Friedländer, Ernst
Ostfriesisches Urkundenbuch (Band 1): 787 - 1470 — Emden, 1878

Sheet: 141
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1398. 111

167,

Widzel, der Sohn Ocko's, und Folkmar Altena übertragen dem Herzoge Albrecht von Baiern ihre
Besitzungen zu Eigenthum und erhalten dieselben als Erblehn zurück. — Gedr. Driessen, monumenta

Groningana IV. jp. 792.

11. September 1398.

Wy Widzel, heren Ockeli soen, ende Volmaer, Allen soen, hoefflinge an gener syde der
Eemse in Oestvrieslant, doen cond allen luden, dat wy voer ons ende onsen nacomelingen, mit
onsen vryen willen, upgedragen ende quitgeschouden hebben, opdraghen ende quitschelden mit
desen brieve, den hoechgeborn vorste, onsen licven genadygen heer, hertoghe Aelbrecht van
Beyeren, grave van Henegouwen, van Hollant, van Zeelant, ende her van Vrieslant, ende synen
nacomelingen, den rechten eygendom van sulcken lande, heerlichede, goede ende sloten, als wy
nu ter tyt houden, hebben ende besitten, tusschen der Eemsche ende der Jade in Oestvrieslant,
dat te weten Broeck,') Auericlant, Herlingerlant, Oesterlangerlant,2) Moermaenlant,3) Lengeder-
lant, *) Noerderlant ende Enndserlant,5) mit alsulcken eylanden, als daer to behoirt, daer buten
gelegen, dat is te weten Borkyn, Just, Burse, Oesterende, Balteringe, Langoch, Spickeroch ende
Wangeroch,6) voert alle ander lande, de wy nu ter tyt hebben, houden ende besitten, ende noch
verengen ende becraftygen siülen, binnen den voerscr. palen, of daer buten, de ons lieven gena-
dygen beere voerscr. niet to en behoren, mit huse, sloote, heerlichede, hoge ende läge, rechte,

167. ') de Brok ist- zwischen Marienhaie und Aurich beim heutigen Oldeborg zu suchen. Man zeigt in Oldeborg
die Reste von zwei Burgen. Es ist daher anzunehmen, dass nach Erbauung der zweiten die erste, ältere, den
Namen Oldeborg angenommen habe, bis dahin mag sie die Brokerburg oder ähnlich geheissen haben. Die dort
hausenden Häuptlinge nannten sich tom Broke oder van den Broke.

2) So statt Oberledingerland.

s) = Moormerland.

4) = Lengenerland.

6) = Emisgerland.

6) Von den in dieser Reihe aufgeführten Inseln, wobei es übrigens nicht Burse, sondern Buise heissen muss,
sind die meisten noch vorhanden; nur Buise ist seitdem untergegangen, und nur eine Sandfläche, westlich von Nor-
derney, welche ein wenig über das Watt hervorragt, und die Balge (= Fahrwasser) zwischen Juist und Norderney,
das Buiser Tief, erinnern noch an die Insel. Die übrigen Namen sind von Westen nach Osten Borkum, Juist,
Norderney (= Osterende), Baltrum, Langeoog, Spikeroog, Wangeroog. — Es ist auffallend, dass bei dieser sonst
vollständigen Reihe die Insel Bant nicht genannt ist. Dieselbe existirte bis in's 18. Jahrhundert (die Banter Balge
giebt es noch heute). Doch harren die geographischen Verhältnisse dieser Inseln noch der gründlichen Aufklärung;
vielleicht hat damals Bant und Buise noch eine Insel gebildet, so dass mit diesem letzteren Namen auch jene
Insel bezeichnet werden soll. Denn das scheint festzustehen, dass Borkum, Juist, Bant und Buise in den ältesten
Zeiten nur eine Masse gewesen und erst im 12. Jahrhundert zerrissen sind. Bei der durch Sturmfluthen bewirkten
Bildung des Dollarts und Veränderung des Emsbettes mag diese Katastrophe geschehen sein. Jetzt ergiesst sich
der östliche Ann der Ems da inV Meer, wo früher die Insel gelegen, nämlich zwischen Borkum und Juist. Oster-
ende ist der geographischen Reihenfolge nach das spätere Norder Nyeooge, jetzige Norderney; das wird bestätigt
durch Emmius, Rer. Pris. bist. S. 231, welcher schreibt: „. . . Ostercndi, quae Norderneia nunc est". Ob nicht diese
Insel auch früher zu dem oben erwähnten grossen Landcomplex gehört und dessen östlichstes Ende gebildet hat ?
Auch die Insel Langeoog besteht aus einem Wester- und einem Osterende, ist also zerrissen gleich den übrigen.
Arends, Ostfriesland und Jever, Emden 1818, I. S. 49 hält das allmälige Verschwinden der ganzen Inselreihe für
zweifellos.
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