Gesellschaft für Vervielfältigende Kunst [Editor]
Die Graphischen Künste — 14.1891

Page: 21
DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/gk1891/0042
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
Giovanni Battista Moroni.

:...^>::A:.;:A V^A


Z^u der grossen Zahl nord- und
mittelitalienischer Meister, die
dem Scharfblicke des unver-
gesslichen Giovanni Morelli die
gerechtere Würdigung verdan-
ken, deren sie heutzutage theil-
haftig werden, gehört auch der
ausgezeichnete Bildnissmaler
Giovanni Battißa Moroni. Seine
nicht so seiten unbezeichneten
Werke gingen früher häufig-
unter Tizian's Namen oder un-
ter dem seines gefeierten Leh-
rers Moretto da Brescia, bis der
kundige Landsmann des alten
Meisters uns die Eigenart Mo-
ronis von jenen unterscheiden
lehrte und die Grundzüge seines
wahren Charakterbildes ent-
warf. x
Moroni war in Bondo bei
Albino im Bergamaskischen ge-
boren, und zwar noch im ersten
Viertel des sechzehnten Jahr-
hunderts, höchst wahrscheinlich
zwischen 1520 und 1525. An
leinen frühesten Bildern bemerkt man den eigenthümlichen, in's Ziegelrothe gehenden Fleischton,
welchen die Werke Moretto's nach 1540 häufig zeigen. Giovanni Morelli folgerte daraus, dass Moroni
um jene Zeit in die Werkstatt des Brescianer Meisters gekommen sein musfe, dessen Voreltern gleich-
falls aus dem Bergamaskischen, einem dem Heimatorte des Moroni nahegelegenen Dorfe im Serio-
thale, stammten. Zu den Bildern, welche diesen Schulzusammenhang bezeugen und vermuthlich


Giovanni Battißa Moroni. Nach dem Stich von P. A. Pazzi.

1 Die Werke italienischer Meister in den Galerien zu München, Dresden und Berlin, von Ivan Lermolieff, Leipzig 1S80, S. 48 sf., und
desselben Autors KunstUritische Studien über italienische Malerei, Leipzig- 1891, II, 82 sf.
loading ...