Kunsthistorische Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses <Wien> [Editor]
Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses (ab 1919 Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien) — 2.1884

Page: 241
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Vorbemerkung.

So bestimmt auch das für die Bearbeitung des ur-
kundlichen Materials ^u diesem Quellenwerke gegebene
Programm lautete, war es doch schwer, demselben voll-
kommen gerecht zu werden, namentlich wo es sich um
die Grenze des kunstgeschichtlichen Werthes des von
KünstlernundKunsthandwerkern Geschaffenen handelte.

Ich hielt es diesfalls für den geringeren Fehler,
eher %u viel als zu wenig in den Bereich des Regestirens
ZU Riehen, da eben der Werth der Werke unserer alten
Meister der Kunst und des Kunsthandwerks in zahl-
reichen Fällen nicht festgestellt werden konnte, Vieles
erst durch den urkundlichen Hinweis aufzufinden und
^u beurtheilen möglich wird.

Auch fiel es dem Verfasser schwer, seine Pietät
für alles Heimatliche in die Schranken zu verweisen,
welche eine allgemeinere Werthschätzung verlangt. Es
gilt dies namentlich in Betreff der Münze, der Platt-
nerei, Geschützgiesserei und des Waffenwesens.

War es schon bei den Münzen schwer, die Grenze
für die Berücksichtigung der darauf bezüglichen Ur-
kunden und Acten zu finden, so gilt dies noch mehr von
den Werken der Plattner, Geschützgiesser und Waffen-
schmiede, bei welchen der künstlerische Werth oft sehr
Zweifelhaft erschien, die aber mit Rücksicht auf den
Namen des Meisters, und da das Waffenwesen älterer
Zeit augenblicklich Gegenstand vielseitiger Forschung
ist, doch einer etwas näheren Berücksichtigung werth
erachtet wurden.

Von den Büchsenmeistern wurden übrigens nur
diejenigen in Betracht gezogen, welche zugleich Giesser
waren.

Bei dem, gegenüber der sonstigen vielseitigen Kunst-
bethätigung auffälligen Mangel an Profanbauten von
künstlerischem Werthe schien es mir geboten, auch der
kunstgeschichtlich weniger wichtigen zu gedenken, umdem
Forscher ein Bild von der baulichen Bethätigung in der
betreffenden Zeit überhaupt zu ermöglichen. Es wurden
daher verschiedene Bauwerke, wenn sie, wie z- B. die
Bauten in Glums, Finstermünz, Kufstein etc., heute

lediglich nur historischen oder culturgeschichtlichen
Werth besitzen, oder wie Runkelstein nur der innern
Ausschmückung wegen von Interesse sind, nicht unbe-
rücksichtigt gelassen.

Der Umstand, dass durch das Stuttgarter Kunst-
blatt vom Jahre 1844 Caspar Rosenthaler auf Grund
einer falsch gelesenen Inschrift zu einem bedeutsamen
Maler gestempelt worden ist und seitdem bis auf den
heutigen Tag in allen Künstlerlexika als solcher pro-
ducirt wird, veranlasste mich, auch das über diesen
Mann vorfindliche urkundliche Material, allerdings in
möglichster Kürze, zu regestiren, um auch anderen Kunst-
historikern*) die urkundlichen Beweismittel an die
Hand zu geben, dass der Genannte den Ruf eines be-
rühmten Malers, ja überhaupt eines Künstlers, bisher
ganz unberechtigt genossen hat.

Bei der formellen Behandlung des urkundlichen
Materials wurde hauptsächlich der Zweck der Regesten,
nämlich kunstgeschichtlicher Forschung zu dienen, im
Auge behalten, eine Forschung, für welche die diplo-
matische Seite, in dieser Zeit ohnedies von geringerer
Bedeutung, weniger wichtig ist.

Siegel und Petschafte von Künstlern wurden, da
sie nicht selten zur Eruirung und Feststellung ihrer
Werke führen, wie dies beispielsweise bei Meister Lorenz
Helmschmied von Augsburg der Fall ist, wo möglich in
Abbildungen gegeben.

Bei der grossen Ausdehnung des k.k. Statthalterei-
Archivs und dem Umstände, dass dasselbe aus Mangel
Zureichender Kräfte noch lange nicht als systematisch
geordnet betrachtet werden kann, wird ungeachtet meines
Bestrebens, das kunsthistorische Material desselben voll-
ständig bearbeitet zu bringen, doch noch manches Stück
ZU Tage gefördert und daher ein Nachtrag nothwendig
werden.

*} Von mir wurde dieses Material theilweise bereits verwerthet
in einem Aufsätze über Caspar Rosenthaler in den Mittheilungen der
k. k. Centralcommission \ur Erforschung und Erhaltung der Kunst-
und historischen Denkmale, X. Jahrgang, 1865, s. XXI—XXIV.

Innsbruck.

D. Schönherr.
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