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Strocka, Volker Michael
Die Wandmalerei der Hanghäuser in Ephesos (Text): Die Wandmalerei der Hanghäuser in Ephesos — Wien: Verlag der österreichischen Akademie der Wissenschaften, 1977

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https://doi.org/10.11588/diglit.48995#0109
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Hanghaus 2 - Wohnung iv

WOHNUNG IV

In der Behandlung der Malerei ziehe ich die vierte der nach der Reihenfolge ihrer Freilegung bezifferten Wohnungen vor, um dann Wohnung V
und schließlich Wohnung III zu erörtern, weil sich dort im besterhaltenen Raum H 2/12 die schwierigste Datierung und in H 2/16a eine Art
Probe auf die bisher ermittelten Schichtenfolgen ergibt.
Nach Norden in gleicher Breite an Wohnung I anschließend, liegt IV auf einer fast sechs Meter tieferen Terrasse. Ihr Eingang befand sich in
dem schmucklosen Raum H 2/4, wenigstens seitdem der mit Wohnung I gemeinsame Vorbau in die Stiegengasse 1 bestand. Die Treppe macht
hier einen Absatz (H 2/2), bevor sie zum Oberstock von IV hinaufführt. Ursprünglich betrat man das Erdgeschoß in Raum 5, bis bei Anlage
der Treppe der alte Eingang vermauert wurde. Die in derselben Flucht liegenden kleinen Räume 6 und 14 weisen keine Reste von Wandputz
auf. Der zwischen H 2/4 und 19 aufgedeckte Ziehbrunnen darf wegen seiner mit einem späthellenistischen Nymphenrelief (um 100 v. Chr.)
geschmückten Einfassung301 und der im Schacht gefundenen augusteischen Keramik als ältester Bauteil der Wohnung angesehen werden.
Ob die Aufteilung des östlich folgenden Binnenhofes H 2/21 mit seinem ursprünglich vierseitigen Umgang H 2/7~19-14a-14b-14c-14d-22
ebenso alt ist, muß offen bleiben. Einschneidende Veränderungen brachte hier der im frühen 3. Jh. n. Chr. erfolgte Einbau des Apsidensaales
unter H 2/8 und 9, dem sich ein Umbau der Pfeilerstellung von H 2/21 anschloß. Die Aufteilung des Umgangs in kleine Zimmer und die
Schließung der Pfeilerstellungen sind Ergebnisse einer letzten Veränderung, die auch eine durchgehende Neubemalung zur Folge hatte.
Wieviele Räume nördlich von H 2/7 zur selben Wohneinheit gehörten, ist bei dem gegenwärtigen Stand der Ausgrabungen noch nicht zu
sagen.
Man hat aus den zahlreichen Graffitti und dem Vorkommen einer Reihe gleichgroßer Zimmer schließen wollen, Wohnung IV sei eine
Herberge oder Gaststätte gewesen. Dem widerspricht, daß 14 b und c bald nach ihrer Errichtung den eigenen Eingang vermauert bekamen und
über 14 d zugänglich waren. An Graffitti findet sich in den übrigen Wohnungen kaum weniger.
H 2/2 (TREPPENHAUS)
Beschreibung der Malerei
An der Westwand erhielt sich ein 1,60 m hoher, 90 cm breiter Rest der für Treppenhäuser üblichen Quadermalerei (vgl. H 1/SR 2, Treppenhaus
westlich des Oikos in H 1, H 2/SR 2 und H 2/18). Die obere Quaderreihe ist, zwischen den roten Streifen gemessen, 51 cm hoch, die mittlere
43 cm. Die einzelnen Rechtecke tragen hier eine abwechselnd grüne und gelbe, stellenweise rot verfärbte Binnenlinie. Auch an der Ostwand
sowie im Treppenhaus auf beiden Seiten und selbst im Aufgang zum zweiten Stock trifft man auf Partien dieser Dekoration.
Datierung
Ein terminus post quem besteht im Bau des Treppenhauses auf die Stiegengasse 1, der gleichzeitig mit der Erweiterung der Wohnung I erfolgt
sein muß. Die Errichtung der Mauern aus Bruchsteinen mit Ziegeln bestätigt auch hier das bereits (S. 43) erschlossene Datum dieser Erweite-
rung in der 1. Hälfte des 2. Jh. n. Chr. Sehr ähnlich ist die Treppenhausmalerei in H 2/SR 2, die um 180/190 datiert wurde (s. S. 45), deren
Ausführung sich aber als viel exakter, darum wohl wesentlich früher erweist. Eine genaue Datierung dieser isolierten Reste ist nicht zu geben.
Das Vorkommen von Gelb, das der vielleicht tetrarchischen Quadermalerei in H 1 fehlt, läßt an severische Zeit denken, die Fahrlässigkeit der
Ausführung verweist jedoch wahrscheinlich in das 5. Jh.

H 2/4 (EINGANG)
Beschreibung der Malerei
Der Eingangsraum der Wohnung IV ist vor der Schließung des Zugangs zu H 2/5 mit diesem Raum gemeinsam zweimal schlicht weiß verputzt
gewesen. Man sieht Reste an den massiv aus Bruchstein errichteten, also zum ältesten Bestand gehörigen Ost- und Nordwänden. Die nur
15 cm starke Vermauerung des Zugangs zu H 2/5 durch unverputzte Ziegel sitzt, wie von H 2/5 aus zu sehen, auf der zweiten Schicht, von der
sich auch in H 2/4 auf der Ostwand ein Fladen erhalten hat. Die gleichartige Ziegelmauer der Westwand ist zusammen mit der Südwand
verputzt worden.
Datierung
Die Westwand muß wegen der übereinstimmenden Mauertechnik (sehr flache Ziegel, 20 Scharen auf 1 m) mit den Ost- und Südpfeilern
von H 2/21 gleichzeitig sein, also dem 5. Jh. angehören (s. u. S. 98. 102). Jedenfalls geht der Putz von H 2/19, den sie auf ihrer Westseite trägt,
bruchlos in die letzte Schicht von H 2/21 (um 450, s. u. S. 102) über. Daraus ergibt sich für die Verputzung zumindest der West- und Südwand in
H 2/4 ein gleichzeitiges Datum, das auch für die zweite Schicht der Nord- und Ostwand gelten wird. Die erste Schicht wird erheblich älter sein
(s. u. H 2/5 [1.]).

301 Vetters, AnzWien 1971,15 Taf. 19. Das Relief ist m. E. primär für den Brunnen
gearbeitet, weil der marmorne Brunnenmund aus einem großen Block gearbeitet
und das Relief ihm genau aufgepaßt ist. Anders Vetters, s. o. S. 25).

Plan

Plan. 189
28. 29. 46. 282

46

Plan

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