Gesellschaft für Vor- und Frühgeschichte in Württemberg und Hohenzollern [Editor]; Württembergischer Altertumsverein [Editor]; Württembergischer Anthropologischer Verein [Editor]; Württembergischer Geschichts- und Altertumsverein [Editor]
Fundberichte aus Schwaben — 12.1904(1905)

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später, aber auch schon in früher Zeit, zogen sich die Häuser des
Orts wieder auf das rechte Ohrnufer herüber.
Sobald Oehringen in den Urkunden erwähnt wird, tritt es nicht
nur als kirchlicher Mittelpunkt eines großen Sprengels, als Gerichts-
stätte einer Hundertschaft, als Haupthof einer großen Grundherrschaft
und Sitz eines vornehmen Grafengeschlechts auf, sondern auch als
ein sehr wichtiger Marktort und Handelsplatz. Es ist eine Be-
obachtung, die man durchweg machen kann, daß die einstigen
Römerplätze, die ältesten Sitze von Handel und Gewerbe in Deutsch-
land, ihren Charakter als Verkehrsplätze nie vollständig verloren und
darum vielfach auch die Grundlage für das spätere städtische Leben
in Deutschland abgegeben haben b Gegen Osten war Oehringen
lange Zeit auf weithin der letzte Markt; denn Hall, Rothenburg ob
der Tauber und andere bekannte Orte sind als Märkte oder Handels-
plätze erst später aufgeblüht. Solchen Handelsverkehr aber be-
günstigten die zahlreichen Straßen, die seit der vorrömischen Zeit
in die Gegend von Oehringen und nach Oehringen selbst führten.
Sie sind noch viele Jahrhunderte lang als die Hauptstraßen der
Landschaft im Gebrauch gewesen. Heutzutage ziehen sie verlassen
und verödet als Fuß-, Feld- oder Weidewege durch die Fluren der
stark angebauten, fruchtbaren Landschaft, als Zeugen einer uralten
Kultur und einer reichen Vergangenheit.

Neuere keltische und römische Funde im Illertal.
Von David Koch, Pfarrer in Unterlbalzheim a. d. Iller.
Mit 8 Abbildungen.
I. Das Prähistorische und Frühhistorische Illertal.
Die keltische und römische Frühgeschichte des Illertales ist in
den letzten Jahren durch Grabungen im mittleren Illertal bei Tann-
heim und Keilmünz wesentlich bereichert worden.
Da eine kurze Zusammenfassung der Prähistorie des Illertales
auf Grund neuerer Forschungen noch nicht gegeben ist, so seien hier
zunächst die für das Illertal maßgebenden Gesichtspunkte genannt,
so wie ich es in einem Vortrag im Ulmer Altertumsverein tat.
Wenn wir an einem klaren Tage von der Höhe der Wilhelms-
burg nach Süden, nach den Zinnen der Alpen schauen, so hebt sich
1 IIansselmann, Fortsetzung des Beweises, wie weit der Römer Macht u. s. f.
1773. S. 225—236 führt zahlreiche Münzen auf, die erst aus der Zeit nach
der Eroberung stammen und bis auf Julian herabgehen, so daß man an einen
lebhaften Verkehr hier im 1. Jahrhundert nach der Eroberung, ja an ein Zurück-
bleiben römischer Geschäftsleute denken könnte. Aber sämtliche Münzen, deren
Fundort nachgewiesen werden kann, fallen vor diese Zeit, so daß man, wenn
überhaupt jene Münzen aus Oehringen stammen, nur an einen Schatzfund denken
könnte.
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