Geffcken, Johannes
Der Bildercatechismus des funfzehnten Jahrhunderts und die catechetischen Hauptstücke in dieser Zeit bis auf Luther (Band 1): Die zehn Gebote, mit 12 Bildtafeln nach Cod. Heidelb. 438 — Leipzig, 1855

Page: 79
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/geffcken1855/0089
License: Public Domain Mark Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
79

Rus geht bei diesem Gebole von dem geistlichen Ehebruche aus, wenn man Gottes Gebot übertritt und
sich von Christo dem Bräutigam der Seele scheidet, wie im A. T. die Abgötterei Hurerei genannt wird. Die
Arten der fleischlichen Vergehen giebt er dann kurz an, und sagt weiter: "de sunde sint gantz schentlik, dar-
umme so wil ik nicht vele van en spreken." Man nenne sie stumme Sünden, nicht als ob nicht von ihnen
gesprochen, über sie gepredigt und sie gebeichtet werden sollten, sondern darum, weil die, welche sie begehen,
einen Teufel in sich haben, der sie stumm macht, dass sie nicht beichten. Keine Sünde werde so oft in der
Beichte verhehlt und so schwer bekannt. Ueber die Ehe spricht er sich so aus: "Dat echte ist ein willich
vulbort unde schal schickliken wesen na der ee (Gesetz) godes des vrigen mansname unde der vrigen vrouwes-
namen, dede nicht hindert noch dat loffte (Gelübde) to göde noch ienighen anderen, noch de vruntschop in
deme siechte, noch de vruntschop in der geistlicheit, noch de vorkuldinge (impotenlia) dede hindert de lelinghc
(Zeugung) unde dat dar ok nicht sy de scheidinge des louen. (Juden, Heiden.)

Wie schmachvoll es sei, den Frauen unterworfen zu sein, darüber lässt sich Rus in folgender Weise
aus: "Wo dunket dy, is he gicht vry, den de vrouwe regeret unde besit, den se de ee settet? (das Gesetz
giebt.) Ropt se, he kumpt. Hed se id em, he gheit wech. Beghert se, dat he wat gheue — he ghifft id.
Isset dat se em drouwet, so vrucht he sik, is se bedrouet, so bekümmert he sik, stend (stöhnt) se, so wert
he krenklik. Wo meinstu, dat en sodane vry is? Enkede nicht, sunder he is in groteme denste, he sy ein
konink, ein here, ein vorste, ein ridder, ein mester, ein monnik edder ein pape. Unde likerwis ok van der
vrouwen, in der de duuel de smid de kokene ansticket (die Kohlen anzündet), in der vorbeide (erwarte) nene
vorbarminghe, wente se vorhond vader, moder, suster unde broder unde ok eren man.' Disse kolzel mit dem
duuele, to disser gaen de vrigher unde bruken erer untucht, disse schond nicht deme sacramente des lichames
cristi, disse reisset to der unkuscheit ok in der bichl, se wandert pelegrimasien (wallfahrtet) umme unkuscheil,
se thud up den market, dat se beieghenen moghe deme, den se leif hett. Undertideu lauet se bedeuard, unde
doch in disseme loffte socht se nicht de innicheit, sunder de unkuscheit. Isset dat de man wat schicken wil,
se sechl, ik wil id schicken, unde denne schicket se ere unkuscheit, de se sus nicht künde to weghe bringhen.
Undertiden makel se sik kranck, de man licht anderswor, unde se let einen anderen to sik. Se werd stenende
alze ifft se bichten wolde, unde wen de pape kumpt, dat he mit er spreke, got geue, dat se nicht wat quades
bedriuen. Se is drisle to der unkuscheit, unde wowol, dat se kindere thelen, de man de vodet se, wente he
meinet, dat se syne synt. Isset, dat se einen olden man lieft, so sechl se, loff sy dy, leue here, dat ik doch
mit myneme olden grauen manne kindere hebbe. Undertiden vloket se, undertiden beclaghet se den man in
syner iewardicheit, unde wen se sik to einem anderen kerd, so spighet se em in sine vodsparen u. s. w. Ebenso
straft er auch leichtfertige Wittwen, die papen, und die Jungfrauen sein wollen und es nicht sind. "Datghand,
de worde, dat oghe, dat springent unde danzent bewiset unde betughet ouer se, wodanich se is van binnen
to. — Darumme meghedekeu, wen du vorlaren best de iuncvrouweschop, so seile dal parlenbindeken edder
den krantz van dem houede, dede bedudet dal loen der iuncvrouweschop, wenle anders werslu leghen mit dem
bindeken, alze de krantz vor dem winkelre lucbt, wen he den wyn bedudet, de doch in dem winkelre nicht
is. Darumme schal me lultik louen deme bindeken uppe dem houede, wen me nicht wet, wat in deme vate
is." (Bl. 109.)

Das Bild der Heidelberg. Handschr. zu diesem Gebot ist Beil. S. 7 beschrieben; ich weiss die Dar-
stellung nicht zu deuten. Unsere Tafel 7 stellt in der Mitte unter einem Baum stehend ein Paar vor. Der
Buhle bietet der fantastisch geputzten Frau einen Ring dar. Der Engel spricht: "Du salt nicht unkewsche seyn
Du komest anders in der hellen peyn." Der Teufel, der die Zunge ausgesteckt hat, reitzt dagegen die Frau
an: "Vorsmehe deynes bulen gobe nicht, Thu seynen willen man sytis nicht." Oben die Worte des Gebotes:
Non mechabis. exodi. vicesimo capitulo. Der Sele Trost (Augsb.) zeigt unter Blumen sitzend und von einer
loading ...