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Große Bäckerstraße, historische Ansicht nach Norden (links Nr. 13, 12ff, rechts 17,18ff; Museum Lüneburg, G 80)


im Keller der Rest einer bei Bauarbeiten 1980
zutage getretenen Beischlagwange des 16.Jh.,
die einen von zwei Männern gehaltenen Wap-
penschild mit einer Hopfenblüte zeigt. Das 15
Gespärre zählende Dachwerk mit drei ange-
blatteten Kehlbalkenlagen (die beiden unteren
höher gelegt) besteht aus Eichen- und Nadel-
holz. Den Südgiebel kennzeichnet eine
Innenkonstruktion mit Wandpfeilern.
- Hofflügel des 16.Jh. 1796 als dreigeschossig
mit zwei massiven und einem Fachwerkober-
geschoss beschrieben. Vom Ursprungsbau
lediglich das stark veränderte, massive Erdge-
schoss mit tausteingerahmtem Fischgrätfries
überkommen, unter dem ein langer Holzsturz
ehemalige große Fensteröffnungen markiert.
Hingegen die beiden durch ein Deutsches Band
getrennten Obergeschosse, ein Vollgeschoss
und ein Halbgeschoss, wohl Ende des 19.Jh.
unter einem Pultdach aufgesetzt. - Ehemaliges
Nebenhaus (Nr. 49, bis 1958 zu Nr. 48 gehö-
rend). 1892 durch den Gastwirt G. Drossel zu
einem dreigeschossigen Putzbau von vier
Achsen als Wohn-/Geschäftshaus mit erdge-
schossiger Ladennutzung vollständig umge-
baut und mit Geschoss- und Sohlbankge-
simsen sowie Faschenrahmen um die jeweils
vier bzw. im Giebel zwei Fenster schlicht gestal-
tet. Bereits 1926 im vorderen Teil der rechts
gelegenen Durchfahrt ein Laden eingerichtet. In
dem von preußischen Kappen überdeckten
Keller dokumentieren das Mauerwerk aus
Klosterformatziegeln sowie der Fußbodenbelag
aus Ziegeln bzw. quadratischen Tonfliesen die
frühneuzeitliche Entstehung des Gebäudes.

GROSSE BÄCKERSTRASSE
Die erstmals 1306 urkundlich erwähnte Be-
zeichnung „Platea pistorum“ bezieht sich auf
den Straßenzug, der die beiden wichtigsten
innerstädtischen Plätze, den Sand im Süden
und den Markt im Norden, miteinander verbin-
det. Erst ab 1431 begegnet eine Unterschei-
dung in Kleine und Große Bäckerstraße. Deren
gerader Verlauf passt sich im Süden zunächst
der Breite der Kleinen Bäckerstraße an, besitzt
jedoch mit ca. elf Metern bereits einen deutlich
größeren Querschnitt als diese, der sich bis zur
Einmündung an der Südostecke des Marktes
auf 14,50 Meter ausdehnt. Die ab 1843 auf der
Westseite mit einem Trottoir aus Steinplatten
belegte und ab 1851 neu gepflasterte Straße
wurde 1968 zur ersten Fußgängerzone Lüne-
burgs mit einer durchgehenden Lauffläche
ohne Höhenversatz um- und 1994 neugestal-
tet. Nach Osten zweigen ausgehend von der
Giockenstraße im Süden die Zoll- und die
Münzstraße sowie als nördliche Begrenzung
der Straßenzug An den Brodbänken ab. Auf der
Westseite mündet zwischen der Unteren
Schrangenstraße im Süden und dem Markt nur
die Apothekenstraße ein.
Die geschlossene Bebauung der einzelnen
Blöcke geht auf eine Erneuerung der Substanz
im 14./15.Jh., vorwiegend aber im 16.Jh. zu-
rück, als auf den unterschiedlich großen Grund-
stücken giebelständige Dielenhäuser errichtet
wurden. Dabei finden sich die schmälsten
Grundstücke von acht bis neun Metern Breite
zwischen Glocken- und Zollstraße, die gleich-

zeitig einheitlich auf eine Tiefe von rund 40
Metern begrenzt sind, da das östlich anschlie-
ßende Areal dem Glockenhof vorbehalten war.
Als Eigentümer treten hier, ebenso wie auf der
gegenüberliegenden Westseite, vom 15. bis
17.Jh. vorwiegend Kaufleute, Spediteure,
Wandschneider, Kramer (z.B. für Seide und
Gewürze) und Goldschmiede in Erscheinung.
Die Parzellentiefe des nördlich folgenden
Baublocks differiert aufgrund seiner rückwärti-
gen Begrenzung, der nach Osten verschwen-
kenden Straße Auf dem Wüstenort, zwischen
68 Metern im Süden bis zu der mit ca. 108
Metern längsten Parzelle (Nr. 26), die gleichzei-
tig die breiteste ist. Relativ einheitlich über ca.
96 bis 100 Meter Tiefe erstrecken sich die
Grundstücke des nördlichsten Baublocks bis
zur Finkstraße im Osten. Die Hausstätten der
beiden letztgenannten Baublöcke befanden
sich während des 15./16.Jh. nahezu aus-
schließlich in patrizischem Besitz, u.a. der Fa-
milien Lange, Borcholt, Brömse, von Dassel,
Stöterogge, Töbing, Elver, Mutzeltin, Schelle-
peper und Witzendorff. In geringerer Dichte war
patrizisches Eigentum auch in den entspre-
chenden Abschnitten der Westseite vertreten.
Hier besaßen die Grundstücke eine geringere
Tiefe, da der westliche Blockbereich den von
der Straße An der Münze und Schröderstraße
her angelegten Grundstücken zur Verfügung
stand. Einige der Anwesen werden im rechten
Winkel zur Seitenstraße, also der Apotheken-
bzw. der Unteren Schrangenstraße weiterge-
führt, wo sie mit Nebengebäuden zum Wohnen
und Wirtschaften besetzt waren.

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