Maximilian <Römisch-Deutsches Reich, Kaiser, I.> ; Laschitzer, Simon [Editor]; Kunsthistorische Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses <Wien> [Editor]
Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses (ab 1919 Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien): Der Theuerdank: durch photolithographische Hochätzung hergestellte Facsimile-Reproduction nach der ersten Auflage vom Jahre 1517 — Wien, 8.1888

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Urkundliche Nachrichten über den Theuerdank.

Die urkundlichen Quellen über die Abfassung und Ausstattung des Theuerdank, welche bisher be-
kannt geworden sind, beschränken sich auf einige wenige Notizen. Ein zusammenhängendes
klares Bild bieten sie in keiner Weise. Zudem kann manche Nachricht nur vermuthungsweise auf
den Theuerdank bezogen werden. Einzig und allein ein paar Briefe werfen ein helles Streiflicht auf die
eine oder andere Frage und sind darum besonders wichtig. Bei dieser Sachlage erscheint es mir am an-
gezeigtesten, die folgenden Theuerdankstudien damit einzuleiten, diese wenigen urkundlichen Nachrichten
in chronologischer Folge ohne Rücksicht auf ihren Inhalt hier aneinanderzureihen und an sie einige er-
läuternde und kritische Bemerkungen anzuknüpfen. Bei der ferneren Besprechung der einen oder anderen
Frage wird sich dann noch die Gelegenheit ergeben, auf die wichtigeren Resultate, die aus ihnen gewonnen
werden können, zurückzukommen.

Die älteste Nachricht über den Theuerdank liegt bis jetzt in dem Gedenkbuche vom Jahre 15o5 vor.1
An zwei Stellen wird da seiner gedacht. Erstens hat der Kaiser im Buche selbst auf Fol. 169 unter der
Rubrik »Moralität« eigenhändig Folgendes angemerkt: »Item den probst van Nuerenberg an dy sach mit
coronica und Theurdank«,2 und dann hat auf dem ersten leeren Blatte des Codex ein häufig beschäftigter
Secretar links am Rande des Blattes von oben gegen unten folgende zwei Notizen in je zwei Zeilen ein-
getragen, oben: »Freidhart comedi und anfanng mit den alten greysen erwalter | Theurdanck tragedi«,
unten: »Also schrembs nach der lenng | solls der maier anfahen zu malen«.3 Geht aus der ersten Ein-
tragung hervor, dass schon im Jahre 1 5o5 der Kaiser Maximilian I. an Nürnberg gedacht und den dortigen
Probst, den Vorgänger des nachmaligen wirklichen Verfassers, des Probstes Melchior Pfinzing, für die
Abfassung des Theuerdank wenigstens in Aussicht genommen hatte — dass er aber zu den Arbeiten that-
sächlich auch herangezogen worden wäre, habe ich nirgends gefunden — so muss aus der zweiten Notiz
geschlossen werden, dass andererseits die literarischen Vorarbeiten theilweise schon so weit gediehen
waren, dass man bereits an die Inangriffnahme der bildlichen Ausstattung des Werkes denken konnte.
Wir gewinnen so mit dem Jahre i5o5 den wahrscheinlichen Terminus a quo für den Beginn der künst-
lerischen Ausstattung des Theuerdank und können den Beginn der literarischen Arbeiten noch hinter das
Jahr i5o5 zurückverlegen. Ausserdem erscheint auf Grund der zweiten Aufschreibung schon zu dieser
Zeit der Freidhart (jedenfalls identisch mit dem Freidal) mit dem Theuerdank in einen innigen Zusammen-
hang gesetzt, indem der letztere als die Fortsetzung des ersteren geplant gewesen zu sein scheint. Ganz
klar ist jedoch obige Notiz in dieser Beziehung nicht. Ich fasse sie als erstes Programm für die drei grossen
auf Kaiser Maximilians I. Leben und Thaten sich beziehenden Werke, den Freidal, den Theuerdank und
den Vv eisskunig auf, nur dass letztere beide noch als ein einziges, einheitliches Werk gedacht erscheinend
Dass der Theuerdank und Weisskunig noch später thatsächlich als nur ein Werk in Aussicht genommen
waren, beweist eine Aufschreibung in dem Gedenkbuche, welches zwischen den Jahren i5o8 und 1 515
im Gebrauche war. Zwar werden da in dem daselbst aufgestellten Bücherprogramme des Kaisers hinter-
einander als besondere Bücher angeführt: Weysskunig, Kunig Wundrer, Ternndannck und Freydalb, aber
später finden wir folgende ausdrückliche Bemerkung: »Item in den weyssen kunig zu stellen die comedi

1 Codex der k. k. Ambrasersammlung Nr. 105. Dass er ins Jahr 1505 gehört, besagt deutlich der Titel auf Fol. 9: »Der
Römischen und Hungerischen k. Mt. etc. gedenck puech a<> 510-« Vergl. Jahrbuch, Bd. V, Regest Nr. 4021 und Hormayr,
Taschenbuch. V. Jahrgang (Wien 1824).

2 Jahrbuch V, p. XVIII, Regest Nr. 4021.

3 Jahrbuch V, p. XVI, Regest Nr. 4021.

4 Die Unklarheit entsteht hauptsächlich durch das ungewöhnliche und sprachlich nicht leicht erklärbare Wort »erwalter«
und durch die Unsicherheit, worauf man dieses zu beziehen habe.
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