Gesellschaft für Vervielfältigende Kunst [Editor]
Die Graphischen Künste — 14.1891

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PUVIS DE CHAVANNES.

beraus einfach und ebenmässig stellt sich
die Künstlerlaufbahn dar, welche Puvis
de Chavannes gewandelt ist. Überblickt
man die imposante Folge seiner Werke,
folgt man von Jahr zu Jahr seiner regel-
mässigen Thätigkeit und ruhigen Frucht-
barkeit, dann hat man einige Mühe, den
hartnäckigen Widerstand zu begreifen,
den der Meister zu überwinden hatte.
Heutzutage, da Puvis' Kunst ssegreich
durchgedrungen ist und die Verehrer
des Meisters ihn von der öffentlichen
Meinung hoch erhoben wissen, darf der-
jenige allgemeiner Theilnahme sicher
sein, welcher es unternimmt, das Werk
des Künstlers zu studiren und der den
Versuch wagt, den leitenden Gedanken
dieser Thätigkeit blosszulegen, seine
Bedeutung und Tragweite zu ermessen,
den Widerstand sowohl wie die Sym-
pathien, welche Puvis' Kunst weckte, zu
erklären und zu zeigen, welche Stellung
und welcher Werth dieser Malerei in
der Geschichte der französischen Kunft
unterer Zeit zukömmt.
Seiner Abstammung nach ist Pierre Puvis de Chavannes halb Burgunder, halb Südsranzose. Von
dem einen hat er die robuste Gesundheit und den frischen frohen Muth, der sich in regsamer Thätig-
keit und starker Widerstandskraft ausspricht; von dem anderen ist ihm eigen die tiefe Innerlichkeit
und der Hang zur Träumerei. Das reiche Weinland Burgund, sagt Michelet, ist die Wiege der Redner,
der feierlichen und schwungvollen Redekünstler. Der heilige Bernhard, Bosfuet, Busfon, Mme. de
Chantal, Edgard Quinet, Lamartine, sse alle ssammen von dort her. In der Kunstgeschichte spielte
Buro-und eine vermittelnde Rolle zwischen dem Norden und dem Süden Frankreichs, und schaut


Pierre Puvis de Chavannes,
geboren in Lyon am 14. December 1S24.
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