Fischart, Johann; Goedeke, Karl [Editor]
Dichtungen — Leipzig: Brockhaus, 1880

Page: 186
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Welches es dann sehr leichtlich kan,
Wann es sein künstlicheit legt an
An die heilig historisch gschicht,
Nützlich exempel und gedicht,
Poetisch fünd, gmalt Poesie,
Lerbild und gmalt Philosophie,
Welches zwar solche sachen sind,
Das ie meh man nachsinnt und gründ.
Je meh sie scherfen den verstand
Und machen die fach baß bekant.
Drum warn die maler ie und ie
Poeten und philosophi,
Und Pamphilus wolt kein lern nie,
Er könt dann die geometrie,
Auch rechnen und les die Poeten,
So die erfindung meren teten;
Drum hat er auch solch schuler ghabt,
Die vor andern warn hoch begabt,
Apellem und den Pausiam,
Bei den die kunst so hoch aufkam,
Das man ir stift zu Sicion
Sonder schulen, darein zu gon.
Und der fürnem Melanthius
Rümt, das durch malens fordernus
An Weisheit er hab zugenommen.
Secht, wa durchs gmäl man hin kan kommen!
Auch bzeugt solchs, das aus malens gründ
Die erst egiptisch schrift entstund,
All Weisheit und theologie,
Die hierogliphisch nanten sie.
Drum, wa die kunst erhalten würd,
Daselbs all freundlichkeit man spürt,
Sind alle künst in irer blüh;
Wa aber ist abgschaffen sie,
Da ist gewis all barbarei,
Wie solchs bescheint in der Türkei.

103 ie und ie, stets. — 105 Pamphilus, Plinius 35, 10.— 109—11 sch u
ler, Apelles, dessen Schüler Pausias war. Plinius 35, 13. — 115 Melau
thius, Schüler des Pamphilus. Plinius 35, 7.
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