Maximilian <Römisch-Deutsches Reich, Kaiser, I.> ; Laschitzer, Simon [Editor]; Kunsthistorische Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses <Wien> [Editor]
Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses (ab 1919 Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien): Der Theuerdank: durch photolithographische Hochätzung hergestellte Facsimile-Reproduction nach der ersten Auflage vom Jahre 1517 — Wien, 8.1888

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EINLEITUNG.

Unter den vielen von Kaiser Maximilian I. geplanten und in Angriff genommenen literarischen und
künstlerischen Werken ist der Theuerdank das einzige, welches noch zu seinen Lebzeiten gänzlich
vollendet und gedruckt worden war. Er ist darum für die Beurtheilung der kaiserlichen Pläne und
Arbeiten dieser Art von ganz besonderer Wichtigkeit. Er nur zeigt deutlich und klar und voll und ganz,
mit welchem Aufwand an Zeit und Geld, mit welcher Sorgfalt und Pracht der äusseren Ausstattung, mit
welcher Mühe und welchem Fleiss der inneren textlichen Durcharbeitung der Kaiser seine Werke aus-
geführt wissen wollte. Keines der in derselben Zeit gedruckten Bücher kommt ihm auch an typogra-
phischer und künstlerischer Ausführung nahe. Man sieht ihm an seinen ganzen Aeusseren schon an, dass
es einer kaiserlichen Munificenz sein Dasein verdanken muss. Kaiser Maximilian I. hat sich mit dem
Theuerdank ein seiner würdiges und unvergängliches Denkmal gesetzt, denn er wird unter den Werken
der deutschen Literatur und Kunst seiner Zeit stets an erster Stelle genannt werden müssen. Seine hohe
Bedeutung ist auch zu jeder Zeit rückhaltslos anerkannt worden. Immer und immer wieder wurde er
gedruckt. Die ältesten, zum grossen Theile auf Pergament hergestellten Drucke aber wurden wegen ihrer
Seltenheit und Pracht von kunstsinnigen Kennern und Sammlern gar bald sehr eifrig gesuchte und theuer
bezahlte Objecte und werden es immer bleiben.

Aber auch die Wissenschaft hat sich mit dem Theuerdank bereits eifrig beschäftigt. Ueber keines
der übrigen von Kaiser Maximilian I. geschaffenen und veranlassten Werke besteht eine so umfangreiche
Literatur wie über ihn. Es ist zugleich das einzige unter diesen, über das bereits vor seiner Neuausgabe
im vorliegenden Jahrbuche eine eingehende und erschöpfende Monographie erschienen war. Schon im
Jahre i836 hat im II. Bande der »Bibliothek der gesammten deutschen National-Literatur von der ältesten
bis auf die neuere Zeit« (Quedlinburg und Leipzig, Druck und Verlag von Gottfried Basse) Dr. Carl Halt-
aus den »Theuerdank herausgegeben und mit einer historisch-kritischen Einleitung versehen«. Die letztere,
acht und einen halben Bogen umfassend, muss als eine sehr fleissige Arbeit und als eine für die damalige
Zeit ganz respectable Leistung anerkannt werden. Sie behandelt sämmtliche literarische, künstlerische und
typographische, sowie antiquarische Fragen und hat manche derselben im Grossen und Ganzen und viele
in den einzelnen Details bereits endgiltig gelöst. Es wäre daher wohl vielfach überflüssig, wollte ich hier das
Thema nochmals im vollsten Umfange behandeln. Es wird genügen, meine Aufgabe darauf zu beschränken,
Ergänzungen und Berichtigungen zur Haltaus'schen Monographie zu liefern. Und da wird sich in der
That, dem Stande der heutigen Forschung entsprechend, Manches präciser und klarer fassen lassen und
manche von Haltaus noch offen gelassene Frage wird aufgehellt werden können.

Vor Allem sind seit dem Erscheinen der Haltaus'schen Arbeit mehrere urkundliche Nachrichten
bekannt geworden, welche uns über die Abfassung und Entstehung des Theuerdank nähere Aufklärungen
brachten. Eine Zusammenfassung dieser erscheint daher bereits nothwendig.

Ferner hat eine genaue Analyse und Vergleichung der handschriftlichen Ueberlieferungen des Theuer-
dank für die Beurtheilung der literarischen Fragen, namentlich für die Frage nach den Verfassern, so viele
neue Resultate ergeben, dass dieses Capitel vollständig überarbeitet werden musste.

Da weiters bei Haltaus insbesonders das Capitel über die künstlerische Ausschmückung des Theuer-
dank, abgesehen von dem genauen und erschöpfenden Nachweis der älteren Literatur, gänzlich veraltet
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