Heydemann, Heinrich
Hallisches Winckelmannsprogramm (Band 3): Mittheilungen aus den Antikensammlungen in Ober- und Mittelitalien — Halle/​Saale, 1879

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MUSEO CONTE GHERARDESCA.

150. Diejenige Seite dieser Marmortafel '-74) die
mit erhabenerem Relief versehen ist. war die ursprüng-
liche 'Vorderseite'. Auf dem Altar ist ein Pyramidal-
kuehen (keine Opferflamme) dargestellt, wie mir scheint;
der unkenntliche Gegenstand ist gewisz kein Vogel:
doch wollte mir nicht gelingen zu bestimmen, was dort
dargestellt gewesen sei. Vgl. dazu Marmorbildw. der
Uffizien no. 186; u. a. m.

MUSEO TORRIGIANI.

455. Schwerlich Alexander der Grosze, für den
der Ausdruck doch allzu schmerzvoll pathetisch ist;
eher vielleicht ein Helioskopf?

456. Verdient jedenfalls abgcgoszen zu werden,
da die Zusammengehörigkeit mit den athenischen At-
talosgeschenken wol sicher anzunehmen ist (vgl. Brunn
zu den Mon. dell' Inst. IX 19 ss; Benndorf Arch. Mitth.
zu Athen I zu Tat'. 7). Auf dem Nacken sind noch
Enden des langen Haares erhalten; die Arbeit giebt
das Stylistische der Originale nur abgeflacht wieder,
aber ist für manche Theile (zB. den Rücken) ganz
leidlich.

S. 214. Statuette des Pan, mit den Händen hinten
;m einen Baum gebunden; der Kopf abgebrochen [aber
alt; die Füsze ergänzt. Vgl. dazu Jahn Bei-. dSGdW.
1869 S. 36 ff.

Ebd. Kleine Statuette der sitzenden Kybele oder
vielmehr der Fortuna, wie der Rest des Füllhorns im
linken Arm beweist; Kopf und Unterarme ergänzt.

Ebd. Kleine Statuette der sitzenden Athene, die
Unterarme fehlen; der behelmte Kopf sowie der Busen
sind wol ergänzt. Die auf beiden Seiten des Throns
aufgehäuften Waffen (Schilde usw.) beweisen, dasz hier
ursprünglich wol Koma dargestellt war.

FIESOLE.

505. Die Figur hält auf der Rechten deutlich
einen Vogel; das Geräth an der linken Hand schien
mir sicher ein Korb zu sein.

506. Zwei Gladiatoren, von denen der eine vor j
dem anstürmenden anderen zu Boden sinkt.

Ztg 1^77 S. 181, L]; auch im Musee Pol zu Genf findet sich
ein - Bruchstück dieser Thonplatte: Catal. I p. 178, S38 (vgl.
dazu oben S. 43 Anm. 101, no. 9).

274) Natürlich waren derartige auf beiden Seiten mit
Reliefs geschmückte Marmortafeln bestimmt, von beiden
Seiten gesehen zu werden und etwa auf einem ringsum frei-
stehenden Pfeiler (vgl. dazu Schöne Gr. Rel. Taf. 14, 66 und
67. S. 37 f; u. ö.) aufgestellt — in den Hainen und Bezirken
dionysischer Tempel oder auch zwischen den Intercolumnien
von Atrien u. s. w.; anders Zoega Bass. I p. 70, 1.

PALAZZO PANCIATICHI.

519. Griechischer Marmor; griechische Arbeit
und griechische Erfindung. Priamos scheint doch
einen langärmligen Chiton zu tragen, wenigstens
scheint am rechten Handgelenk ein Aermelsaum
erkennbar; auf dem Haupte hat er deutlich die
phrygiache Mütze, zu der die auf die Brust herab-
hängenden Bänder gehören. Neoptolemos 275) hält
in der Rechten deutlich das Schwert und ist bereit,
zuzustoszen und Priamos zu tödten.

521. Ist der Kopf sicher alt?

AREZZO.

Das Museo publico von Arezzo, welches sicli
im Palast der Fraternitä della Misericordia an der
Piazza grande befindet, zeichnet sich besonders durch
eine bedeutende Sammlung von Majolicawerken des
XVI Jahrh. aus; doch enthält es auch von Werken
der Antike einige sehr interessante und schöne
Stücke. Ich habe mir die folgenden verzeichnet
(wobei ich wieder bemerke, dasz ich die etruskischen
Aschenkisten nicht berücksichtigt habe):

1. Grosze Yolutenamphora (H. 0,59) mit rothen
Figuren, in groszartigem Styl auf dem Bauch, in
flüchtiger Weise am Hals. Abgebildet in kaum zu
erkennender Verzerrung bei Dempster Etr. reg. I
Taf. 19 und Passeri Pict. etr. Taf. 163; sehr gut
mit den gefundenen Inschriften in den Mon. dell'
Inst. VIII 6; vgl. Jahn Annali 1864 p. 240 ss. Am
Bauch: A. Herakles mit Telamon im Kampf gegen
die Amazonen Kydoime Teisipyle Thraso Toxis und
wol Hypsipyle (damit stimmen die Reste der zer-
störten Inschrift am Besten überein, wie Jahn richtig
bemerkt); ich möchte anführen, dasz ich deutlich
TEVAMON und T05W (sie)216) las, statt [T\sXa^ov
und Tuxoic. B. Vier Amazonen, zum Kampf herbei-
eilend; im freien Raum die Inschriften <Pilkia6sg
xalog und Xöt)-o[r]xa/Log. Am Hals: A. Zehn Jüng-

'275) In Betreff seines linken Beines musz es bei Dütechke
so heiszen: Neoptolemos hat das linke Bein zwischen die
Beine des Priamos gesetzt, so dasz 'dasselbe' in unschöner
Weise durch den Körper des Sitzenden abgeschnitten 'wird',
und u. s. w.

sie) Vgl. zu aa = £ zB. B^vaaaif = Bpvaqu (Pittakis
Eph. archaiol. no. 523); u. a.
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