Heydemann, Heinrich
Hallisches Winckelmannsprogramm (Band 3): Mittheilungen aus den Antikensammlungen in Ober- und Mittelitalien — Halle/​Saale, 1879

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der Thyrsos, au dem ein kleiner Tiger hinaufklettert.
Zur Linken des Beschauers findet sich eine hohe Basis
ruft der Statue der Artemis, die von zwei Hunden
begleitet ist, in der Linken den Bogen hält und die
Rechte am Köcher hat; zur Rechten steht auf einer
hohem Basis ein Satyr (wenn ich richtig gesehen habe),
tanzend, in der Linken das Pedum. Jederseits rahmt
ein Pfeiler mit Verzierungen die Darstellung ein.
Auf der anderen Breitseite, die gleichfalls von zwei
verzierten Pfeilern eingerahmt ist, spielen zwei be-
kleidete Männer ein Brettspiel. Sie sitzen auf Stühlen
gegenüber, haben die Füsze auf eine gemeinsame
Fuszbank gesetzt, und halten auf dem Schosz
ein Spielbrett mit runden Steinchen, mit denen sie
spielen. Neben dem einen Mann (zur Linken des
Beschauers) steht eine Frau, welche das Spiel beob-
achtet35) und dabei die Rechte sinnend an den Mund
legt und die Linke gleichsam mitspielend vorstreckt,
oben hängt ein Sack (tpoQfiioxoc;'} vgl. dazu 2tes
llallisches Winckehnannsprogr. S. 8, 29). Auf den
Schmalseiten findet sich je ein Sklave dargestellt: das
eine Mal kurz bekleidet, in den gesenkten Händen
Eimer und Korb haltend; das andere Mal trägt er
mit beiden Händen einen Korb auf seinem Kopfe.

CATAJO.

Vgl. Thierach Koisen I S. 303 ff; Cavedoni Indicazione dei
principali monumenti antichi del reale Museo estense del
Catajo (Modena 1812. 8°); Conze Arch. Anz. 1867 S. 93*ff>

Die in der zweiten Hälfte des vorigen Jahr-
hunderts zusammengebrachte Sammlung in der 'Villa
del Catajo' der Obizzi ist noch vollständig an ihrer
alten Stelle, mit Ausnahme weniger Stücke36), welche

35) Vgl. dazu die athenische Terracottagruppe Arch.
Ztg. 1803 Taf. 173, 1 (wo ein morio zuschaut); auf der Brett-
spielscene des geschnittenen Steins Bull. Nap. Arch. NS. I 8, 5
sind zwei Zuschauer zugegen. Vgl. auch die beiden unten
beschriebenen Reliefdarstellungen in dem Museo lapidario zu
Turin no. 10 und no. 18.

") Dazu gehören zB. das kleine Bruchstück, das wie
Thiersch richtig erkannte zum Nordfries des Parthenon ge-
hört (Cavedoni 1. e. no. 150. p. 51 ss: vgl. Michaelis Parthenon
S. 248 Taf. 13, XXVII, A); der Musen Sarkophag, auf dem
ein Jüngling unter den neun Musen sitzend dargestellt ist
(Cavedoni 1. c. no. 718. p. 73ss); der Korasarkophag (Cave-
doni 1. c. no. 1354. p. 97ss: zuletzt abg. und besprochen von
Overbeck Kunstmyth. III S. 638, 34. Atlas Taf. 17, 22); u. a. m.

sich jetzt in Wien (Palast Modena) befinden, aber
zurückgebracht zu werden verdienten, um das Bild
'einer alten Privatsammlung venetianischer Nobili'
unberührt zu erhalten; einige kleinere Anticaglien
finden sich voraussetzlieh auf der Bibliothek zu

l

Modena3"). Ein vollständiges ausführliches Ver-
zeichniss der reichen Antikensannnlung wäre sehr
zu wünschen, zu dessen Ausführung die Redaction
der 'Archäologisch-epigraphischen Mittheilungen aus
Oesterreich' vom jetzigen Erben und Besitzer, dem
Erzherzoge Franz Ferdinand von Oestreicli-Lste,
gewiss leicht die Erlaubniss erlangen würde. Das
Museum ist jetzt seit Kurzem neu nummeriert; die
j.enaen jn ((en Klammern beziehen sich auf die
früheren Nummern, unter denen sich bei Cavedoni
oder Conze einzelne Monumente beschrieben oder
erwähnt finden. Ich möchte den Berichtigungen und
Bemerkungen, die Conze zu Cavedoni's Indicazione
gibt, das Folgende zufügen:

No. 40 (45)'iV). Von einem King am kleinen
: Finger der Melitine, vou dein Cavedoni spricht, konnte
| ich nichts bemerken; dagegen hält das kleine Mädchen
I neben ihr in beiden Händen ein cylinderförmiges
j Kästchen, was auch Thiersch (Reisen 8. 309) nicht er-
wähnt. Die Inschrift im CIGr. 3299.

111 (138). Filippo Aurelio Visconti (Handschr.
Notiz nach Cavedoni p. 9 s und p. 51) hatte Recht,
in diesem Bruchstück griechische Arbeit zu erkennen
(ebenso Conze S. 93 f), Cavedoni (p. 50 s) eine Sceue
aus der Iliupersis zu vermuthen; nur hätte Letzterer
sie nicht auf Vergil zurückführen sollen (vgl. ebenso
Welcker A. D. III S. 532; Heydemann Iliup. S. 16,1).
Leider ist das schöne Relief gewaltig verwaschen
und mannigfach verdorben, hängt auszerdem hoch
und ist sehr schlecht beleuchtet: daher ist manches
Motiv nicht mit voller Sicherheit zu bestimmen. Das
Relief hat 0,45 Höhe und 0,88 Länge; es ist in der
Mitte senkrecht durchgebrochen und auf beiden Seiten
unvollständig. Links vom Beschauer umfaszt ein
Mann (nach rechts gewendet; der linke Oberschenkel
ist übermäszig lang; Kopf ergänzt; das rechte Bein
von der Hüfte an fehlt), dem die Chlamys von der
linken Schulter zur Erde herabfällt, von hinten eine
Frau (Kopf ergänzt), welche mit einem langen Chiton
bekleidet ist und beide Hände abwehrend auf die

37) Vgl. Cavedoni 1. c. p. 10, 7 und 11, 8.
J8) Dieser Grabstein ist also nicht, wie Conze a. a. O.
S. KiO annahm, mit nach Wien genommen.
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