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Furtwaengler, Adolf ; Reichhold, Karl
Griechische Vasenmalerei: Auswahl hervorragender Vasenbilder (Serie I, Text) — München, 1904

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https://doi.org/10.11588/diglit.826#0302
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TAFEL 56

1—3 AUSSENBILDER DER MÜNCHENER SCHALE TAFEL 6

4—6 SCHALE IN HAMBURG

2 und 3 sind die beiden Enden des einen Aussenbildes, dessen Gesamt-
ansicht auf S. 31 gegeben ist. 1 ist die linke Hälfte des anderen Aussenbildes;
es folgt rechts noch ein entsprechendes Ross mit zwei Jünglingen, die sich nisten.
Es handelt sich um einen kriegerischen Auszug; die Jünglinge tragen Lanzen und
Helme; einer legt die Beinschienen an; oben links hängt ein Schwert. Auf 1
und 3 erscheint dieselbe charakteristische Inschrift wie auf Tafel 55.

Der Hauptreiz dieser Bilder liegt in den Pferdefiguren.

Der Meister dieser Schalen war ein leidenschaftlicher Pferdeliebhaber. Er
hat diese Tiere bis ins Einzelnste studiert und weiss sie in ihren charakteristischen
Bewegungen eminent lebendig zu zeichnen.

Die zwei Rosse 2 und 3 sind noch mit dem Halfterbande an einem flach-
halbkreisförmigen Ringe an der Wand angebunden. Unser Meister liebte es, die
Rosse im Stall abzubilden. Jene Ringe für die Pferdehalfter gehören zu den
charakteristischen Einzelheiten seiner Bilder.

Denn wir besitzen noch mehrere Schalen von ihm, die besonders durch
die Art der Pferdezeichnung leicht kenntlich sind.

Ein besonders gut erhaltenes kleineres Werk von ihm, eine Schale im
Hamburgischen Museum für Kunst und Industrie in Hamburg, die unlängst dort
erworben wurde, geben wir auf unserer Tafel als No. 4—6.

Das Innenbild stellt nur zwei Knaben beim Leierspiel und Gespräch vor. Die
Beischrift 0 rtaic; xaXoc ist wieder in zwei Zeilen geschrieben; nur ist das Sigma
hier nicht vier-, sondern dreistrichig und stehend. Ebenso erscheint dieselbe
Inschrift auf den Aussenseiten.

Diese stellen Jünglinge mit Rossen dar, in denen man sofort wieder die
Hand unseres Meisters erkennt, der sich auch durch die Palmette unter den
Henkeln zu erkennen giebt. Auf der einen Seite führen zwei Epheben ihre Rosse
heran; diese sind schon gezäumt, doch führt der Ephebe rechts das seinige noch
am Leitriemen;1) oben rechts an der Wand sieht man den Ring, in dem dieser
befestigt war. Der Stall ist durch eine ionische Säule angedeutet, über der ein
dorisches Gebälk liegt. An der Wand des Gebäudes ist ein Schild aufgehängt.
Die Epheben tragen je zwei Wurfspiesse; sie haben die echte Ephebentracht, die
Chiamys, die von dunkler Farbe war, und den Petasos.

') V[>1. dazu Körte m Arch. Ztg. 1880. S, 124. 1. Kurtwängler in Sitiungsber. d. bayer.
.\k«d. 1903, S. 432,
 
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