Kunsthistorische Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses <Wien> [Editor]
Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses (ab 1919 Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien) — 2.1884

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ROMISCHE MEDAILLONS.

Von

Dr. Friedrich Kenner.

(Fortsetzung.)

nknüpfend an die im ersten Bande dieses Jahrbuches mitgetheilte Reihe von Kaiser-
medaillons wird hier eine neue Folge derselben besprochen. Sie umfasst die Zeit
von Lucius Veras bis Maximinus Thrax, reicht also schon in jene Epoche hinein, in
welcher die drei Monetae auf den Rückseiten der Medaillons häufig zu erscheinen
beginnen. Von diesen Stücken wird nur die Beschreibung gegeben werden, ohne
Commentar; es dürfte nützlicher sein, zum Schlüsse der Publication im Allgemeinen
über sie zu handeln.

Lucius Verus.

47. Tafel V, Fig. 47.

IMP CAES L AVREL VERVS AVG TR P III COS II Brustbild von rechts mit Lorbeerkranz und Feldherrn-
mantel, unter diesem die Achselklappen der Rüstung.

Rev. Im Abschnitt: ADLOCVTIO Auf niedriger Bühne der Kaiser in der Rüstung mit dem Mantel
von rechts, die Rechte an die Hüfte legend, mit der Linken das Parazonium haltend, hinter ihm zwei andere
Figuren, beide in der Kriegsrüstung; von ihnen hält die mittlere einen gesenkten Stab in der Rechten. Vor
der Bühne stehen zum Redner aufblickend fünf Soldaten in voller Rüstung. Der vorderste, vom Beschauer
abgewendet, hält am linken Arme den Schild, neben ihm steht ein zweiter, von links, der die linke Hand
an den Schenkel legt und in der Rechten ein Feldzeichen trägt. Die andern drei Soldaten erscheinen im
Hintergrunde. Der dritte und vierte, Beide von links, halten Feldzeichen und Standarte, der fünfte, von
vorne gesehen, führt ein Pferd, das mit dem Vordertheil sichtbar wird; es ist gleichfalls von vorne dar-
gestellt und wendet den Kopf gegen seinen Führer.

Perlenrand auf beiden Seiten. Der Medaillon ist mit einem Rahmen umgeben, welcher die gewöhn-
liche Profilirung zeigt und am inneren wie am äusseren Rande mit Kerblinien geschmückt ist. Der Medaillon
selbst aus röthlicher, der Rahmen aus gelber Bronze; Bildfläche 34 Mm., mit dem Rahmen 65 Mm. Durch-
messer, am Rande 1'5 Mm. dick.

Alter Besitz. — Cimel. Austr., P. II, Tafel bezeichnet mit: p. 45, Text p. X. — Eckhel, Catalogus
Mus. Caes., II, 242, 25. — Arneth, Synopsis, p. m, i3. — Vgl. Cohen, III, 14, 89. — Froehner, p. 86.

Die Abbildung im Cimelium ist in manchen Punkten unrichtig; wenn auf ihr auch die dritte der
Figuren, die auf der Bühne stehen, ein Parazonium in der Rechten hält, oder wenn von der Linken der die
Anrede haltenden Hauptfigur eine Schräglinie durch das Feld des Medaillons geht, die sich wie der Contour
einer Treppenwange oder eines Geländers der zur Bühne führenden Stufen ansieht, so beruht dies auf
Missverständnissen; jenes Parazonium ist nur der Rand der Rüstung oder die untere Kante der von ihr
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