Geffcken, Johannes
Der Bildercatechismus des funfzehnten Jahrhunderts und die catechetischen Hauptstücke in dieser Zeit bis auf Luther (Band 1): Die zehn Gebote, mit 12 Bildtafeln nach Cod. Heidelb. 438 — Leipzig, 1855

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Ich iheile von den vielen Erzählungen (vgl. auch S. 103) wenigstens eine, allerdings auch sonst be-
kannte, Geschichte mit, die aber hierin einer eigentümlichen Fassung erscheint. (Giessner Handschr. Bl. 113 b)
Von eyme Keyszer Verno (Ulr.: Nerva, Hamb. Handschr. und Augsb.: Nero). "Zu Rome was eyn keyszer,
der hiesz Verno. zu dem qwam eyn zeuberer, der vermasz sich groszer kunst. Der keyser fragete yne, was
er konde. Er sprach, er wolde machen eyn pherl von Ere, und das wolde er lauffen brengen. Do sprach
der keyser zu ynie. Das wolde ich gerne sehen. Er gosz eyn phert von ereu, un das was grosz und ynne-
wendig hole, und hatte zu der syten eyn fenster, do wol eyn mensche mochte yn gekriechen, do wos vor eyn
thure von ere. Do stiesz der meister syn zeuberye in das phert, und sprach zu dem keyszer: Disz phert isz
gereit, hie sal eyn mensche yn kriechen, so sal man dem pherde fuwer stecken in den miindt, und der men-
sche sal darynne vorbornen; de wile das fuwer bornel, so sal das phert lauffen und springen. Do sprach
der keyser mag das phert anders nit gelauffen, isz müsse jo eyn mensche darjnne syn. Der meister sprach:
Herre, do müsz jo eyn mensche ynne vorbornen. Do sprach der keyszer zu yme: Meister ir habet das phert
gemacht, isz ist nyemant der des pherdes sieden als wol weisz als ir, ir muszet selber in das phert. Do
liesz er in nemen und stoszen in das phert, und liess fuwer darynne stoszen. Der meister begunde zu bornen,
das pfert begunde zu springen und zu lauffen und lieff also lange, bisz das der meisler gar verbrant. Do
stund das phert. Susi verlosz er den lyp, der ander lüde liebelosz wolde machen."

Rus handelt Cap. 43—49 Bl. 81 a — 100 b sehr ausführlich von diesem Gebote. Cap. 43 redet er
überhaupt von rechter Liebe. Nichts, so fährt er Cap. 44 fort, widerspricht der Liebe nun mehr (is alzo
wedderwardich) als den Menschen zu tödten. Die Todesstrafe ist ihm sehr bedenklich "darumme dat mordent
der mynschen na den mynsliken vunden (Rechten) is gantz vaerlich unde unseker. Wenne se mothen be-
kennen, dat se vele vormorden na erem rechte, nicht na dem auereinkamende mit dem willen godes." Da der
Todtschlag auch mit der Zunge geschieht, so sagt er, die Juden haben Christum nicht gemordet mil der Hand,
aber mit der "tunghen; krucighe ene" und benutzt dieses zu einem harmonischen Versuche "darumme secht
ein evangelista, dat se ene krucighet hebben an der drudden stunde, unde de ander an der sosten stunde, alzo
dat ene de ioden krucigheden an der drudden stunde mit der tunghen, unde de riddere an der sosten stunde
mit den handen, unde de erste krucinge is eine groter sunde." Es aündigen gegen das Gebot, die bösen Rath
und böses Beispiel geben, aber auch die es versäumen zu rechter Zeil den Nächsten zu strafen, so dass in
ihm die Gnade des allmächtigen Gottes verlöscht wird: "Vor dissem mord scholen sik waren de papen unde
bevruchten sik, wen se to dem stride raden, — unde sunderghen deienen, de nummer preddiken unde geuen
neen geistlike exempele edder hulpe. Unde na demmale dat de mord maket irregularitalem, dat is unwerdich
der presterschop, so mach denne bekannt werden, wo vele papen edder prelaten unwerdich sind der prester-
schop." Das Streiten fuhrt er Cap. 45 aus, sei gegen die Liebe und meist hätten beide Unrecht. Wenn man
ihm einwende, dass ohne Kampf und Streit, Königreich, Ritterschaft und Herrschaft vergehen werde, so er-
widert er Cap. 46: "Dat weighere ik, sunder dat late ik to, dat hiruth queme, dat dekoninghe, de herlighen
unde heren, dede meinliken ouel striden ieghen de leve uth ghirichheit von homode ane rechte saken, dat de
mit reddeiicheit strideden ieghen de sunde." Die Würdigkeit der Ritter besiehe nicht darin zu schlagen "mit
deme yserne swerde," sondern darin, die Gebote zu bewahren "alle theine." Solche "vechter" seien Christus
und Slephanus gewesen. Wer gegen Sünde, Well und Fleisch kämpfe, der verdiene zum Ritter geschlagen zu
werden, gegürtet mit der Liebe und goldne Sporen "up de vote." Jedenfalls geziemet es den Priestern nicht,
in den Kampf zu ziehen. Wenn Gott den Priestern des neuen Testaments geboten hätte, zu streiten, so möchten
sie streiten, aber auf das Gebot kann man warten (vorbeiden) bis der Engel zum Gerichte blaset (basunet to
dem richte). Die Priester des alten Bundes posaunten und predigten, mich wundert, dass viele Papen wohl
leiblich streiten, aber nicht posaunen-predigen wollen: "Se nemen up sik lifflike wapene, vorlatende;'denleuen
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