Fischart, Johann; Goedeke, Karl [Editor]
Dichtungen — Leipzig: Brockhaus, 1880

Page: 119
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Flöh ha;, Weiber traz.

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Das flöh licd.
Flöhlied zu singen, wann sie die
belz schwingen, schön in
tact zu bringen.
Die weiber mit den flöhen,
Die Han ain steten krieg,
Sie geben aus groß lehen,
Das man sie all erschlug,
Und ließ ir kam entrinnen,
Das wer der weiber brauch;
So hettens ruh beim spinnen,
Und in der kirchen auch.
Ter krieg hebt an am morgen,
Und wert bis in die nacht:
Die weiber in nicht borgen,
Und heben an ain schlacht.
Und so sich die schlacht sähet an,
Werfen sie das gewand darvon,
Und allweil sie zu fechten Han,
In dem streit sie nackend stahn.
Und wiewol man klagt sehre,
Das sie sind schuldig dran,
Das sich das flöhgschmaiß mehre,
' Weil sie belz tragen an;
Sag ich, es sei erlogen,
Dann gott hat Even bald,
Im garten belz anzogen,
Wer ist, der gott ie schalt?
Ja, het ich allweg bare
Ain gülden in der Hand
Als ost die weiber faren
Nach flöhen unters gwand;

Das Flohlied steht schon 1540 in G. Forster's Liedern 2, 37 und die beiden
ersten Zeilen führt die Vorrede von M. Lindener's Katzipori als „Bauernlied"
an, fährt dann aber fort: „Das ist den jungen Mägdlein ganz und gar nicht
lieb". Das ganze Lied mit dem gegenwärtigen Texte übereinstimmend steht
im Frankfurter Liederbuche Nr. 213. Jedenfalls kann, wer sonst immer, Fischart
nicht der Verfasser sein.
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