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An den Brodbänken 9, Hintergebäude An den Brodbänken 11, 12, 13


den Bandrippengewölben und einem gleich-
breiten Gurtbogen bei einer Scheitelhöhe von
ca. 3,30 Metern. In der Südwestecke die poly-
gonale Umfassung eines Brunnens. Daneben
nimmt die Südwand zwei durch eine Wandvor-
lage getrennte, stichbogige Wandnischen mit
abgefaster Laibung auf. Der Fußboden mit
Ziegeln im Klosterformat belegt. Nach der den-
drochronologischen Untersuchung des Spar-
rendachs von sechs Gebinden mit einer ange-
blatteten Kehlbalkenlage und geblattetem First,
dessen durchgängig zweitverwendete Sparren
gleichartige Hakenblattsassen zeigen und somit
die Wiederverwendung eines älteren Vorgän-
gerdachs nahelegen, ergibt sich möglicher-
weise mit dem Fälldatum 1386 auch ein
Anhaltspunkt für die Datierung des Kellers.
- Zweigeschossiges Hintergebäude. Anstelle
eines dreigeschossigen Vorgängers 1823d
errichteter, großvolumiger Fachwerkbau in
schlichtem klassizistischem Fachwerk mit
regelmäßigem Ständerabstand und zweifacher
Verriegelung. Die Erschließungsachse im nörd-
lichen Abschnitt kennzeichnen eine Aufzugs-
luke im Obergeschoss und ein Kranhaus, das
die Traufe mit ihrem fein profilierten Kasten-
gesims unterbricht. Hinter den nach Süden fol-
genden sechs Fensterachsen mit vierteiligen
Kreuzpfostenfenstern liegt ein ca. 4,70 Meter
hoher Saal. Ihn schließt eine Voutendecke, die
drei fein profilierte Stuckrosetten zieren: eine
mittlere große mit zentralem Sonnensegel und
zwei kleinere. Ein hölzerner Einbau vor der

Nordwand nimmt einen Tresen sowie eine
Empore auf, deren Brüstung Fächerrosetten
schmücken. Mit seiner qualitätvollen Aus-
stattung stellt der Raum das selten bewahrte
Beispiel eines klassizistischen Festsaals dar,
der bereits in der zweiten Jahrhunderthälfte
seine Funktion änderte. Unter dem Eigentümer
Heinrich Homann, einem Kaufmann und
Kohlenhändler, diente er von 1869 bis 1873
und wiederum 1876-1894 der jüdischen
Gemeinde als Betsaal und fügt sich damit
neben seiner kunsthistorischen Bedeutung als
wichtiges Dokument religions- und kulturge-
schichtlichen Lebens in die Lüneburger Stadt-
geschichte ein. Mit zwei Hängesäulen und
einem die gesamte Länge einnehmenden Über-
zug abgezimmertes Sparrendach. In der Achse
des Aufzugserkers großes Windenrad.
- Speichergebäude. Das dreigeschossige,
traufständige Gebäude 1882 für Heinrich
Homann errichtet (Initialen und Jahreszahl im
Keilstein des Segmentbogensturzes der Durch-
fahrt). Im Gegensatz zur schlichten Fachwerk-
ausführung der Hofseite und des nördlichen
Giebeldreiecks ist die massive Fassade in
handwerklich ansprechender Weise gestaltet.
Zu dem rot verblendeten Mauerwerk kontrastie-
ren gelbe Geschossgesimse in Form eines
Deutschen Bandes und eines Tropfenfrieses
unterhalb der Traufe. Die von zwei flachbogigen
Fenstern begleitete Mittelachse betonen von
Brettertüren geschlossene Ladeluken und ein
Kranhaus im Dach.

An den Brodbänken 12. Schmales, traufständi-
ges Wohn-/Geschäftshaus von vier Geschos-
sen, 1900i (Maueranker unterhalb des Giebels).
Für den Friseur Carl Huhn nach einem Entwurf
von Wilhelm Matthies in neugotischer, von der
Hannoverschen Schule beeinflusster Formen-
sprache in Anknüpfung an die lokale Bauge-
schichte unter gestalterisch hohem Aufwand
ausgeführt. Über der sich in zwei Spitzbogen
öffnenden Ladenzone werden die dreiachsigen
Wohngeschosse mittig durch einen spitzwinke-
lig vortretenden Erker akzentuiert und von
einem hausbreiten, gestaffelten Zwerchgiebel
mit Zwillingsblenden in den Staffeln sowie
Terrakottasternen über den Segmentbogen-
fenstern abgeschlossen.
Der variierende Dekor der die Stockwerke tren-
nenden Friese bzw. der Brüstungsfelder (Putz-
fries, schreitender Löwe, Kleeblattbogen-
blenden, Weinlaub, Vierpässe, Fenstersäulchen
im 4. Geschoss) orientiert sich an dem spät-
mittelalterlichen Formengut Lüneburger Back-
steinbaukunst und trägt vor allem mit der rei-
chen Verwendung von Formsteinen, den grün
glasierten Terrakotten und den grünen Stein-
lagen in Kämpferhöhe der beiden Oberge-
schosse zum lebhaften Erscheinungsbild der
rot verblendeten Fassade bei.
Originale Schaufenstergestaltung mit hohem,
versprosstem Oberlicht, das die zurückliegen-
de, ebenfalls ursprüngliche Eingangstür wieder-
holt. Treppe mit kräftigen, geometrisch geform-
ten Balustern und Türen der Erbauungszeit.

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