Geffcken, Johannes
Der Bildercatechismus des funfzehnten Jahrhunderts und die catechetischen Hauptstücke in dieser Zeit bis auf Luther (Band 1): Die zehn Gebote, mit 12 Bildtafeln nach Cod. Heidelb. 438 — Leipzig, 1855

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Wir sehen aus dieser Mittheilung, dass der Verfasser einen sehr umfassenden Plan entworfen hatte.
Er wollte 1) die zehn Gebote, 2) die Sacramente, 3) die acht Seligkeiten, 4) die sechs Werke der Barm-
herzigkeit, 5) die sieben Zeiten, 6) die sieben Gaben des heiligen Geistes, 7) die sieben Todsünden und die
sieben Haupttugenden und 8) was mir got me geben wirt, behandeln. Was die No. 2 — 8 betrifft, so ist mir
nur eine einzige Handschrift bekannt, die unter dem Namen «der Sele Trost" die sieben Sacramente be-
handelt, nämlich die Wolffenbüttler niederdeutsche Handschrift, bezeichnet Heimst 255, in Fol., 201 gezählte
und 38 ungezählte Blätter. Ich habe dieselbe in Beilage VIII, S. 98 flgg. mitbenutzt, ein Druck derselben ist
mir nicht bekannt, doch ist der in Beil. VHI beschriebene "Beichtspiegel" in niederländischem Dialect im Wesent-
lichen abgedruckt als Beilage zu "die spieghel des eewighen leuens." Delf 1480, in 4., (Gott. Bibl., wo aber
Bl.aa 1 fehlt).

Ob sich irgendwo noch Handschriften oder wohl gar Drucke: unter dem Namen "der Sele Trost"
über die anderen bezeichneten Lehrstücke erhalten haben, wäre weiter zu erforschen. — Ich vermag nur
Handschriften und Drucke des Buchs von den zehn Geboten zu nennen.

Handschriften: 1) Die Hamburger. 2) Eine niederdeutsche Handschrift in Wolffenbüttel, Cod., Heimst
418, 120 Blätter in Fol. 3) Eine niederdeutsche Handschrift in Oldenburg, beschrieben von Merzdorf, Biblio-
thekarische Unterhaltungen, Oldenburg 1844, Bd. I., S. 3—9. Diese Handschrift nennt zwar Merzdorf nicht
" der Sele Trost," da der Titel irgendwo versteckt sein wird, nach den gegebenen Mitteilungen kann es aber
kein anderes Buch sein als " der Sele Trost." Sehr interessant ist das Datum am Ende: Anno Domini 140?
Explicit iste über — scriptor Joannes Everzen. Da Everzen nicht der Verfasser sein kann, ist also das
Buch älter. Das wäre das älteste bestimmte Datum, das wir haben. 4) Eine hochdeutsche datirte Handschrift in
Giessen No. 850. Sie beginnt ganz ähnlich, wie die Oldenburger mit einem lateinischen Vorwort. Libellus
est iste collectus de diuersis libris de | Biblia de passionali, de historia scholastica, de | historia Ecclesiastica,
de speculo historiali, | de decretis et decretalibus, de cornicis (sie) diuersis | , de vita patrum, De dyalogo, De
compendio theo | logie, de summa Raimundi, de summa Gotfridi, de | summa heinrici, de summa viciorum et
virtutum j Et de omnibus libris, quoseunque legere potero et audire, intentionis | meae est colligere et scribere
quiequid est utilius ad docendum, quiequid | est devocius ad audiendum, quiequid delectabilis ad legendum,
quiequid fa | cilius ad inlelligendum, dum et prima continet in decem praeeeptis. Secunda | erit de Septem
sacramentis. Primum praeeeptum vero. JNon adorabis | etc. Die Handschrift ist in queer über laufenden
ganzen Zeilen auf 167 Blätter sehr gut geschrieben. Am Schlüsse (BI. 167 a) heisst es: | Hye endet sich der
Selen trost, | Got helff uns das wir von der helle pyne wer- | den erlost. Et sie est finis hujus operis in
Anno LX° (1460) Sabbatho proxima post dominicam Invocavit per me fridericum Sommer de lore.

Der Verfasser hat also, wie er uns sagt, sein Buch zusammengebracht, aus der Bibel, dem Passional,
der historia scholastica (des Petrus Comestor. Hain 5529—40), der Kirchengeschichte, dem speculum historiale
(des Vincentius BeUjovacensis, Panzer Ann. V., pag. 445), dem Kirchenrecht, den Chroniken, dem Leben der
Väter (des Hieronymus), dem dyalogus (Gregor des Grossen), dem compendium Theologiae (in Gersons
Werken) und verschiedenen Summen. — Er sagt uns, er wolle aus dem Lateinischen übersetzen, doch natür-
lich nicht aus einem, sondern aus allen diesen Büchern. Die Form des Buchs ist die des Gesprächs zwischen
dem Lehrer uiid dem Schüler (Kinde), doch so, dass der Lehrer der fast immer Erzählende ist.

Das Buch inuss auch sonst noch vielfach abgeschrieben sein. Unter den Handschriften, die
Diebold louber in Hagenow zum Verkauf halte, war auch "der Sele Trost" (vergl. Haupt Zeitschrift III.,
Seite 191, Sotzmann in Raumers Taschenbuch 1841, Seite 538. Das Buch fand sich auch schon ums Jahr
1436 in der Ordensburg in Königsberg. Es dürften daher noch manche Handschriften da oder dort ver-
borgen sein.
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