Unser Landsturm im Hennegau — 1.März 1916 - Februar 1917

Page: 233
DOI issue: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/feldztglandsthen1916bis1917/0241
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile

1. Jahrgang. Ansicht von Mons der Hauptsiadt dcs Hcnnegaues Nnmmer 45

Vle Keiegrreltung „llnser Lanclsturm im stennegau"
crschelnt wöchentllch elnmsl rum Lerugspreis oon
D Zv Lsennlg sür clen Monat. V

Mons, Sonntag de« V. Jannar 1S17.

6e!chZNrunert>Ieten merclen ausgenommen rum streffr
oon IS stsennig sllr öle 4gespsltene reilc, dei vauee-
inleraten rum preise von 10 stsennlg.

Der Kaiser «ber die Ablehnuug der Friedeusuote
An Meiu Heer und Meine Mariue.

V16. Berlin, 5. Januar. (Amtlich.) ,
An Mein Heer und Meine Marinei

Im Verein mit den Mir verbündeten Herrscher» hatte Jch unseren
Feinden vorgeschlagen, in alsbaldige Fricdensverhandlungen
einzutreten und die Feinde haben Meinen Vorschlag abgelehnt. Jhr
Machthunger will Deutschlands Vernichtung. Der Krieg nimmt
seincn Fortgang. Vor Gott und der Menschheit fällt den feindlichen
Regierungen allein die schwerc Verantwortung für allc weitercn
furchtbaren Opfer zu, dic Mein Wille Euch hat crsparen wollen. Jn der
bcrechtigten Entrüstung über der Feinde anmaßenden Frevel, in dem Willen,
unsere heiligsten Güter zu verteidigen und dcm Vatcrlande eine
glückliche Zukunft zu sichcrn, werdet Ihr zu Stahl wcrden.

Unsere Feinde habcn die von Mir angcboteiic Vcrständigung nicht
gewollt. Mit Gottes Hilfe werden unscre Waffen sie dazu zwingen.

Großes Hauptquartier, 5. Januar 4917.

Wilhelm J. R.

Braila genommen.

Berlin, S. Januar, abcnds, Amtlich.

Jn der Großen Walachei ist dic rumänische Haupthandelsstadt Braila
von deutschen und bulgarischcn Truppcn genommcu. Die Dobrudscha ist
vollständig vom Feinde gesäubert.

Ahnnug.

Jn Träumcn versunken nehm ich die Fedcr zur Hand
Jn Worten der Liebe mit ihm zu plaudern,

Der auf cinsamer Wacht, fern in des Feindes Land
Sein Blut zu ocrgießen nicht zaudcrt :

Es rauschen dic Wellen am Njemen Strand
Und bringen Grüße dem Freunde entlang!

Di« Gedanken reihen und HSufen sich auf,

Es wird der Griffcl nicht müde zum Schrciben

Er erzählt von des Tages Unruh und Lauf
Von dcr Völker Schlachtcn und Treiben.

Doch gleich den Sterncn am Himmelszelt
Wird der Brief durch trautcrc Zeilen crhellt!

Da horch . . . .! Durch das geöffncte Fenster dcr Frühling lind
Trägt einer Geige sehnsüchtigc Weise.

Und jctzt ?-Lockt mich das Spiel oder narrt mich der Wind ?

. . . Das Heidegrab. . . tönt's zu mir leise

Und Ahnung crfüllt mein Hcrze schwer

Dic Feder fällt, zu schreiben vermag ich nicht mehr,

DaS Haupt bergc ich schluchzend, dic Frcude zieht ab :

" Schneeroscn blühen auf dem Heldengrab. . . .

M. Röhrs.

Brüsseler Bilder.

Von Hermann Ritter.

Vo« einem Ltammtisch z«m a«der«.

Der Dcgriff „Stammtisch" schcint in Brüssel der Bod.-nständigkeit z«
entbehrcn nnd nur für abendliche Sammel- und Trmkstellen in Gasthäuser«
Deutschlands zulreffend zu sein. Gewiß kennt auch der Bclgier derartige
Sammelstellcn für Gastbesucher, aber doch nur in Formen, die LandeSge-
brauch und Volkstcmpcrament angepaßt find. Die deutschr Seßhaftigkeit
ist ihm, falls er nicht zur Klassc der Nichtstuer oder alten Zinsenver-
zehrer gehört, jedenfalls nicht cigen und cbensowenig in den meiste»
Fällen eine alltäglich aufs neue dokumentierte Trinkfestigkeit. Der belgischr
Stammtisch zeigt auch selten das deutsch« Einerlei der Getränke und
Gläser, crlcbt nicht, daß cin Kellner ohne besondere Aufforderung still-
schweigend ein GemSß mit neuer Füllung versteht und so in selbstver-
ständlich ruhigcm Walten jcdem Gaste zur Einnahme der ihm für sein
abendliches Wohlbefinden erforderlich erscheinenden GetrLnkmenge ver-
hilst.

Natürlich hatten dic Deutschen in Brüsfel immer ihre Stammtisch«
ebenso wie die Landsleute an irgend einem andercn Orte deS bewohnt««

— 133 —
loading ...