Heydemann, Heinrich
Hallisches Winckelmannsprogramm (Band 3): Mittheilungen aus den Antikensammlungen in Ober- und Mittelitalien — Halle/​Saale, 1879

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illustr. III p. 53) beschränkt sich auf die Stellung
des zuschauenden Gefährten.

146. Von den vier korbtragenden Eroten der
Jahreszeiten auf den Flügeln der Hadesthür hat der
eine links oben sicher ein Pedum, derjenige links
unten wol auch (oder war das ein Ruder?). Auf der
rechten Schmalseite des Sarkophags springt Pegasos
über eine Trinkschale weg.

151. Von der Sichel in der Rechten des den
Sommer darstellenden Eroten ist nur der Griff vor-
handen; auf den Schmalseiten legt je der Panther die
eine Vordertazc auf das 'poculum Liberi Patris', den
Kantharos.

159. Sieht allerdings recht verdächtig aus.

Nicht bei Dütschke beschrieben, also neu hinzu-
gekommen ist (und zwischen no. 7!! und 74 auf-
gestellt) :

Schöner lebensgroszer Kopf eines Junglings;
griechischer Marmor. Gut erhalten: ergänzt sind
die untere Hälfte der Nase, der rechte Theil der
Unterlippe und einige Haarenden; die Oberfläche
ist angefreszen. Das Haar (schmales Band) fällt
von der Mitte der Stirn in dichtem Kranz rechts
und links auf Hals und Nacken herunter; Spuren
rother Farbe sind im Haar erhalten. Der Kopf
ist ein ganz wenig nach rechts (vom Beschauer)
gewendet, voll schmachtendes Ausdrucks und mit
geöffnetem Munde. Ich dachte einen Augenblick
an einen jugendlichen Dionysos(V). Leidlieh gute
Gopie eines schönen Originals.

FLORENZ.
I.

GALLERIA DEGLI ÜFFIZJ.

Vgl. Dütschke Die antiken Marmorbildwerke der Uffizien.
8°. Leipzig 1878; Wieseler Gött. gel. Nachr. 1874.
no. 23. S. 5(10 ff.

Der Antikenvorrath der Uffizien besteht nach
Ausscheidung der aegyptischen und etruskischen
Alterthümer, die jetzt ein eigenes Museum bilden —
vgl. über daszelbe unten ausführlicher — aus dem
Münzcabinet und den Sammlungen von Marmor-
werken, Bronzen und geschnittenen Steinen, bei
welchen letzteren sich auch einige goldene und sil-
berne Sachen befinden.

Den Marmorwerken habe ich mich diesmal nur

kurze Zeit gewidmet, wobei ich leider ihre erst
kürzlich erschienene äuszerst dankenswerthe Be-
schreibung von Dütschke noch nicht zu Grunde
legen konnte. Einige wenige Bemerkungen mögen
in Anschlusz an Dütschke's Nummerierung folgen:

No. 55. Eine ganz kleine nippesartige Wieder-
holung des Ebers findet sich auch im Vatican: Museo
Chiaramonti no. 463 (aus schwarzem Marmor); neu sind
die Ohren die Schnauze die Hinter- und Vorderfüsze,
doch ist ein Theil der Basis mit der linken Vorder-
klaue alt.

60. Mit völligem Recht weist Dütschke die
Bezeichnung einer Agrippina für diese sitzende
Frauengestalt zurück, da der Kopf ergänzt ist; wenn
er aber für möglich hält, dasz Agrippina 'zuerst
in dieser für eine Sitzende höchst wirkungsvollen
Lage sich haben abbilden laszen', so musz ich dein
(ganz abgesehen davon, ob die jüngere oder die
ältere Agrippina gemeint wird) auf das Bestimm-
teste widersprechen. Denn wenn die Kunstblütlic
unter den Kaisern des julischen Hauses auch noch
so hoch angenommen wird (und mit Recht sehr
hoch angenommen wird), so kann doch das einstige
Original dieser gern wiederholten n:i) sitzenden
Frauengestalt nicht erst damals erfunden worden

l73) Mir sind die folgenden bekannt (alle aus Autopsie):

A. Diese Florentiner Figur no. 60: abg. auch Clarac
Musee de Sculpt. 1)55, 2454.

B. Ebenfalls in den Uffizien Uütsehke no. 130: abg.
auch Clarac 030, 2307 (an Werth der Arbeit und Compo-
sition hinter A zurückstehend).

C. Capit. Museum: abg. zB. Clarac 932, 2308; Müller-
Wieseler 108,371. Die Faltenfiille ist allzustark und kleinlich.

D. Villa Albani (Visconti no. 79): abg. recht schlecht
bei Clarac 932, 2307 A. Dutzendarbeit.

E. Museum Torlonia (Visconti no. 02); der neue Kopt
trägt die Züge der Livia. Neu sind auch der rechte Ann
und die linke Hand; hier und da ausgebeszert. Die Arbeit
ist theilweise schön (zB. die Gewandung an den Fiiszen),
aber doch nur gute Dut/endarbeit. Gefunden 'nella villa
dei Gordiani sulla via Labicana'.

F. Ebenda no. 75: abg. elendiglichst bei Cavalleriis
Stat. I 53. Neu sind der ideale Kopf, der linke Arm (nebst
der daran sitzenden Stuhllehne), beide Füsze und die linke
Brust. Am Huude (kein 'Löwe') ist neu die Schnauze und
sind die Vorderpfoten gebrochen; am Stuhl sind die Füsze
und Theile der Rücklehne neu. Stark mitgenommen an der
Oberfläche; aber Spuren wundervollster griechischer Arbeit
überall vorhanden. Griechischer Marmor.

G. Neap. Museum: abg. zB. Clarac 929, 2303; Mus.
Borb. III 22; vgl. Ghd. Neap. Bildw. S. 43, 124. Weicht in
der Haltung der Arme ab; schöne Arbeit.
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