Unser Landsturm im Hennegau — 1.März 1916 - Februar 1917

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Unser „ Landstnrm im. Hennegau " erscheint
wöchentlich einmal zum Bczugspreis von
30 Pfg für Monat.

Mons, Sonntag. den 2. April 19t 6.

Geschäftsanerbietcn werden aufgenommen zu«
Preise für die 4 gespaltcne Zeile oon 13 Pfg,
bei Dauerinseraren von 10 Pfg.

Nrrsere Erfolge.

An der Westfront gehts rüstig weitcr. Wir haben nach ausgiebiger
Artillerievorbereitungen die Stellungen bei Avocourt und Malancourt nebst
den beiden Dörfern genommen und dabei annährcnd 900 Mann als
Gefangene eingebracht, 1 Maschinengewchre und 1 Geschütz.
Lt. Jmmelmann hat seiu 13. Flrrgzeug abgeschoffen. Der
U.-B«otkrieg geht seinen Gaug, und 70000 t Raumverlust ist cine emp-
findlichc Schädigung bez. der cnglischen LebenSmittelzufuhr. Jm Osten
prallen unter üußerst blutigen Verlusten alle Anstürmc der Russen an un-
sercr eisernen Mauer ab.

Jmmelmarrn uud Boehlke.

Jch such' einen Reim auf "Jmmelmann
> Jch such zu allen Stunden

Jch such mir einen Fimmel dran —

Und hab ihn nicht gefundcn. —

„Nun bringt doch mal' nen Kümmel ran"

Könnt' man als Gruß ihm sagen —

Doch kann der arme Jmmelmann
Ja nicht soviel vertragen —

Wie zu ihm im Gewimmel ran
Weither die Freunde wallen —

Drum will der Reim mit „Kümmel ran"

Mir doch nicht rccht gefallen!

Da ruckt mein Musenschimmel an
Und bringt mich fast zu Schaden,

Des andern dacht ich, Jmmelmann,

Des guten Kameraden,

Der die Franzosenlümmel an —

So oft griff, das eS krachte
Und fie im Kampfgetümmcl dann,

Wie Du, zur Erde brachte. —

Dnim — glückt'S mir nicht mit Juimelmann
Jch will es gcrn verwinden —

Wer wollte, — hör mich, Himmel an! —

Auf — „Böhlkc" Reimc finden ? ?

R.

Verborgene Schätze.

Von Gefr. E. Sch.

Die Belgier stnd vielfach der Meinung, daß sie Arm in Arm mit ihren
Bundesbrüdern, den Franzosen, an der Spitzc der Zivilisation marschieren,
daß fie insbesondcre cin hohes Maß von Jntellienz besitzen, während wir,
ihrc östlichen Rachbarn, schlechtweg als „Barbaren" gelten. Dieser Glaube
soll ihncn auch nicht gcraubt «erden; aber vielleicht kommen fie, wenn fie
nachfolgende kleinc, aber wahre Geschichte gelegentlich erfahren, zu der Er-
kenntnis, daß es auch bei ihren eigcnen Volksgenossen noch allerlei Unklug-
heit gibt und das die „Boches" am Ende gar nicht so schlimm find, wie fie
verschrien werden.

Frau St. M. in S., die Besitzerin desjcnigen Hauses, in dem fich das
Gcschäftszimmer der 3. Komp., Batl, Schw. befindet, hat sich im Verlauf
dieseS Kriegcs nach jenem Teil Frankreichs begeben, in dem sie durch Frau-
zosen und Engländer von etwaigen Uebergriffen der „Hunncn" geschützt
ist. Jhr allerdings schon etwas altes, aber noch recht wohnliches HauS
mußtc sic freilich zurücklasscn, und der Majistrat hat es den Truppen al»
QuartierhauS überwiesen. Jhr Sohn ist z. Z. noch in S. wohnhaft.

Dieser Mann faßte sich eincs Tages ein Herz, ging mit seincr
Schwester und einer bcfreundcten Dame in das Büro und bat um die Er-
laubnis, mit den bciden Damen zusammen das Haus besigtigen zu dürfen.
Man fand diesen Wunsch für verständlich, umso mehr alS St. M. vorgab,
man wollte fich einmal von dcm baulichen Zustand des Hauscs überzeugm.
Jch führte die Herrschaften durch sämtliche Zimmer dcs Hauses, die —
soweit sie nicht Geschästsräume sind, von Angehörigen der Kompagnie b«-
wohnt werden. Jedcsmal fcrierten die drei Belgier etwas auffallend die
Oefen, sprachen auch einigc Wortc dabei, die ich mit meinem bißchen
Schulfranzösisch natürlich nicht verstand.

Schlicßlich bat der Mann in dem einen Quartier um die Erlaubnis,
den Ofen ein wenig abrücken zu können, sodaß wir schon glaubten, er wolle
sich dcn Schornstein einmal von innen besehen. — Bald aber kam er mit
seinem cingentlichen Anliegen zum Vorschein. Er behauptete, seine Muttcr
habe vor dem Verlaffen deS Hauses in dem Kamin Wertpapiere versteckt.
Jn der Tat förderte er nach längcrem Suchen eine Blechbüchsc mit der
Aufschrift „Sucre" zutage, bie keincn Zucker, wohl aber 3000 Francs in
belgischen Rentenbriefen enthielt, die natürlich schon recht vcrräuchert aus-
sahen, aber sonst noch wohlerhalten waren. Natürlich durfte der Finder
diese Papiere nicht mitnehmcn, da er stch als Vertreter seiner Mutter nicht
auSweisen konnte. Jhm wurde vielmehr eröffnet, daß die Sachcn zunächst
vom Bataillon in Vcrwahrung genommcn und alsdann dem Magistr«kt
übergeben werdcn würden, dcr ste aufzubewahren hätte, bis der rechtmSßigr
Eigentümer glaubhaft rrmittelt wäre.
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