Maximilian <Römisch-Deutsches Reich, Kaiser, I.> ; Laschitzer, Simon [Editor]; Kunsthistorische Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses <Wien> [Editor]
Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses (ab 1919 Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien): Der Theuerdank: durch photolithographische Hochätzung hergestellte Facsimile-Reproduction nach der ersten Auflage vom Jahre 1517 — Wien, 8.1888

Page: 108
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und derselbe Künstler so geradezu elende Producte, wie die oben angezeigten, liefern konnte. Auch in der
Sorgfalt der Ausführung der einzelnen Zeichnungen treten uns ziemlich bedeutende Unterschiede entgegen.
Neben sorgfältig und gut ausgeführten Blättern finden sich flüchtig gearbeitete und mit geringer Sorgfalt
behandelte. Alles in Allem genommen, hat von den Leonhard Beck'schen Holzschnitten ungefähr die
Hälfte entweder einen geringen oder auch gar keinen künstlerischen Werth, steht also vielfach unter der
Dutzendwaare, und nur die andere Hälfte kann den Anspruch auf eine grössere Werthschätzung erheben.
DenBurgkmair'schen Holzschnitten imTheuerdank stehen sie jedoch an künstlerischem Gehalte im Grossen
und Ganzen unbedingt nach und reichen auch mit wenigen Ausnahmen an die gut ausgeführten Schäufe-
lein'schen Blätter kaum heran.

Von den Holzschnitten, welche unbekannten Zeichnern zugeschrieben werden müssen, ragt keiner
durch einen besonderen künstlerischen Werth hervor oder wäre als besonders gelungen zu bezeichnen.
Am besten ist noch Nr. 14. Allein sie fallen auch von der Durchschnittsmasse nach der schlechten Seite
nicht ab, mit Ausnahme von Nr. 40, das so ziemlich zu den schlechtesten Blättern des ganzen Werkes gehört.

IV.

Die Drucke des Theuerdank.

Den verschiedenen Drucken des Theuerdank hat Haltaus in seiner bereits öfters genannten Arbeit
zwei besondere Capitel gewidmet, indem er im Capitel III, S. 3 5—47 »Ueber die Ausgaben des Theuerdank«
handelt und im Capitel IV, S. 47—62 »Die Bearbeitungen des Theuerdank« bespricht. Die darauf bezüg-
lichen Fragen sind von ihm schon im Grossen und Ganzen richtig gelöst worden, daher es überflüssig
wäre, wollte ich sie hier nochmals im vollen Umfange darlegen. Es wird wohl genügen, nur die Ergän-
zungen und Berichtigungen, die ich zu seinen Erörterungen beizubringen vermag, zusammenzustellen. Ich
muss diese zugleich auch auf die kurzen Angaben von Dr. Richard Muther ausdehnen, da er im I. Bande,
S. 118—119 seines Buches: »Die Bücherillustration der Spätgothik und Frührenaissance (1460—i53o),
2 Bände, München 1884« Behauptungen aufgestellt hat, die auf nichts basirt sind und nur geeignet er-
scheinen, Verwirrungen hervorzurufen. Doch auch durch die Resultate meiner Untersuchungen werden
nicht alle Fragen vollkommen gelöst und alle Zweifel in jeder Beziehung beseitigt werden, da es mir
einerseits an Zeit für so zeitraubende Untersuchungen mangelte, und andererseits das hier in Wien befind-
liche Material, das mir allein zur Vergleichung zu Gebote stand, auch nicht vollständig ausreicht.

/. Bemerkungen \u den Drucken vom Jahre 1517.

Die vorliegende ganz genaue und getreue Reproduction eines Exemplars dieser Drucke überhebt
mich der Aufgabe, sie eingehend zu beschreiben. Sie entspricht in Allem und Jedem genau den zwei
sich durchaus deckenden Papierexemplaren der k. k. Hof bibliothek und der Albertina in Wien. Ich möchte
diesen Druck als Normaldruck bezeichnen. Die Holzschnitte sind jedoch, um möglichst schöne Repro-
ductionen zu bieten, soweit es möglich war, nach den Probedrucken in dem oben beschriebenen Codex
der k. k. Hofbibliothek in Wien Nr. 2833 aufgenommen und reproducirt worden.

Haltaus a. a. O. S. 66—74 erörtert die Frage, ob der Theuerdank mit Lettern oder mit Holztafeln
gedruckt sei, ausführlich und bringt für den Letterndruck die schlagendsten Gründe vor, allein ich habe
da nicht hervorgehoben gefunden, dass der Titel trotzdem nicht mit Lettern, sondern von einer Holztafel
gedruckt sei.

In der Nummerirung der Holzschnitte sind ein paar Fehler unterlaufen, auf die ich hier aufmerksam
mache. Sie wurden auch in der Reproduction beibehalten und nicht corrigirt. Der Holzschnitt Nr. 27
ist fälschlich mit Nr. 25 bezeichnet, so dass die Nr. 2 5 zweimal und die Nr. 27 gar nicht vorkommt.
Ferner fehlt unter dem Holzschnitt Nr. 80 die betreffende Nummer.
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