Gesellschaft für Vervielfältigende Kunst [Editor]
Die Graphischen Künste — 54.1931

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BEITRÄGE ZUM WERKE VON CARL SCHINDLER.

Im doppelten Sinn will dieser Titel
verstanden sein: er kündigt einen Be-
richt über unbekannte Arbeiten von
Carl Schindler an und fordert zugleich
die noch unbekannten Besitzer seiner
Werke auf, sie namhaft zu machen.
Denn als wir vor einem Jahre das
Lebenswerk Carl Schindlers bild- und
katalogmäßig als Monographie 1 ver-
öffentlicht hatten, erwarteten wir nicht
nur den unvermeidlichen, nachhinken-
den Druckfehlerteufel, sondern auch
andere von seinen oder unseren Kol-
legen, die uns auf Fehlendes auf-
merksam machen würden. Vor allem
aber erwarteten wir zahlreiche Nach-

Abb.l.Carl Schindler, Der Postillon. Aquarell. 9*5: 11*5. Nachlaß Graf Siegfried Wimpffen.

richten von Besitzern unbekannter

Werke Carl Schindlers, Hinweise auf Bilder, Aquarelle und womöglich auch auf ganze Skizzen-
bücher. Denn solche Skizzenbücher sind das eigentliche Vademecum seiner frühreifen Kunst. Die
zahlreichen Einzelblätter, die wir im Katalog verzeichnet hatten, sind lose Blätter und Fragmente
solcher Bücher, deren Zahl erstaunlich groß gewesen sein muß. In diesen Notizen wird ihm die
Umwelt zum idealen künstlerischen Erlebnis. Die Erwartung, daß uns solche Schätze zukommen
würden, hat sich noch nicht erfüllt. Aber wir selbst können indessen den Freunden des Künstlers
eine bescheidene kleine Nachlese darbieten. Künstlerische und literarische Dokumente er-
weitern das Lebenswerk und Lebensbild des Frühverstorbenen: Aquarelle und Zeichnungen, die
bereits bekannte Themen und Motive variieren odervorbereiten, Studien, die des Künstlers Beobachtung
und Phantasie auf neuen Wegen zeigen, Werke seines engsten Kreises, die ihm ihre Anregung
verdanken, und literarische Zeugnisse, die das Ansehen und die Wertung Schindlers bei seinen
Zeitgenossen überliefern.

Das Werk der Ölgemälde konnte auch durch diese neuen Funde nicht mehr bereichert werden
und scheint bereits vollständig erfaßt zu sein. Die wenigen verschollenen Gemälde, die nur auf Grund
von alten Katalog- und Literaturangaben festgehalten werden konnten, sind meist durch Abbildungen
oder Varianten desselben Themas der Vorstellung nicht ganz entzogen. Nur eines dieser Ölgemälde:

i Franz Martin Haberditzl und Heinrich Schwarz, Carl Schindler. Sein Leben und sein Werk. Wien (Verlag d. Österr. Staatsdruckerei), 1930.

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