen Rather und Tröster bei seinen Stu-
dien genannt. So viel Congenialität in ihnen war, so sehr
sie übereinkamen in der Rastlosigkeit des Strebens, so kann
doch nichts Verschiedeneres gedacht werden, als die äußere
Gestaltung ihres Lebenslaufs. Gerade die kurze und ein-
fache Lebensgeschichte von Gottlieb Schick aber ist in
hohem Grade belehrend und zeigt das abgerundete Bild
eines ganzen Künstlers.
rcvtsches Kunstblatt. 1859.

Ein armer Schweizerknabe, von denen, die sich die
Seinen nannten, ungeliebt und vernachlässigt, mußte sieb
durch Einsammeln von Scherben für die Glashütten den
Unterhalt verdienen helfen. Im Heranwachsen mochte sein
gesunder Appetit seinen Verdienst überwiegen, und so wurde
er, mit 14,2 kr. als letzte Unterstützung ausgerüstet, im 14.
Jahre zu einem Schneider in die Lehre gethan. Später
vertauschte er dies Handwerk mit einer dienenden Stellung,.
welche ihm mehr Muße gewährte, die Ausbildung seines
Geistes und seiner Fähigkeiten beginnen zu können; so lernte
er mit der Feder dienen und hatte sich, unermüdlich fleißig,
schon eine kleine Ersparniß erschrieben. Ta geschah es, daß
er eines Tages die schöne Tochter des Wirths, bei dem er
verkehrte, weinend antraf und von ihr erfuhr, daß ihre Hand
! der Preis sein solle, um welchen ein wohlhabender, aber
verhaßter Anbeter ihren Vater von der Vergantung seines
Anwesens zu retten im Begriff sei. Dabei zeigte sich denn,
daß die stille Neigung des Sekretarius, der ein heiterer,
gesetzter Vierziger war, eine Gegenneigung erweckt hatte.
So tilgte er die Schulden, übernahm das Anwesen, stellte
bessere Wirtschaft her, zog sechs Kinder groß und binterließ
ihnen eine hübsche Summe Geldes.
Der dritte Sohn von diesen Kindern, welcher am 1ö.
August 1779 geboren wurde, war Gottlieb Schick. — Ter
Vater hielt auf gute und ehrbare Zucht. Schritt für
Schritt, wie er seinen Lebensweg aufwärts gemacht hatte,
achtete er es für naturgemäß und in der Ordnung der
Dinge begründet, daß die Söhne bürgerliche Gewerbe er-
! lernten; würde doch bei späterer Etablirung ein Sümmchen
zur Einrichtung bereit gewesen sein. Aber er dachte nicht
an das andere Kapital, das er ihnen schon bei der Geburt
mitgegeben hatte, an den in ihm selber lebenden Trieb für-
höhere Ausbildung. Es gelang ihm auch nur, den ältesten
Sohn, dessen Sinn aus die Jägerei gerichtet war, auf die
gewünschte Bahn zu lenken; derselbe wurde ein Uhrmacher
und starb jung auf einer Reise in Ungarn; der zweite, Gott-
lob, gehörte schon der Kunst; er wurde Musiker, und Gott-
lieb endlich war mit einem so entschiedenen Talent für die
Malerei begabt, daß die ganze Strenge der Grundsätze sei-
nes Vaters dazu gehörte, den Eintritt in die Laufbahn, die
ihn zum Ruhme führen sollte, auch nur einen Augenblick zu
hindern. Ein reicherer Spielkamerad, der Maler Benedikt,
versah ihn, da der Zeichnenstift seinem künstlerischen Drange
nicht mehr genügte, mit Farben, und obwohl der Vater
nicht umhin konnte, den Hebungen des Sohnes eine stille
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