Heidelberger Volksblatt — 2.1869

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eilellerger gllt.


Nr. 9.

Samſtag, den 30. Januar 1869.

2. Jahrg.

Erſcheint Mittwoch und Samſtag. Preis monatlich 12 kr. Einzelne Nummer à 2 kr. Man abonnirt in der Druckerei, Untereſtr.
und bei den Trägern Auswärts bei den Landboten und Poſtanſtalten.

Möwenpriis.

"Alſo auch auf's Lauſchen legſt Du Dich!"
Sie zuckte nur die Achſeln. "Uebrigens habe ich
Dich beſſer durchſchaut, als Du meinſt und weiß
Alles."

Eine ſchleswig'ſche Geſchichte von Maria v. Roskowska.

(Fortſetzung.)

Obwohl auf der Hut, konnte ſie ihre Betroffenheit
nicht ganz verbergen. "So - was denn? Unbewußt
flogen ihre Blickr nach dem Lollfuß.
"Du willſt Uleſen, um ihn von Hilda abzuziehen,
ſelber - erobern."
"Nur beſchäftigen, Ellſtädt." Sie mußte lächeln
Welch' unnütze Sorge hatte ſie ſich eben gemacht.
Auch er lächelte. "Hüte Dich, Du kennſt dieſes
leicht entzündliche Herz nicht. Und ich bin eiferſüch-
tiger Natur."
Jhre Augen leuchteten auf. Von einem neuen Ge-
danken ergriffen, vergaß ſie ihre Umgebung wie Alles,
was ſie eben beſchäftigt hatte.
Er betrachtete ſie unverwandt. "Wie hübſch Du
noch biſt, Helene? Heute iſt's, als hätteſt Du Dich
gar nicht verändert in den elf Jahren. H Hat9
ra edacht, das - 5- o , J, oev s
g wenpriis, nach langer Zeit zum erſten
Mal, wiederſah?" So vertieft war er in dieſem Rück-
blick, daß ihm ihr ſichtliches Erblaſſen, ihr Zittern ent-
gina.
"Mit Thomſen und Deiner kleinen Schweſter warſt
Du unter den Zuſchauern und Alf rief mich an, ver-
langte von mir junge Möwen. "Jch habe darum, und
trotz Allem, noch immer eine Vorliebe für den Jungen,
wandte manche wohlverdiente Strafe von ihm ab, wenn
es irgend in meiner Macht ſtand. Schlecht genug wird
es gelohnt.
Sie lächelte halb traurig, halb bitter. Er beach-
tete es nicht, ſtrich mit der Hand über die Stirn, wie
um den letzten Gedanken fortzuwiſchen. "Das Son-
nenlicht umwob Dich wie eine Glorie, und Du er-
ſchienſt mir ſchöner als je. Jch wurde zwar nicht be-
ſonders freundlich aufgenommen von Euch Allen, außer
von Deiner Mutter, der ich das noch immer in Liebe
gedenke. Aber ich folgte Euch dennoch nach Haddeby.
Als Thomſen mit ſeiner Frau von dort nach Hauſe
gefahren war, durfte ich Euch über die Schlei heim
begleiten. Deine Mutter nahm meinen Arm; Jhr
wohntet damals auf dem Friedrichsberg."
Seine Reminiscenzen erregten augenſcheinlich in
ihr nicht dieſelben elegiſchen Empfindungen, waren ihr
eher peinlich. Sie dachte jedoch dieſe Stimmung zu
benutzen.

Mit lebhaftem Antheil verfolgte Ellſtädt, der neben
ſeiner Frau im Boot geblieben war, den Verlauf der
Jagd, ſo weit er es von ſeinem niedern Sitz vermochte.
"Als Domſchüler war ich auch einige Mal dabei und
welch' ein Triumph für denjenigen, der ſich der mei-
ſten Beute rühmen konnte!" Die Worte gingen faſt
unbewußt über ſeine Lippen; ganz gegen ſeinen Wil-
len entſchlüpfte ihm der Seufzer, der Helene verwun-
dert aufſchauen ließ.
"Guten Tag, Frau Ellſtädt, guten Tag!" Der
junge Thomſen kletterte eilig über die am Ufer lie-
genden Kähne zu dem ihrigen. Suchend flog der Blick
umher. Auf den Lippen ſchwebte augenſcheinlich eine
Fraae.
Ellſtädt, ungewöhnlich angeregt durch die Erinne-
rung an ſeine Jugend, fragte ihn freundlich nach dem
Ergebniß der Jagd. Die zierliche Taſche war ſtrotzend
voll. Die intereſſante Eröterung unterbrach er jedoch
bald mit einer neuen Frage: "Haben Sie meine
Schwägerin nicht geſehen?" Sie klang nicht ſo freund-
lich wie die erſte. Offenbar erinnerte er ſich des Jn-
tereſſes ſeines Freundes.
Der Jüngling erröthete tief. "Jſt ſie denn hier?"
"Sie wollte uns auf dem Holm erwarten, wird
aber wohl anders wohin gegangen ſein." Er ſixirte
ſeine Frau. Die unwillkührliche Bewegung in ihren
Zügen beſtätigte ſeine Vermuthung.
"Will eine Möwe für Anna fangen." Alf, den
jetzt nichts mehr hier feſſelte, verabſchiedete ſich eilig.
"Das iſt wider unſere Verabredung, Helene."
Sie war überraſcht, hatte ſeinerſeits mehr Heftig-
keit erwartet. "Hilda ſagte mir nicht, daß ſie nicht
am Landungsplatz ſein würde." Das Blut ſchoß ihr
in's Geſicht. "Du wirſt aber begreiflich finden, daß
ſie ſich der beabſichtigten Unverſchämtheit nicht aus-
ſetzen wollte."
"Jn der Liebe wie im Kriege ſind alle Liſten er-
laubt."
"Aber nicht Gemeinheiten. Sprich nicht für ihn,
ich hörte ja, daß Du es mißbilligteſt!"
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