Fliegende Blätter — 69.1878 (Nr. 1719-1744)

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I,XiX. Bd.

Herr und Diener.

Von Ludwig Kalisch.
(Schluß.)

VI.

Es versteht sich von selbst, daß diese Erbschaftsgeschichte
den allgemeinen, fast ausschließlichen Stofs der Unterhaltung in
allen Familien- und Freundeskreisen, in allen Gast- und Wirths-
häusern bot. Man lobte den Verstorbenen, der die wohlthätigen
und gemeinnützigen städtischen Anstalten so reichlich bedacht, und
man lobte ihn noch mehr, daß er die zudringlichen vorgeblichen
Verwandten auf eine satyrische Weise abgefertigt. Das aller-
lebhafteste Interesse in dieser Geschichte erweckte jedoch Ama
Spitz; der bisher verspottete Bediente war plötzlich in einen
unabhängigen und, für die Vermögensverhältnisse der Stadt,
sogar in einen wohlhabenden Bürger umgewandelt. Wenige
gönnten ihm, die Meisten beneideten ihn um sein Glück; Alle aber
waren überzeugt, daß er sich bald seines Glückes überheben würde.
Wie cs nun seinem Herrn nach dem Tode des Fräuleins von
Schwanensee erging, so erging es ihm selbst nach dem Tode
seines Herrn. Verivaudtc, von denen er früher niemals etwas
vernommen, schossen nun ivie die Pilze aus der Erde. Sie
gehörten sämmtlich zur dienenden Klasse. Kutscher, Bediente,
Hausknechte, Mägde, Kellnerinnen und sonstiges Gesinde meldeten
sich bei ihm als Vettern und Basen, und bewiesen diese Vcr-
wandtschaft mit einer Beredtsamkcit, in welcher die Logik nicht
weniger als die Grammatik über's Ohr gehauen ward. Der
schweigsame Spitz erwiderte auf hundert Worte kaum eine
Silbe. Dies erfüllte die Zudringlichen mit Hoffnung; denn da j
er nicht sprach, widersprach er nicht, was sich Jeder seiner
improvisirtcn Sippe zu eigenen Gunsten anslegtc.

Sehr getäuscht waren jedoch Alle, welche die Ueberzeugung
gehegt, Spitz würde sich in der plötzlichen Verwandlung vom

Diener zum Herrn nicht zu fassen wissen, daß in seiner neuen
Stellung der gemeine Parvenü durch sein Benehmen die Zwerch-
felle erschüttern würde. Die Zwerchfelle blieben uncrschüttcrt.
Amadeus Spitzner lebte nur in der Erinnerung an seinen guten
Herrn und beschäftigte sich mit ihm unausgesetzt. Jeden Morgen
Punkt acht Uhr zog er, wie weiland Herr Wolkenreich, die Helena
und Clytümnestra ans, doch ohne sie in die Tasche zu stecken;
dann säuberte und kräuselte er die Perriikcn sorgfältig, ja fast

andächtig, und er ward immer von unbeschreiblicher Wehmnth
erfüllt, wenn er die Perrüke berührte, in welcher sein Gebieter
das Fest des edeln Fräuleins zu feiern pflegte. Nicht ein ein-
ziges der ihm vermachten Kleidungsstücke zog er an; nicht ein

Werk/Gegenstand/Objekt

Titel

Titel/Objekt
"Herr und Diener"
Weitere Titel/Paralleltitel
Fliegende Blätter
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Aufbewahrungsort/Standort (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Inv. Nr./Signatur
G 5442-2 Folio RES

Objektbeschreibung

Maß-/Formatangaben

Auflage/Druckzustand

Werktitel/Werkverzeichnis

Herstellung/Entstehung

Entstehungsort (GND)
München

Auftrag

Publikation

Fund/Ausgrabung

Provenienz

Restaurierung

Sammlung Eingang

Ausstellung

Bearbeitung/Umgestaltung

Thema/Bildinhalt

Thema/Bildinhalt (GND)
Trauer <Motiv>
Routinearbeit
Diener <Motiv>
Stuhl <Motiv>
Perücke
Karikatur
Satirische Zeitschrift

Literaturangabe

Rechte am Objekt

Aufnahmen/Reproduktionen

Künstler/Urheber (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Creditline
Fliegende Blätter, 69.1878, Nr. 1730, S. 89 Universitätsbibliothek Heidelberg
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