Fliegende Blätter — 69.1878 (Nr. 1719-1744)

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Begebenheit.

besaß er noch die geschätzten Vorzüge einer schwarzen Nase und
eines schwarzen Gaumens.

Trotz dieser besonderen, glänzenden äußeren Eigenschaften
blieb auch des Pudels Kern gut; er erwarb sich durch seine
Gutmüthigkeit und seine an Verstand grenzende Auffassungsgabe,
-durch seinen pndelnärrischen Humor die Zuneigung von Groß
und Klein — von seinem Herrn aber wurde er nahezu vergöttert!

Herbert, im Verkehr mit Menschen mürrisch, abstoßend, ja
oft hart, überhäufte Castor — seinen einzigen Freund, wie er
sagte — mit Zärtlichkeiten.

Das sonstige Erdenwallen meines Großohcimes bot wenig
Bcmcrkenswerthes. Er lebte gleichmäßig, pünktlich wie eine
Sonnenuhr. All sein Thun und Lassen hatte bestimmte Zeit-
abschnitte, ivclchc präcis cingchalten wurden. Ebenso treu blieb
er der Meinung, seine Mitmenschen seien nur ein falsches Ge-
zücht, — seine Verwandten aber ganz besonders eine giftige
Natternbrut, die ihm jede Stunde nachrechne und den Zeitpunkt
nicht erwarten könne, wo durch den gefürchteten Schnitt der
dritten Parze der geizige Vetter zum gesegneten Erblasser
werden würde.

Trotzdem er, seiner Freundschaft zum Possen, ein ncstorisches
Alter erreichen ivolltc, trat das unabwendbare Ereigniß früher
ein, als er erwartet hatte. Aber Freund Hain traf ihn nicht
unvorbereitet. Die „trauernden Hinterbliebenen" waren mit tvcnig
wehmüthigen Gefühlen zur Testamentseröffnnng erschienen und es
zuckte keine Wimper, als der bestellte Vollstrecker dieser letzt-
willigen Anordnung das drückende Gcheimniß durch Lösung
des Siegels entschleierte.

Die Schreckensepistel lautete folgendermaßen:

„Ich nehme die Ueberzeugung mit mir in's Grab, daß die
mir durch die Bande des Blutes Verwandten keiner uncigen-

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TU

Wie die Familienüberlieferungen lauteten, war mein Groß-
ohcim Herbert ein wunderlicher Kauz. Er blieb bis zu seinem
Ende ein Hagestolz; die Freuden und Leiden des Ehe-
standes waren für ihn uncntdeckte Welten.

Da die Feuerblicke der wenigen weiblichen Wesen, welche
seinen Lebenskreis tangirten, nicht im Stande waren, die ark-
tische Region seines Herzens zu schmelzen, so wandte er den
restlichen Theil seiner Liebe,, die er nicht für sein eigenes Ich
consumirte — seinem Pudel Castor zu.

Castor war aber auch ein Prachtexemplar, ein Idol für
Hundefreunde. Prachtvoll behängt, brcitbrüstig und rehäugig.

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Titel

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"Eine seltsame Begebenheit"
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Fliegende Blätter
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Aufbewahrungsort/Standort (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Inv. Nr./Signatur
G 5442-2 Folio RES

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Werktitel/Werkverzeichnis

Herstellung/Entstehung

Künstler/Urheber/Hersteller (GND)
Wagner, Erdmann
Entstehungsort (GND)
München

Auftrag

Publikation

Fund/Ausgrabung

Provenienz

Restaurierung

Sammlung Eingang

Ausstellung

Bearbeitung/Umgestaltung

Thema/Bildinhalt

Thema/Bildinhalt (GND)
Spazierstock
Zylinder <Kopfbedeckung>
Sonderling
Stuhl <Motiv>
Großonkel
Älterer Mann
Karikatur
Pudel
Sympathie
Hund <Motiv>
Alleinstehender Mann
Sitzen <Motiv>
Satirische Zeitschrift

Literaturangabe

Rechte am Objekt

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Künstler/Urheber (GND)
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Fliegende Blätter, 69.1878, Nr. 1736, S. 137 Universitätsbibliothek Heidelberg
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