Universitätsbibliothek HeidelbergUniversitätsbibliothek Heidelberg
Overview
loading ...
Facsimile
0.5
1 cm
facsimile
Scroll
OCR fulltext
AN DER MÜNZE
„Uppe der Munte“ lautete bereits 1438 die von
der hier gelegenen Münze (Nr. 3), einem der
wichtigsten städtischen Gebäude, abgeleitete
Ortsbezeichnung, bevor sich allmählich seit
dem frühen 19.Jh. der heutige Straßenname
einbürgerte. An der Münze bildet den nördlichs-
ten und zugleich breitesten Abschnitt des
Straßenzugs, der das zwischen Neuer Sülze im
Westen und Bäckerstraße im Osten gelegene
Areal ausgehend von der Grapengießerstraße in
Nord-Süd-Richtung unterteilt und gegenüber
der Südostecke des Rathauses auf den Markt
mündet. Die nahe diesem kommunalen Zent-
rum gelegenen, tiefen Grundstücke der West-
seite waren offenbar im 15./16.Jh. vorwiegend
patrizischen Familien vorbehalten. In anschau-
licher Weise tradieren die von ausgedehnten
Anwesen mit mehreren Gebäuden charakteri-
sierte Struktur auf dieser Seite die ehemals
zusammenhängenden Hausstätten Nr. 1 und
Nr. 2 und das ca. 35 Meter breite Eckparzelle
Nr. 7/7a, das ein giebelständiger Trakt an der
Ecke zur Katzenstraße abschließt. Er bildet in
der Achse der Apothekenstraße einen wichti-
gen städtebaulichen Blickfang. Im 15.Jh.
gehörte zu diesem Grundstück das Haus Nr. 6,
dessen vierachsige Fassade nach einer Über-
formung um 1760 ein zweiachsiges Zwerch-
haus bekrönte. Es wird ebenso wie die
Gebäude Nr. 5 und Nr. 4, ein patrizischer Besitz
des 16.Jh., durch einen Sparkassen-Neubau
von 1969/70 ersetzt, der in anpassender
Ausführung den historischen Staffelgiebel des
Vorgängers (Nr. 4) rezipiert. Er bot zusammen

mit dem 1766 umgebauten zweigeschossigen
Traufenhaus Nr. 5, dessen siebenachsige Fas-
sade ein Frontispiz im Mansarddach überfing,
ein stattliches Erscheinungsbild. Auf der Ost-
seite folgen der langgestreckten, modernisier-
ten Traufseite des Gebäudes Nr. 15, das als
Nebenhaus zu dem Patrizieranwesen Am Markt
2 gehörte (s. dort), in geschlossener Reihung
mehrere zwei- bzw. dreigeschossige, trauf-
oder giebelständig orientierte Putzbauten früh-
neuzeitlichen Ursprungs, die unabhängig von
den Besitzverhältnissen zumeist von unter-
schiedlichen Handwerkern bewohnt wurden
(Nr. 14-12), so auch Nr. 9, auf dessen dreige-
schossige, massive Fassade 1881 ein Putz-
dekor aufgebracht wurde, während der Rück-
giebel eine ältere Fachwerkkonstruktion zeigt.
Daneben sticht die mit farbigen Terrakotten
prächtig geschmückte Fassade des Hauses An
der Münze 8a/b im Straßenbild hervor, einst
Seitenflügel des an der Ecke gelegenen
Dielenhauses Nr. 8/Apothekenstraße 10, das
von einem mächtigen neunteiligen Staffelgiebel
des 14.Jh. mit hohen Spitzbogenblenden über-
ragt wurde. Ihn nahm sich Maurermeister J.
Päpper für den 1906 in neugotischen Formen
an gleicher Stelle errichteten Backsteinbau
eines Wohn-/Geschäftshauses zum Vorbild,
allerdings bereichert um Terrakottasterne über
den Bögen, um an der Einmündung der Apo-
thekenstraße einen städtebaulichen Akzent zu
setzen. Die dreigeschossigen Fassaden hinge-
gen sind über dem Ladengeschoss mittels grün
glasierter Ziegelbänder, Segmentbogenfenster
und geschwungener eiserner Balkongitter
zurückhaltend strukturiert.

An der Münze 1. Gebäudekomplex unmittelbar
südlich des Rathauses in markanter städtebau-
licher Ecklage an der Waagestraße, bestehend
aus dem Vorderhaus (Nr. 1) und zwei Flügel-
bauten an der Waagestraße (Nr. la, 1b). Die
breite Hausstätte seit 1480 im Besitz des
Patriziers Hermen von Bardowick. Unter den
nachfolgenden patrizischen Eigentümern (im
letzten Viertel des 16.Jh. die Familie Düsterhop
und im 17.Jh. die Familien Töbing und Laffert)
umschloss sie bis ins frühe 19.Jh. auch die
Parzelle Nr. 2 (s. dort). Zweigeschossiges
Haupthaus des 14./15.Jh., an dessen massi-
ven Fronten sich im östlichen bzw. nordöst-
lichen Gebäudeteil ein Zwischengeschoss able-
sen lässt. Über dem seit 1891 mehrfach verän-
derten Ladeneinbau des Erdgeschosses an der
nördlichen Traufseite im vorderen Bereich unre-
gelmäßige Anordnung z. T. zugesetzter Öffnun-
gen in beiden Obergeschossen, wobei frühere
kleine Spitzbogenfenster auf eine mögliche
Erbauungszeit vor dem 15.Jh. hindeuten. Nach
einem Geschossversprung folgen westlich vier
Segmentbogenöffnungen, darunter im Erdge-
schoss ein Erker. Die gesamte Front überzieht
nach einer Instandsetzung 1975 ein Anstrich in
Ziegelrot mit aufgemaltem Fugennetz. Die dem
Hof zugewandte Traufseite besitzt über dem
steinsichtigen Erdgeschoss im Obergeschoss
eine Fachwerkkonstruktion vermutlich des
17.Jh. Massiver Rückgiebel mit älterer Subs-
tanz, den im Dreieck von Klappläden geschlos-
sene Segmentbogenluken strukturieren. Den
fünfachsigen Ostgiebel unter dem gegen Mitte
des 19.Jh. mit drei Spitzbogenöffnungen um-
gestalteten Giebeldreieck prägt im hohen, ver-

An der Münze, Blick auf die Westseite, Nr. 2-7


259
 
Annotationen