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schoss wohl in den 1850er Jahren errichtete
Bau Nr. 2. Auf dem Grundstück ist 1672 eine
Schmiede nachgewiesen, 1743 ein Sporn-
macher. Charakteristisch für die frühhistoristi-
sche Gestaltung sind der Klötzchenfries des
Stockwerkgesimses sowie der abgetreppte
Ortgang und die Giebelkantenabknickung. Im
Nachbarhaus Nr. 3 wohnte im Frühjahr 1813
Johanna Stegen (1793-1842), die anlässlich
eines Gefechts im Zuge der napoleonischen
Befreiungskriege am 2. April 1813, als sie die
preußischen Soldaten mit Munition versorgte,
zu Ehren gelangte. Das Traufenhaus, das sich
über sieben Achsen auf zwei Parzellen er-
streckt, wurde bereits 1672 als Kramerhaus
und bis ins 20.Jh. hinein als Kolonialwaren-
handlung genutzt, die den dreiachsigen, rech-
ten Teil mit mittiger Erschließung einnahm. Den
Ladenbereich veränderte man zuletzt durch
Verlegung des Hauseingangs in die Ostachse
und eines links davon angelegten Schaufens-
ters. Die vermutlich im Klassizismus überform-
te, geschlämmte Ziegelfassade wird nur durch
die Öffnungen strukturiert und schließt mit
einem profilierten Traufgesims ab. Auf die ältere
Herkunft des Gebäudes weisen sowohl die
rückwärtige, wohl bis ins 16.Jh. zurückreichen-
de Fachwerkkonstruktion des Obergeschosses
über dem massiv erneuerten Erdgeschoss hin,
desgleichen der segmentbogig gewölbte Keller
unter dem nördlichen Hausbereich. Bereits
1964 baute man das erste Dachgeschoss aus,
wobei das mit drei angeblatteten Kehlbalken-

lagen aufgeschlagene Dachwerk wohl ins
16.Jh. datiert. Zeitlich vergleichbar einzuordnen
ist ferner der von Eingriffen gekennzeichnete
Fachwerk-Flügelbau zu sieben Gebinden mit
vorkragendem Obergeschoss über Karnies-
knaggen, der mit einem angeblatteten Band in
einem Erdgeschossgefach mit zugesetzter Ni-
sche sowie paarig angeordneten Fußbändern in
den Brüstungsgefachen des Obergeschosses
Konstruktionsmerkmale des 16.Jh. aufweist.
Ohne eigene Brandwand zu Nr. 3 wurde der
fünfachsige Fachwerkbau über niedrigem Zie-
gelsockel Nr. 4 vermutlich um 1800 in einer
zeittypischen Konstruktion aus, hier sechs,
Doppelständern in zweifacher Verriegelung auf-
geführt. Ein fasziertes Gesimsbrett gliedert die
gut proportionierte Fassade. Die benachbarte
Parzelle an der Nordwestecke der Görges-
straße nahm bis zu seinem Abbruch 1964 ein
zur Straße Beim Benedikt traufständig orientier-
ter, zweigeschossiger Bau unter Walmdach ein,
der über dem massiven Erd- ein Fachwerk-
obergeschoss besaß und vielleicht aus der Zeit
um 1800 stammte.
Die gegenüberliegende Ecke wurde 1899/1900
durch den Ziegelbau eines dreigeschossigen
Wohn-/Geschäftshauses besetzt, den H.
Matthies für den Kaufmann Hermann Buch-
heister nach den Gestaltungsprinzipien der
Hannoverschen Schule entwarf (Nr. 13). Seine
städtebaulich markante Lage unterstreicht an
der abgeschrägten Ecke ein zweigeschossiger
Erker mit Staffelaufsatz, der sich im Oberge-

schoss in einer Loggia öffnet. Variierende For-
men der zu Zweiergruppen zusammengefass-
ten Fenster, glasierte Bänder in Kämpferhöhe,
Stockwerkgesimse und schließlich die Verwen-
dung von Formsteinen, insbesondere an dem
Trauffries der Nordseite, verleihen diesem spät-
historistischen Gebäude seinen besonderen
Gestaltwert. Zum Anwesen Buchheisters
gehörte auch das benachbarte Doppelwohn-
haus Nr. 14/15, ein klassizistischer Fachwerk-
bau, den ein verputzter Neubau (2003) mit dif-
ferierenden Geschosshöhen in den beiden
jeweils dreiachsigen Trakten ersetzt. Die drei
folgenden, zweigeschossigen Traufenhäuser
unter Satteldach (Nr. 16, 17,18) scheinen aus-
weislich der schlicht gegliederten, geschlämm-
ten Backsteinfassaden um 1800 bzw. in der 1.
Hälfte des 19.Jh. im Wesentlichen neu errichtet
worden zu sein, enthalten aber z.T. ältere Bau-
substanz, sodass sie die bauhistorische Ent-
wicklung in diesem Bereich widerspiegeln. Das
massive Haus Nr. 16 zu sieben Achsen ist
durch Fensterveränderungen westlich der mitti-
gen Eingangstür in seiner einst gleichmäßigen
Gliederung beeinträchtigt, bildet aber als volu-
minöser Baublock in gleicher Traufhöhe mit den
übrigen Gebäude einen wichtigen Bestandteil
der geschlossenen Bebauung. Ohne eigene
Brandwände wurde das Gebäude Nr. 17 auf-
geführt, dessen rückwärtige Fachwerkkons-
truktion mit Schwelle-Rähm-Streben im Zuge
einer Instandsetzung 1989 repariert wurde. Die
bereits durch den Einsturz einer Kellerdecke

Görgesstraße, Südseite, Nr. 19, 18, 17, 16



Görgesstraße 13, 1899/1900

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