Kunsthistorische Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses <Wien> [Editor]
Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses (ab 1919 Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien) — 2.1884

Page: 144
Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/jbksak1884/0164
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
144

Wendelin Boeheim. Ueber einige Jagdwaffen und Jagdgeräthe.

Gebrauch dürfte aber länger gewährt haben, als bisher angenommen wurde, denn wir finden das Schwein-
schwert mit Knebel noch abgebildet in: «Adelige Weydwerke» mit den trefflichen Abbildungen Jost
Ammans vom Jahre 1561 und erwähnt im Inventar der Verlassenschaft des Erzherzogs Ferdinand von
Tirol vom Jahre i5g6, in welchem ein Unterschied mit «alten» Schweinschwertern gemacht wird.

Die Ausrüstung für die Schweinsjagd hat uns Hans Burgkmair im «Triumph» auf das Deutlichste
und Genaueste wiedergegeben. Im Texte lesen wir zu Blatt 12: «Nach solichen sollen fünf swein Jeger zu
Ross sein mit Iren Newen (sie) sweindegen vnd sweinswerter, die sollen Sy ploss fueren. Sy sollen auch
Teutsche Jegerhoren fueren.»

Aus dem Texte ist zu ersehen, dass eine genaue Unterscheidung zwischen Schweinschwert und
Schweindegen gemacht wurde, und auch in den in der Sammlung vorhandenen Exemplaren finden sich
solche in verschiedener Grösse, welche sich in die eine und die andere Gattung reihen lassen.

Die erwähnten deutschen Jägerhörner sind im Gegensatze zu den niederländischen kürzer, nur einfach
gebogen und werden nicht wie die letzteren an Bändern über beide, sondern nur über eine Achsel getragen.
Zur Ausrüstung gehört selbstverständlich auch das Leitseil und das Jagdbesteck.

Der Schweindegen war einst im Besitze des Erzherzogs Ferdinand von Tirol; er ist im Inventar von
1596 wie folgt angeführt:

«Mer ain Stecher so gar Rund auf baide Seyten biss zum Spitz Vergulte Rindlein mit Puechstaben,
der Spitcz daran brait vnd schneidig Knopf vnd Creutz geeezt vnnd Vergult.»

Einen Schweindegen von ganz gleicher Form bringt Carre in seiner «Panoplie», p. 246, Plan VI, B.
Er sagt darüber: «Estocade en forme de lance, dont la fleche est ronde avec une gorge et un canal tout
le long.» Nachdem kaum anzunehmen ist, dass der Verfasser das vorliegende Object im Auge hatte,
welches zu seiner Zeit im Schlosse Ambras bewahrt war, so dürfte ein gleiches Exemplar vorhanden ge-
wesen und in irgend einer französischen Waffensammlung bewahrt worden sein.

(Fortsetzung folgt.)

Pulverllasche.
loading ...