Unser Landsturm im Hennegau — 1.März 1916 - Februar 1917

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1. Jahrgang. Anficht von Mons der Hauptstadt des Hennegaues Nnmmer 14.

VI« Xrlegsreltung „tlnser taNilsturm im liennegau"
erschetnt wöchentNch einmal rum kerugspreis von
V )0 pfennig für cten Monat. T)

Mons, Sonntag, den 4. Jnni 1818.

SelchLstAncrblcten weräen aufgenommen rum streste
von lö stfennlg sllr cklc fgelpaltene rell«, del vauer-
inlersten rum strcil« oon I» stfcnnig.

Unsere Erfolge.

Berdun unser Ziel. Näher rücken wir ihm v»n Woche zu Woche,
mehr und mehr zerbröckelt dic Macht unserer Gegner an Land und Leuten. 163
Osfiziere,S544 Mann, 1 Marinegcschüh, 3 Geschütze, 42 Maschinengewehre
Kriegsbeute der verfloffenen Woche bewcisen, daß unser Druck nicht er-
lahmt ist und nicht crlahmen wird.

Dcr Tanz «n dcr Tiroler Grenze wird wild und wilder. Die italie-
nischc Besestignngssperrc ist durch die Erstürmiing der beiden Festi^rgen
Asiago und Arsicro durchbrochen, und es ist nur cinc Frage kurzcr Zeit,
daß die gcheiligte Lomdardci durch unser Brudervolk bctreten wird, daß
es nun ernstlich dem Verräter an den Kragen geht. Die dortige Beute
bcläust sich in dieser Woche aus 170 Ofsiziere, 6908 Mann und 30
Geschütze.

Hurra «nsereu Blaujacken! Ueber 1V880V
Tonnen Kriegsschiffsverluste (9 grosre Kampfschifse, 11 klei-
nere Einheiten) wird tvohl den Eugländeru über unsere
Seemacht ein Licht aufgehen laffen.

Eiu Besuch bei unscrn Feldgrauen i« der Schweiz.

Liebe Feldgraue! Hcute will ich Euch etwas erzählen, wie es am
Bierwaldstätter See «uSsieht, den ich über Ostern besuchte, um, wenn
möglich, in contakt zu trcten mit drn dort in »erschicdenen Ortcn
untergebrachten kriegsgefangencn und erholungrbedürftigen Kameraden
»on Euch.

Schon bei Eintrcffen des erstcn Transportes, welchcr vor ca. zwei
Msn«ten erfolgte, nahm ich mir fcst vsr, diesen Bcsuch baldigst zu machen.
Ich forderte unsern „eisernen" Frank auf, mit;uk»mmen, w«s zern ange-
uommcn wurdc, da pp. Frank spezicll hoffte, auf diese Wcise viellcicht
den »der jenen Regimentskameraden zu treffen, wclcher im Septcmbcr
1914 bei den Angriffen seincs Regimentes verwundct ebcnfalls in die
französische Gefangcnsch«ft gcriet. Der Himmel machte am Charfrcitag
«nscheincnd zu mcinen ReiseplSnen ein g«nz zustimmendes Geficht, schien
fich aber die Sache am Gamstag doch nsch anders überlezt zu haben und
»ls ich am Samstagmittag den Schnellzug nach Luzern bcstiez, sah
die Sache ziemlich sengerig aus, »enigstens n«ch landläufigem philister-
h«ften Bezriff. Es wurde nun zanz cinfach die Parole ausgcgebcn:
„Es herrscht «uf alle Fiille schöneS Better" ! Nachdem dicse Formsache
erledißt w«r und ich mich schließlich in Luzcm befand, betrachtete ich ein

eben einsetzendes ausgiebiges Hagclwettcr als gutes Vorzeichen, zum
mindesten aber als Ovation, dargebracht dcr „Liga" von dem in Luzer»
rcgiercndcn Jupiter pluvius. Wcnn man guten Mutes ist, so kann ma«
sich schlicßlich auch lei Rcgenwetter in Luzern recht gut unterhalten und
abends besuchte ich das Saison-Eröffnungskonzert im Kursaal. Das
Völkirgemisch, was sonst schon um diese Jahreszeit in Luzern anzutrcffe»
war, ist infolge des Krieges jeht nicht zu vcrzeichnen. Jmmerhin war ich
nicht der einzige Fremde. Sonntag früh traf mit dem Morgenschnellzug
pp. Frank ein. Wir besuchen das Vormittags-Promenadenkonzert, stLrkten
uns daraufhin kräftig und fuhren uach Tisch über den Vierwaldstättcr-See
mit dcm Dampfer, unscrem Ziele, Brunnen, entgegen. Auf dcr zwciten
Station Hcrtcnstcin sahen wir bcreits 4 unserer feldgrauen Offizier«.
Diesclben wurden »on den Schiffsgästen sympatisch begrüßt, zogen stch aber
daraushin beschciden son der Landungsstelle in den nahen Park zurück.
Auf der nächsten Station Wiggis erblickten wir einen der Unsrigen im
blauen Waffenrock, ohne Rcgimentsabzeichcn. p. p. Frank „kaufte" fich
den Mann sofort, wobei cs stch hcrausstellte, daß er einen 118er oor fich
hatte, welcher zu gleicher Zeit und «m gleichen Ort in Gefangenschaft ge-
riet, wie p. p. Frank, der als 116er diente, selbst. Jhr könnt Euch nu«
leicht vorstellen, was es da alles zu fragen und zu beantworten gab. Der
118 er hatte landsmannschaftlichen Besuch bei sich, mit wclchcm er einen
Ausflug mit dc« Dampfer nach Flüclen machen durfte. Nachdem wir i»
Brunncn glücklich gelandet und unscr Hotelguartier sichergestellt hatten,
begaöen wir uni sofort auf die Suche nach unseren Feldgrauen, wovon
insgesamt ca. 90 Mann zus«mmen in den beiden Hotels „Victoria" und
„Sonne" untergebracht sind. Wir wählten für unseren Besuch daserstere u.
waren in der Tat recht froh, daß eS ziemlich kräftig regnete, denn sonst
hättcn wir wohl unsere Landsleute nicht s» zahlreich im Quartier ange-
troffcn. Unter Franks Führung betraten wir die im Parterre gelegenen
Unterhaltungsräume, wo wir unsere li«benFeldgrauen spielend,rauchend u»d
dic Zeitungen studierend fröhlich beisammen sahen. Gleich beim Eintritt
erblickte p. p. Frank einen RegimentSkameraden, gleichfallS mit dcm „Ei-
sernen Kreuz" geschmückt. BeiderseitS riesige Freudc. Nun abrr nahte
fich mit AmtSmine dcr al» AnstaltSchcf fungierendedeutsche Unteroffizicr mit
dem Ersuchen, um Dorwei« der BcsuchSbewilligung, welche vorgeschricbe»
ist, wenn «an die Jntermerten in ihrem Heim aufsuchen wÄ. Zur Ret-
tung der Situati»n trug nun v»r allen Dingen daS schwarz-weiß«
Band des „Lisernen', welches die Brust von p. p. Frank ziert, bei.
Noch einige weiter« ErklSrungen und VorweiS unserer Militärpapiere
glStieten d«S Umtsgewiffen d«S Gcstrcngen und unS wurd« „ganz «»S-
nah«Sweise' da» Verbleiben gestattet. Hierauf »or allen Dingen leb-
hafter Nachrichten«uStauschzwischcn Frank und seinemRegiment»kamcr«den.

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