Gesellschaft für Vervielfältigende Kunst [Hrsg.]
Die Graphischen Künste — 55.1932

Seite: 89
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Meinhard Jacoby, Mölln (Lauenburg) im Schnee.

Farbige Lithographie.

MEINHARD JACOBY.

Um sich von der Künstlerpersönlichkeit Meinhard Jacobys, der als Maler, Bildhauer, Medailleur,
Graphiker und Kunstgewerbler tätig ist, mithin eine ungemein vielseitige Tätigkeit entfaltet, ein
zutreffendes Bild machen zu können, scheint es mir unerläßlich, daß man einmal gleichzeitig eine
Reihe seiner Arbeiten aus den vielerlei Werkgebieten vor sich gehabt hat. Erst dann erschließen sich
einem Wesen und WTollen dieses Künstlers ganz und man gewinnt auch mancher seiner Einzel-
leistungen gegenüber die richtigere Einstellung. Es ist erstaunlich, wie der Künstler seiner viel-
fältigen Begabung Herr geworden ist, was bei allen Talenten dieser Art außerordentlicher Kräfte
und Anstrengungen bedarf, aber man darf natürlich nicht erwarten, daß nun alle Hervorbringungen
auf den vielen Gebieten durchgehends sich auf der gleichen Höhe halten.

Ich fand Gelegenheit, Meinhard Jacoby in seinem Heim in Mölln in Lauenburg, einer der Perlen
der alten niederdeutschen Städte, aufzusuchen, wo er seit drei Jahrzehnten einen Landsitz erworben
hat. Dort wohnt er nun ständig seit seinem Abgang vom Lehramt an der Charlottenburger Kunst-
gewerbeschule und einem ihm folgenden achtjährigen Aufenthalt in Brasilien. Bei der heutigen
schlechten Wirtschaftslage, die gerade auch für die künstlerische Produktion sich so katastrophal
auswirkt, hat er sich glücklicherweise die Freiheit des Schaffens zu bewahren vermocht, doch hat

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