Heerwagen, Heinrich
Die Lage der Bauern zur Zeit des Bauernkrieges in den Taubergegenden — Nürnberg: Mohr & Zimmer, 1899

Page: 1
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/heerwagen1899/0011
License: Public Domain Mark Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
Lur Bınle i une.

Der deutsche Bauernkrieg, lange genug ein ziemlich nebenab
gelegenes Gebiet historischer Forschung, ist in der letzten Zeit
mehr und mehr in den Vordergrund geschichtlicher Studien getreten.
Man hat aufs fleissigste begonnen, die Vorgeschichte der Erhebung
uns zu gestalten, nachzuweisen, wie lange vor 1525 da und dort
Funken zu glimmen begonnen, die bald zu ungestümen Lohen sich
entflammen sollten. Man. ging den mannigfachen Ursachen nach,
den politischen, rechtlichen und wirtschaftlichen Impulsen, die
Zündstoffen gleich das stillere Feuer weiter entfachten, der
elementaren Gewalt eine grössere Einheitlichkeit der Bewegung
und, wie man nicht läugnen kann, auch eine gewisse Gross-
artigkeit verliehen haben.

Freilich, eine Einheitlichkeit der Aktionen liess sich nicht
nachweisen; ein geistiges Band, das fester oder lockerer die
_ einzelnen Auftritte des historischen Schauspiels verband, ist nicht
zu verkennen, aber doch reiht sich Szene an Szene, ohne dass sich
eine auf die andere notwendig beziehen müsste. Wir kommen nicht
über die lose Aneinanderreihung einer Anzahl lokaler Bewegungen
hinaus, die auch wiederum lokal blutig endeten, da und dort auch
alsbald im Keim erstickten. Es fehlte eine energischere Persönlich-
keit, ein politischer Kopf und geschickter militärischer Führer, der
der ganzen Bewegung ein einheitliches organisches Leben gegeben
hätte. Das geschah nicht, und die einzig dastehende, im Anfang
So hochgemute Unternehmung fand ein schmähliches Ende. ;

Die Thatsache, dass der Bauernkrieg des Jahres 1525, der
Hohepunkt der Entwicklung, nicht eine einheitliche mit
gleichem Ursprung, gleichmäßigem Verlauf und einem absolut das
Ganze niederzwingenden Ende — Schlacht von Königshofen —

1
loading ...