Geffcken, Johannes
Der Bildercatechismus des funfzehnten Jahrhunderts und die catechetischen Hauptstücke in dieser Zeit bis auf Luther (Band 1): Die zehn Gebote, mit 12 Bildtafeln nach Cod. Heidelb. 438 — Leipzig, 1855

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cheyt, de alze beste anders nicht soeken wen ghcnochte des
vlesches, de malkander (unter einander, sich gegenseitig) misz-
bruken baten tides undc unnaturlikcnn, dat dar wanschapen
(ungestalt B. N.W.) secke unde malachtighe (? der Sinn ist:
kranke. Schilter Glossar, hat malatsch Tür lepra) Kinder van
kamen. De nnschicklik eynander lef hebben, unde de sik mit
geistliken luden bekümmeren, unde bauen alle de sik ouen (üben)
(Bl. 8) in der vormaledieden sunde, de teghen de nature is,
unde teghen den schepper der natore, dar de werlt um ge^
geplaget wert mit brande, mit water, mit steruen, mit dure tijd,
mjt gued lo vorlesen to waler unde to lande, unde andere
untellike plaghen alze wy noch dachlikes vor oghen seen; unde
de cre huse uncrbaren unkuschen personell vorhuren (ver-
miethen) unde den anderen to unkuschen werken theen, unde
raet efte daet dar to geuenj unde alle, de sik sulucn mysz-
bruken, darumme dar dessen vorschreuen plagen up den min-
schen kamen, welker de bichtuaders heboret deper unde beth
to undersoekenn.

Vorklaringe des VIII. gebades. Du schalt nicht valsch
getuchnisse geuen edder spreken, noch achter rngge. Dyt bod
esschet, dat nemant sinen euencristen schal hardelik (B. N. W.
difficilis, also etwa: scharf) wescn myt worden. Hyr tegen
miszdoen de valsch ghetuchnisse dregen, de ordel geuen edder
wise (Entscheidung). De wetende vor eine qnade sake bidden
(Bl. 8 b) unde dwingen den armen tegen sinen dank (gegen
seinen willen) vordracht (Vertrag} an (? in) to gande ok
to sinen schaden, de sake to dem ende bringen, mach dem
armen to helpen tegen den mechtigen unrechtuerdigen ryken,
unde holden den armen lopende alzo lange (ihn so lange
im Laufe halten) dat he de kost nicht meer vorgelden mach.
De den anderen sine ere benympt myt achterklappen, logenen,
mit spotligen vulen worden, mit beschimpen, gekken, kiuen
(schmälen), myt quadem rade, mit twedracht, vloken, mit be-
drechlicbeit loff unde ere to thuet mit dubbelder tungen, mit
willen unde welen, de achterklappen mit groter begherte höret,
unde nicht behindert, dar he mach. De dem anderen vorwyt
(vorruckt) eine sake to siner schände, de sine sunde enschul-
diget unde up einen anderen werpt, de vrenelik den anderen
vorordclt unde beswaret de dichtliken bieht (falsch beichtet,
namentlich den Nächsten in der Beichte falsch beschuldigt) de
iemandes doget vorergert (als böse auslegt), de sik prisen unde
beromen van ienighem quaden, de de biebt melden, de sik
suluen valschliken toschriuen ander lüde gu- (C) de werke,
de ander lüde boszheit prisen, de nnbeschedenliken drouwen,
de valsche breue schrinen edder vorkopen, nmme iemant to
beschämen, eft sine ere to benemen. De valsche Instrumente
maken, efte anders eren euen cristen krenken.

Vorclaringe des IX. gbebades. Du schalt nene unkuscheyt
begeren, noch mit begerten denken up eynes anderen mannes
wif, noch up eines anderen wiues man. In dessem gebade
werden vorbaden willen unde begerte. Sien dat VII. bod hyr
vorgheschreuen vorbedet de werke unde de daet der unkuscheit.
Dyt gebod esebet, dat ein iewelk minsche sin herte unde sine
grünt schal holden reyne van allen sundighen begerten der un-
kuscheyt. Hyr en tegben miszdoen nicht allene, demitganezer
vulbort begheren ander lüde bedde genoet, mer ok de ander
lüde buten echtesehop (Ehestand) to ieniger unkuscheit trecken
eft leyden, id sy mit küssen, edder mit vulen ge- (C 1 b)
siebten, efte mit heizen, edder mit anspreken, edder mit un-
schemeliken tasten, eft mit boden, efte breuen, eü*t mit drowen,

