Gesellschaft für Vervielfältigende Kunst [Editor]
Die Graphischen Künste — 54.1931

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TIERBILDER VON OTTO SILBERSTERN,

1925 erschien im Verlag von Otto Nirenstein in Wien eine merkwürdige Mappe: Sechs Tier-
lithos von Silbert. Es waren eigentlich Kreidezeichnungen auf Umdruckpapier, in stetig unter-
brochenen einfachen Linien ausgeführt. Die Bildfläche des einzelnen Blattes war mit lockeren, mäßig
langen Strichen, in der Art gewisser in großen Stichen gehaltener primitiver Stickereien ganz gefüllt.
Anfänglich fand man sich in dem Gewirr zerbrochener Linien überhaupt' nicht zurecht. Erst bei
näherem Zusehen entdeckte man etwa, daß da Wellen und Kopf und Flossen eines Haifisches ange-
deutet seien. Man hatte dann das
Lustgefühl, das man hat, wenn
man ein Rätsel löst, einen Witz
versteht.Die einzelnen Zeichnun-
gen erinnerten auch ein bißchen
an die seinerzeit beliebten Vexier-
bilder der Gattung »Wo ist die
Katz' ?«,nur daß sie demkundigen
Auge eine wirkliche künstlerische
Begabung anzeigten.

Das Wesen Otto Silbersterns
(diesderrichtige Name desKünst-
lers) offenbart sich aber am deut-
lichsten und einwandfreiesten in
jenen mit zarten Tusch- oder
Pastelltönen ausgeführten Tier-
zeichnungen, von denen wir hier
zwei Beispiele, »Wölfe« und
»Makis«, abbilden. Die einfarbi-
gen Netzätzungen vermögen von
den Originalen nur eine höchst
unvollkommene Vorstellung zu
geben. Besonders die hauchzarte
Farbengebung geht natürlich zur
Gänze verloren. Die »Wölfe« sind
in weich verwischten gelbbrau-
nen Tönen mehr angedeutet als
durchgebildet, die »Makis« selbst
in grauen, das Geäst, auf dem sie
otto Siiberstem, .wöife.. Farbstiftzeichnung, herumklettern, in gelbbraunen;

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