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Furtwängler, Adolf
Neuere Fälschungen von Antiken — Berlin [u.a.], 1899

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https://doi.org/10.11588/diglit.822#0035
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im Louvre ihren Platz und sogleich auch begeisterte Lobredner. Auch in Berlin
soll man sie für echt gehalten haben.1

Es sind ein paar Jahre seitdem verflossen und es scheint schon fast ein-
getroffen zu sein, was ich voraussagte2, dass man bald nicht mehr begreifen werde,
wie man sich einst über ein so widerwärtiges, evident modernes Machwerk hatte
aufregen können. Zum Nachweise der Fälschung habe ich in den Intermezzi zum
letzten Male das Wort ergriffen.3 Auch wüsste ich in der That nichts hinzuzufügen.
Als einzigen Nachtrag, der besser spricht als alle Worte es vermöchten, gebe ich
beistehend (Figur 22. 23) ausser den beiden früher in den Intermezzi publicierten
auch die photographischen Abbildungen der zwei anderen Ansichten, die mir
damals noch nicht zu Gebote standen; sie werden den Lesern meiner Beweis-
führung in den Intermezzi willkommene Verdeutlichung bieten. Man kann diesem
widrigen Pasquill auf die Antike nicht besser zu Leibe gehen, als wenn man es
niedriger hängt.

Auf dem Gebiete der Vasenmalerei ist die Fälschung glücklicherweise sehr
behindert Denn während man bei den bemalten Terrakotten die antike Technik
vollkommen genau nachahmen kann, ist es bisher noch niemand gelungen die
antike Vasentechnik wiederzufinden.* Das Geheimnis der Firnissfarbe, welche die
Alten benutzten, ist noch ungelöst; niemand hat sie bis jetzt nachzumachen ver-
standen. Daher sind denn gefälschte Vasen sehr leicht zu erkennen. Wenn es
ihnen auch für die oberflächliche Betrachtung zuweilen gelingt Farbe und Glanz
der antiken Firnissfarbe nachzuahmen, so erweist sich diese doch bei Untersuchung
mit Säure oder Alkohol sofort als gefälscht Vasen mit Firnissmalerei werden
daher auch nur für ganz Unerfahrene gefälscht.

Dagegen lässt sich die Technik der matten Malerei auf weissem Grunde sehr
gut nachmachen, weshalb in bemalten weissen Lekythen und anderen weissgrundigen
Gefässen recht viel gefälscht wird. Die Vasen selbst sind dabei immer antik; denn
sie täuschend herzustellen würde die Fähigkeit der Fälscher übersteigen. Auch ist
nichts leichter zu beschaffen als weissgrundige Lekythen, deren Malereien gänzlich
zerstört sind, die also zur Anbringung neuer Kunstversuche sich eignen. Natürlich
werden diese modernen Malereien dann auch wieder teilweise mit Erde überzogen
oder künstlich beschädigt. Zumeist sind diese Fälschungen leicht zu erkennen;
denn die Beschaffenheit der antiken Farbe und vor allem der Stil, die grossartige
Sicherheit der Zeichnung der echten Originale ist doch sehr schwer zu treffen. Zu
bemerken ist noch, dass die Fälschungen in der Regel nur an Konturzeichnung
sich wagen und vor voll ausgemalten Gewandpartieen, welche die Originale in der
Regel enthalten, sich scheuen.

1 Oeffentlich wagte sich freilieb nur F. Kopp damit hervor, vgl. Intermezzi S. 83, Anm. 2.

2 Intermezzi S. 83.

3 Intermezzi, Leipzig 1896, S. 81—92.

* Vgl. auch Tyszkiewicz in Revue arch. i8g7, vol. 31, p. 310.

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