edder mit gheloftcn, edder mit schendigen worden, mit gyften
(Geschenken) edder mit logenen, edder mit losen plumstriken
(Pflaumenstreichen, Schmeicheln) eilte myt auerulodigen unde
untemeliken czirheden, myt vorezirder Schönheit, myt maltiden,
mit koppelerschen, mit danezen, unde mit springen unde ock
mit unerbaren ghelate (Geberde. B. N. W. unter: laten), mit
unschemeliken vortoninge der lede (vorzeigen, sehen lassen der
Glieder. B. N. W. unter: tonen), mit touerien unde mit un-
reynen boken to lesen, efte in ieniger anderen wise de nicht
temelik sint to schriuen, noch uth to spreken. Ok de olden
vorleden (vergangene) sunde wedderumme to vornyen (erneuern)
mit nyer vnlbort. Ok de den anderen to rasender leue bringen
unde sik darinne vrowen, edder einen anderen dar inne to
holden alze des duuels lymrode (Leimruthe), museuallen unde
stricke. Ok de mit willen unde weten unkusche danken in
sinem herten holden, unde sik nicht piniget, de ut to werpen.
(C. 2.) Vorklaringe des X. gebades. Du scalt nicht myt
vulbort begeren ander lüde gnd noch huse noch erue. Dyt bod
vorbedet den willen unrecht guet to begherende. Sien dat soste
ghebod vor geschreuen vorbedet dit, dat unrechte guet to
holdende. Dyt bod eschet, dat ein iewelk minsche sik wol
teachten (wachsam hüten) schal vor quader begerte der gy-
richeyt unde houardie. Hyr teghen misdoen nicht allene, de
ander lüde gud myt vulbort begheren, men noch meer misdoen,
de sik myt vlite darinne bearbeyden sodane unbeborlik guet to
krighen myt ieniger untemeliken wise, aldermest de it krighen,
wo wol mögen se des nieht beholden. Ok de na grotem gude
staen, up dat se leckerlik dar af leuen unde unkuschlik, unde
umme dat se ere kinder edder ere erfnamen groet to maken,
meer, wen erem State to behoret, de ere guet unnutliken to-
bringen myt groten koslliken maltyden to hol- (C 2 b) den,
mit vogelen, mit hunden unde mit perden to holden, unde der
gbelyk. Ok de er gued vortuschen (S. 142 im "Speygel der do-
gede" hatten wir tusschen, vortuschen im Spiel verthun) vor-
dobbelen, efte mit katzen (Fangball) wortafelen efte der ghelik
mit quader selscbop (Gesellschaft) to bringen, ok de grote
woldage hebben, unde den armen luden nicht en geuen noch
gedenken noch in spise efte klederen noch te herbergende noch
in eren tatesten (? latesten, letztem Ende) to hulpe kamen in
eren noden, unde de genne de na titlikem gude alze hungerich
sint alz hungerge wulue, dat se gudes vorgeten unde erer seien
salicheit.

Mit diesem Lübecker "Spiegel des cristeue menschen"
kommt in manchen Stücken ein in Holland gedrucktes Buch
überein, welches ich in Wolffenbülte! 1222, 62 Theol.
fand. Da es keine Jahreszahl, hat, so ist es nicht zu ent-
scheiden, ob das holländische oder das lübecker Buch älter
ist. Es scheint indessen der holländische Druck auch dem
ersten Jahrzehnt des 16. Jahrhunderts anzugehören." Ich gebe
eine kurze Beschreibung des Buches. Auf dem Titel steht:
Der Kerstinen Spiegel oft hantboecx- \ ken tot gegeuen by
oroeder Dierick van | Munster minre broeder van der obser-
uan- | den in der welche elc sie mach die schon | heit oft
lelicheyt sijnre seien oft conscien- | den als in enen claren
Spiegel. Darunter eine Kreuzigung. Das Buch ist in kl. 8.
ohne Blaltzahlen und Custoden gedruckt. Bialt 1 ohne
Signatur, Bl. 2, 11 a — k I. Auf k Bl. 3 b: Dit boeexken
is Gheprendt Tot Delf in Hollant By mi Christian Snel-
laert. Auf Bl. 4 b ein Mönch und ein Buchdruckerwappen.
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