Gesellschaft für Vervielfältigende Kunst [Editor]
Die Graphischen Künste — 17.1894

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Über den Dreifarbendruck.


S ist in diesen Blättern schon an anderer Stelle — gelegentlich der Besprechung
des Farbenkupferstichs — darauf hingewiesen worden, dass dem in unserer Zeit
wiedererwachten, lebhaften Interesse für coloristische Reproduclionen einerseits
eine Neubelebung schon früher geübter Farbendrucktechniken, andererseits die
auf den modernen Errungenschaften der Photographie basirende Erfindung neuer
mechanischer Reprodu6tionsverfahren in Farben zu danken ist.
Unleugbar sind die Verdienste, welche sich die Chromolithographie — während eines langen
Zeitraumes die dominirende unter den Farbendrucktechniken — als illustrative Hilfskraft der
Wissenschaft und Kunstindustrie erworben hat; als Ausdruckmittel der Kunst hat sie es aber nur in
seltenen Fällen vermocht, ihrer Aufgabe gerecht zu werden. Nicht etwa, dass ihre Mittel zur
vollkommenen Wiedergabe eines noch so schwierigen Originals unzureichend wären, aber die
handwerksmässige Art, in der diele gerade in ihren Mitteln so reiche Technik bisher allgemein
gepflegt wurde, ward Ursache, dass die Chromolithographie der Lösung rein künstlerischer Aufgaben
nicht gewachsen ist. Wohl gibt es auch hervorragende Künstler, die mit Vorliebe den Steindruck
cultiviren, ihre diesbezüglichen Produkte sind aber, wie es ja natürlich ist, zumeist Originalarbeiten
und gehen in den seltensten Fällen über den illuminirten Schwarzdruck hinaus; dass sich aber ein
vorzüglicher Zeichner und zugleich Colorist — und ein solchcr wäre unbedingt erforderlich — der
rein reproducirenden Chromolithographie mit ihren strengen Anforderungen an die grösste Accura-
tesse in der Zeichnung, an eine nur durch lange Praxis zu erwerbende Sicherheit in der Zerlegung
der Farbentöne und an eine dem Charakter der Arbeit entsprechende riesige Geduld — widmen
würde, das gehört zum minderten zu den Unwahrscheinlichkeiten.
Mit der Erfindung und Vervollkommnung der Photographie sind nun nahezu alle Reproduclions-
techniken in neue Bahnen gelenkt worden; wo es nur immer anging, wurde die manuelle Arbeit
durch die photomechanische ersetzt und damit nicht nur an Zeit, sondern auch an Treue der Wieder-
gabe ein grosser Gewinn erzielt.
Es ist daher nur natürlich, dass sich schon frühzeitig Bestrebungen äusserten, die Photographie
auch in den Dienst der farbigen Reprodufition zu hellen, und so begegnen wir bereits im ersten
Lustrum der Siebziger-Jahre dahin abzielenden Versuchen. Man fertigte nach einem Gegenstande
eine Anzahl photographischer Negative an und benützte jedes derselben zur Herstellung der
Druckplatte (Lichtdruck) für eine bestimmte Farbe, nachdem man aus demselben jene Stellen
weggedeckt hatte, welche in der betresfenden Farbe nicht drucken süllten. Die Übergangstöne
wurden erzielt theilweise durch die in den Negativen selbst vorhandenen Abstufungen, theilweil'c
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