Fliegende Blätter — 79.1883 (Nr. 1980-2005)

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Erscheinen wöchentlich ein Mal.

iS 3003.

Preis des Bandes (26 Nummern) M. 6.70. Bei direktem
Bezüge per K r e u z b a n d: für Deutschland und Oesterreich
Jt 7.50, für die anderen Länder des Weltpostvereins M. 8.—
Einzelne Nu nun er 30

Bd.

Bom Michel und sein großen Herzen.

(Fortsetzung.)

„Michel!" sogt jetzt die Trudel, zahlt dabei mit ihren
zaundürren Fingerln von siebene an und tupft endlich dem
Herzkönig mitten in's G'sicht — „Michel Du wirst noch
viel d'erleben, eh wenn Du die Rechte kriegst. Denn schau' die
Herzdam' - die steht völlig draußt aus'm Blattel — siebene

— achte — neune — zehne — da! dös rothschädlete Frauen-
ziinmer — dös is' Carreau-Aß — die spitzet auf Dich! Aber

— laß' Dir rathen, — nimm Dich in Acht! Wegen derer
kriegst Schlag'! — siebene — achte — neune — zehne —

oh, Jegerl! die Pique - die hall' Dich für'n Narren!
Neune — zehne — die Alte da, die hält's scharf auf Dich,

für ihr bucklet's Töchter! — aber — los! Z'letzt kriegst doch
die Herzdam' und neben derer steht der Carreau-Zchner —
's Geld — richtig! da is die G'wißheit! Sichst es? der
Brief — und daneben, der kleine Weg — sieben — achte
— neune — zehne — in's Haus — der Carreau-Neuner
dazu — 's stimmt schon, die Geldkarten!

Na, schöner kannst Dir's gar nit wünschen! Aber a wengerl
warten mußt noch auf Dein Glück und — die Hörndln wirst
Dir auch noch ablaufen müssen!"

Noch einmal hat die Trudel die Karten g'mischt, und wie-
derum sind dem Michel die Schlag' mit G'wißheit g'standen;
z'letzt aber auch die Herzdam' mit'n Geld.

„Na!" lacht jetzt der Michel, ,,d'Schlag', die sürcht'i'nit.
Soll einer kommen und dem Michel seine Faust Prokuren!
Aber — daß's nur eine richtige Herzdam' für mich geben
sollt' — dös verdrießt mich!"

„Pfui Teixel, schäm' Dich, Michel!" zürnt da die Alte
und steckt ihre picketen*) Karten in' Sack, — wnnn'st glei' a'
dutzet Weiber nehma willst, mußt halt a' Türk werden!"

D'rauf is f 'gangen.

Aus'm Heimweg, beim Freithof, begegnet der Trudel die
Lenerl.

„Na, wo kommt denn heunt, am Sunntag, die Trudel-
Mahm daher?" hat 's Lenerl g'fragt.

„War beim Michel, — Hab ihm was am Zeug g'flickt!"
erwidert ihr das alte Weiberl, das sich völlig g'fchnmt hat
für'n Burschn sein' Dummheit.

„Der arme Michel!" seufzt d'rauf 's Lenerl, „der hat
jetzt Niemanden, der sich um sein' Sach' bekümmern thät, als
Enk, Trudel-Mahm! Oh mein! Wann nur frei ich sein
Mutterl sein dürft', — aber — ich bin leider! — z' jung
dazu!"

*) klebrigen.

«4

Werk/Gegenstand/Objekt

Titel

Titel/Objekt
"Vom Michel und sein' großen Herzen"
Weitere Titel/Paralleltitel
Serientitel
Fliegende Blätter
Sachbegriff/Objekttyp
Grafik

Inschrift/Wasserzeichen

Aufbewahrung/Standort

Aufbewahrungsort/Standort (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Inv. Nr./Signatur
G 5442-2 Folio RES

Objektbeschreibung

Maß-/Formatangaben

Auflage/Druckzustand

Werktitel/Werkverzeichnis

Herstellung/Entstehung

Künstler/Urheber/Hersteller (GND)
Steub, Fritz
Entstehungsdatum
um 1883
Entstehungsdatum (normiert)
1878 - 1888
Entstehungsort (GND)
München

Auftrag

Publikation

Fund/Ausgrabung

Provenienz

Restaurierung

Sammlung Eingang

Ausstellung

Bearbeitung/Umgestaltung

Thema/Bildinhalt

Thema/Bildinhalt (GND)
Karikatur
Satirische Zeitschrift

Literaturangabe

Rechte am Objekt

Aufnahmen/Reproduktionen

Künstler/Urheber (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Reproduktionstyp
Digitales Bild
Rechtsstatus
Alle Rechte vorbehalten - Freier Zugang
Creditline
Fliegende Blätter, 79.1883, Nr. 2003, S. 189_24
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