Hirsch, Fritz
Das Bruchsaler Schloß im XIX. Jahrhundert — Heidelberg, 1906

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Anhang.

Die mehrfachen, gründlichen Zerstörungen Bruchsals durch
die Franzosen haben nur einige wenige Zeugen der mittelalter-
lichen Stadt verschont. Denken wir uns diese paar Bauwerke
und alle diejenigen hinweg, die in der Neuzeit entstanden sind —
auch diese sind weder quantitativ noch qualitativ bedeutend genug,
den Charakter der Stadt zu beeinflussen —, dann haben wir das
Bruchsal des 18. Jahrhunderts, die Stadt der Bischöfe. Die Krone
dieser Schöpfung bildet das Schloß, die Residenzvorstadt, die Da-
miansburg, wie sie der fürstbischöfliche Gründer nach sich nannte;
aber auch der bauliche Qesamtorganismus der Stadt ist das
logische Resultat fürstbischöflichen Willens. Es ist der Geist der
bezwingenden Persönlichkeit, der aus dem Gesamtwerk spricht,
der aber auch das Individuum so vollkommen beherrscht, daß
dieses sich auflöst unter den Strahlen des Herrschergenies.

Unter den Bruchsaler Akten des Generallandesarchives in
Karlsruhe befindet sich der Entwurf einer Bauordnung.1 Datum
und Unterschrift fehlen, das ganze atmet aber so sehr Schönborns
Geist, daß an seiner Urheberschaft nicht zu zweifeln ist.

Unsere heutigen Bauordnungen enthalten manche an sich
unscheinbare Paragraphen, die bei näherer Betrachtung eine ent-
scheidende Wirkung auf die Ausgestaltung der Architektur aus-
üben. Die hier vorliegende Bauordnung, die im Gegensatz zu
unseren heutigen Bauordnungen in der Hauptsache auf ästhetischen
Gesichtspunkten aufgebaut ist, zwingt die Architektur in so weit-
gehender Weise unter ihr Szepter, daß hier die Bauordnung als
Schlüssel der Erkenntnis bezeichnet werden muß.

1 Gen. Fasz. 275.
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