Herfarth, Christian [Editor]; Bartsch, Helmut [Editor]; Universitäts-Gesellschaft <Heidelberg> [Editor]
Heidelberger Jahrbücher: Gesundheit — Berlin , Heidelberg , New York, 50.2006 [erschienen] 2007

Page: 351
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Anti-Aging-Medizin auf dem Weg zur Wissenschaft

THOMAS RABE UND THOMAS STROWITZKI

Einleitung

Die Überalterung der Weltbevölkerung wird zahlreiche ökonomische, soziale
und gesellschaftspolitische Konsequenzen nach sich ziehen. Wurde eine Frau
in Deutschland Anfang des Jahrhunderts nur knapp über 50 Jahre und hat so
die Geburt ihres letzten Kindes um eben vier Jahre überlebt, so hat die heute
50-jährige Frau im Durchschnitt noch 35 Jahre vor sich, die mit Leben gefüllt
werden wollen. Die Anzahl der über 60-Jährigen wird von heute 500 Millionen
auf 1,2 Milliarden ansteigen; der Anteil der sehr Alten (80 Jahre und mehr)
wird von 2000 bis 2020 mit 200 Prozent schneller zunehmen. Im höheren
Lebensalter (> 80 Jahre) gibt es doppelt so viele Frauen wie Männer, da die
Lebenserwartung von Männern im Schnitt 4 bis 6 Jahre kürzer ist. In Japan
leben derzeit bereits mehr als eine Million Menschen, die über 90 Jahre alt
sind; der Anteil der 100-Jährigen beträgt jetzt schon 22 000. Ebenso wie in
Deutschland ist in Japan die Geburtenrate mit 1,29 Kindern pro Paar weit
unterhalb der Erhaltungsschwelle (2,1 Kinder pro Paar).

Die Weltgesundheitsorganisation hat nicht zuletzt deshalb eine eigene Ar-
beitsgruppe zum Thema „Altern" eingesetzt, um dieser Problematik gerecht
zu werden.

Gesundheit ist kein Fehlen von Krankheit, sondern eine Kombination von
Krankheitsfreiheit und unter anderem psycho-sozialem Wohlbefinden (vgl.
Definition Reproductive Health der WHO). Die Beachtung von Prodromi ist
deshalb für die Früherkennung von Erkrankungen von ausschlaggebender Be-
deutung.

Die Molekularbiologie hat rasante Fortschritte hinsichtlich der Entschlüs-
selung von Genen gemacht, die am Alterungsprozess beteiligt sind. Inwieweit
man das Altern künftig durch molekularbiologische Therapiekonzepte beein-
flussen kann, ist gegenwärtig noch nicht abzusehen. Zurzeit wird allerdings von
großangelegten Genchip-Untersuchungen abgeraten, da die einzelnen vorge-
schlagenen Mutationsanalysen hinsichtiich ihrer Aussagekraft noch nicht aus-
reichend validiert sind. Weiterhin sollte sich aus den Einzelbefunden eine the-
rapeutische Konsequenz ableiten. Unverantwortlich ist eine Verunsicherung
durch nicht validierte Risikoprognosen. Eine Gendiagnostik wird weiterhin
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