Fischart, Johann; Goedeke, Karl [Editor]
Dichtungen — Leipzig: Brockhaus, 1880

Page: 223
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Schmachspruch.

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ScHmcrctzspr:irch crirres Wei-
digen Schänders, denen von Zürich,
vnd andern iren Eidgenossen auch dem
Ehrlichen Strasburgischen Haupte
schiessen, zu Verachtung
gedichtet.

Groß wunder muß ich sagen fry
Mit gunst zu melden von aim Bry,
Der droben in dem Schwizerland
Noch dan gekocht on Wider Hand,
Restlich von Milach zugerüst,
Ins Elsaß chon ist diser frist,
Als zu Strasburg das Schiessen war,
Het schir gesagt: das Jubeljar!
Darnach gesänt hat mäniglich,
Auch jren vil vermessen sich,
Wanns nur so lang das leben Han,
Das dis Schiessen möcht fangen an,
Vnd solch kurzweil beschähen alt,
Alsdan so wöllends in dem fall,
Gar geren sterben: Ach der Narren,
Die nicht gesächen, noch erfaren,
Vermeynen schlecht, die gäucheri
Der gröst Triumpf uf Erden sy,
Vnd gaffens mit verwundern an
Hands Mul und Nasen offen stan.
Doch meyn ich, das dus wüstest, die
Jr lebtag witer kamen nie,
Dan biß an Rin vnd Ruprechtsou,

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Der „Schmachspruch", vorher einzeln gedruckt erschienen, ist nach Fischart's
deutlicher Bezeichnung von einem katholischen, aber weltlichen Schreiber des
Bischofs von Straßburg in Zabern verfaßt, der dem Schießen beigewohnt hatte.
Er galt für eine böswillige Parteischrift, die Unfrieden zwischen Straßburg und
der Schweiz stiften sollte. — 5 Milach, Milch. — 6 chon, schweizerisches ch
statt kund synkopiertes „chon" statt: gekommen. — 9 gefänt, gesehnt. — 10 iren ,
ihrer. — 11 Wanns, wenn sie. — 16 gesächen, gesehen. — 20 Hands,
Haben das.
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