Unser Landsturm im Hennegau — 1.März 1916 - Februar 1917

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1. Jahrgang. Anstcht von MonS der HaUptstadt deS Hennegaues Nvmmer 4S

IX« >crleg»«!tung „llnlcr canästunn Im stcnneg->u"
«rschelnt wSchentllch elnmsl rum stcrugsprrlL von
» R pfcnnlg sllr gcn MonsI. «

Mo«s, Souutag den 4. Fedrnar 1V17.


SetchZttrsnerdlrrcn wercken sutgenommen rum strest«
von IL kstcnnlg sllr Llc Hgclpallcne relle, bel Vsuee-
'nierslen rum strcik« von 10 stsennlg.

U-B»»te heraus.

Kndlich flnd »ir soweit, endlich können wir unabhängig von allen
demüligenden Forderungen Amerikas unser Schwert völlig aus der
Scheide jiehen. DaS ganze deulsche Dolk hat mit Sehnsucht diesen
Dag erwartet, der Ansang sein soll vom Ende aller Schrecken dieseS
langen unsSglichen KriegeS.

Der oerichärpe mil atlen verfügbsren Mitteln durchttrittene U-Poot-
Krieg — das fühlt jeder Deutsche —ist das einzige Mittel, dem Brand-
stister England an den Lebensnerv zu gehen. Nicht eher wird auf der
Welt Frieden werden, eh nicht dieses Bolk in seine Schrecken zurückge-
wichenist, die es frevclhaft seit Jahrhunderten zum Schaden der gesamten
Erdenbevölkerung überschritt. Dazu die Worte unsereS HindendurgS:

Unsere Front steht auf allen Seiten fest. Wir haben überall die
nötigen Reserven. Die Stimmung der Truppen ist gut und zuver-
stchtsich. Die «riljtärische Gesamtlage lätzt es zu, alle Fol-
gxu anf nns z« «ehme», die der «neingeschränkte U-Boot-
Krieg nach sich ziehe« könnte. Und weil dieser U-Boot-Krieg
unter allen Umständen ein Mittel ist, um nnsere Feinde anf das
schwerste zu schödigen, muß cr begonnen werden. Admiralstab und
Hochseeflotte si„v dcr fcsten Ucberzeugung — einrr Uebcrzeugung,
die in dcn Erfahrungen des U-Boot-Kreuzerkrieges ihre praktische
Stützc findet —daß England durch diefe Waffe z«m Frieden
gebracht werde« wird.

Deutsch sei«.

Dcutsch sein heißt stark sein unb stolz im Streite,
Wehrhaft und steghaft in Glück und Rot.

Drutsch sein heißt kühnen Micks ins Weit«
SpLhen, srei nnd froh bis znm Tod.

Deutsch sein heißt wahr fein in Wort und Werken,
Tren, voll Vertraucn und Ehrlichkeit,

Heißt, di« Secle im Sonncnbad stärken
Gläubigen Aufbli'cks znr Ewigkeit.

Deutsch scin heißt die Welt bezwiiigen,

Trotzcnd dem Erdkreis, der unS umdroht.

Deutsch sein heißt zu dcn Sterncn dringcn
AufwärtS durchs Dunkel zum Morgenrgt.

Karl Jüugcr (z. Zt. im Felde.)

b

Kriegserlebniffe eines BelgierS im Herbft 1S14

Die Kämpfevom 23. August 1S1S.

Chatelet—Presles—Bouffioulx.

Am 21. August morgcns 2 Uhr, wurde ich in meincr Wohnung i»
Brüsscl—rue de Tröne — durch hestiges Kliiigeln fowie Schläge a»
meine Türe geweckt, während mir fema> d zurief: „ Herr, Herr, »in Brief
ist für Sie da!" Es war cine kurze Mitteiluiig eines meiner Freund«,
eines höheren Beamten : „T ie Demschni stnd im Anmarsch auf Brüffel,
hüchstc Gcfahr in Berzug, bringen Sie sich mich Bouffioulx ssüdöstlith
Charlcroi) in Sichcrheit."

Dcr nächste Aug geht um 7,30 Uhr, ich habe also noch gcnügend Zeit,
meincn Bündel zu schnüreu und cinigr ^iiicfe ;u schreiben.

Jn dem Zwielicht des Rtorgens stcht die Hauptstadt auS, wie souft
auch ; nichts erinnert an Krirg. Rur am Südbahnhof macht fich ei»
eigentümliches Trciben bemerkbar. Bcrstörtc Menschen eilen umher, die
nicht wisten, in welcher Ri'chtung ste abfahrcn sollen, andere kommen wiedrr
an, die flüchten wollien, wieder anderc reisen ab, und wollten doch hier
bleibcn, da weinen Fraucn, dort jamniern einige Alte. Und in all diese«
Wirrwarr nur die Bahnbedientestcn und Beamtcn, welche ihre Kaltblütigkeit
und amtliche Ruhe bewahrt habeu. Es zweifelt zwar niemand dara»,
daß der in dcr Hallc stehende Zug der lehke nach Charleroi—Chatrlineaux
ist, aber bestimmt wiffen es nur die Beamkeiu

Endlich geht der Zug ab, und mit znei Stunden Verfpätung erreicheq»
wjr Chatrlineaux. Hier mcrkt man anch sofori, daß Krieg ist, und übrr-
all wilde Erregung. Akgerische JSgcr, Fußvolk, Reiter schwärmen umher,
kommen und gchrn ; di« Straßen stnd beseht, die Brückeu bewacht.
„Hier können Sie nicht durch", hält mich der Posten an; ich verlege mich

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