Geffcken, Johannes
Der Bildercatechismus des funfzehnten Jahrhunderts und die catechetischen Hauptstücke in dieser Zeit bis auf Luther (Band 1): Die zehn Gebote, mit 12 Bildtafeln nach Cod. Heidelb. 438 — Leipzig, 1855

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indem der Schmuck und die köstlichen Kleider zu neidischer Eifersucht reizten. "He edder se suet einen an-
deren von schonen hären von schönem antlathe" und so sei die Zwietracht da. Die am Sonntage lange
schlafen, sollten sich schämen, denn wie anders habe Christus sich verhalten, er arbeitete und predigte, "lo
vote gaente, bei dat he mode wart." An weltliche Dinge werde am Sonntage gedacht und nicht gebeichtet,
"wi kibbelen, kiuen uude singhen untüchtige schenllike senghe unde van vrigherischen (Buhllieder) mit den wy
andere manschen ergheren, von der salicheil achte wy nicht, sunder pipen, trurapen, dantzen unde untüchtig
spatzeren boczent. (?) Am Sonnlage sollten wir vor Allem Gutes denken, reden und thun, "Sunder leider,
dit en do wy nicht, wente leeuer gha v/y in deme kroghe denne in deme tempel godes, leeuer kolse wy in
der kerken ydele worde, denne dat wy innighen de misse hören.'' Er geht die verschiedenen Stände strafend
durch, die Pfaffen, die um des Geldes willen Messe halten, die Welllichen, die sich in hochmüthigen Kleidern
in der Kirche zeigen, herumschauen und unzüchtig lachen, die Frauen, die keifen und über Andere schwatzen
(bewasschen). Die Edelleute (eddelinge) bücken sich vor den Frauen mehr als vor Gott; die "grauen buren"
stehen da als "stendere" (Pfähle) und schauen umher wie "apen." Die Bürger sind verdrossen, sie fürchten
"to vorsumen ereu girighe market." Jesus "makede eine swepen (Peitsche) van strenghen" und trieb die
Käufer und Verkäufer aus dem Tempel und sprach: "Min hus is ein hus des bedes unde gij hebbet dar van
ghemaket eine rouer kulen." Die, welche nicht hören wollen und Busse thun, "se werden hören den lud unde
de smittende swepende, wo he se wert driuen ut der hillighen meinheit." Endlich führt er noch das Beispiel
des Nebemias an, der keinen Markt am Sabbath geduldet. Das sollten die Fürsten auch thun, wenn das
Marktlaufen am Sonntage aufhöre, so werde viele Bosheit unterbleiben. Aber die jetzigen Fürsten nehmen
zu sich "unkusche papen unde beuelen em werlike scheffte (weltliche Geschäfte)."

Das in den Beilagen S. 5 beschriebene Bild der Heidelb. Handschrift, führt uns die Strafbarkeit des
Tanzes am Sonntage vor Augen. Unsre dritte Tafel ist in zwei Abschnitte gelheilt. Links sehen wir einen
Prediger in einer Kirche zu Andächtigen reden. Der Engel hat in einem höheren Kirchenstuhl Platz genommen,
an dessen Brüstung man das Gebot lieset: "Du salt feyern den sontag. wenne dirs gol wol gelonen mag.'
Bechts blicken wir in eine Schenke hinein, und der Künstler hat sich auf diesem Blatte nicht mit einem Teufel
begnügt, sondern deren zwei dargestellt, den Saufteufel und den Spielteufel, der Spielteufel legt von unten
einen, wohl falschen Würfel auf das Triklrakbrett.

Der Sele Trost (Augsburg 1483) stellt nur die Erfüllung des Gebotes dar. Vor einem Allare, auf
welchem man das Bild der Maria und den Kelch erblickt, steht ein Priester, die Hostie emporhebend. Hinter
ihm knieet ein Kirchendiener mit einer brennenden Kerze und einer Glocke, und hinter diesem zwei Andächtige.

Hans Baidung Grün giebt eine ganz ähnliche Darstellung, nur erblickt man auf dem Altarbilde zwei
Figuren, von denen die Eine ein heiliger Bischof ist. Hinter dem Priester knieen vier Personen, von denen
eine einen Bosenkranz in der Linken trägt, und mit der Bechten den Mantel des Priesters aufnimmt. In Schotts
Christi. Walfart ist links ein Prediger mit drei Zuhörern, rechts ein Aäersmann mit der Hacke, der von Mücken
gestochen wird, abgebildet. Lulher's zehn Gebot, Basel 1520, zeigen uns einen Prediger auf der Kanzel, vor
ihm ein Cruciflx und eine andächtige Versammlung. Im Betbüchlein, Augsburg 1523, ist eine freie Nachbildung
von Grüns Darstellung. Lucas Cranach zeigt uns links im Vordergründe drei Andächtige, die von einem Engel
zur Kirche geleitet werden, rechts im Hintergründe einen Bauern, der pflügt, und dem ein Teufel auf dem
Nacken sitzt. Die Unterschrift lautet: Du solt den feihrlag hailigen.
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