Maximilian <Römisch-Deutsches Reich, Kaiser, I.> ; Laschitzer, Simon [Editor]; Kunsthistorische Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses <Wien> [Editor]
Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses (ab 1919 Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien): Der Theuerdank: durch photolithographische Hochätzung hergestellte Facsimile-Reproduction nach der ersten Auflage vom Jahre 1517 — Wien, 8.1888

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Treytzsaurwein'schen Redaction, sondern die auf Grund dieser ausgearbeitete Reinschrift, abgesehen von
etwaigen anderen Vorarbeiten, zur Benützung und Verarbeitung erhalten haben wird, und da es endlich
nicht ausgeschlossen ist, dass manche Capitel der Marx Treytzsaurwein'schen Fassung, noch bevor sie ihm
zur Endredaction zugetheilt worden waren, von anderer Seite die eine oder andere Umarbeitung erfahren
haben können, so können wir auch in Betreff jener Capitel, welche textlich gegen die Fassung in den
erhaltenen drei Codices vollständig abweichen, durchaus nicht behaupten, dass sie ein reines und unver-
fälschtes Product der Versificirungskunst Melchior Pfinzing's seien. Mit einem Worte, den Antheil Melchior
Pfinzing's an der textlichen Ausgestaltung des Theuerdank genau auszuscheiden, ist ein Ding der Un-
möglichkeit. Als sein ganz unbestrittenes Verdienst kann man nur die einheitliche Gestaltung der
Verse im Drucke bezeichnen. Ferner verdient seine Fassung, abgesehen von den Versen, auch in rein
sprachlicher Beziehung vor jener in den erhaltenen Codices unbedingt den Vorzug. Sie mag im Allge-
meinen vielleicht etwas gekünstelter erscheinen, aber sie ist entschieden auch geglätteter und fliessender,
auch consequenter und einheitlicher. Wenn wir die Fassungen in den Codices und im Drucke gegen
einanderhalten, begreifen wir vollkommen, warum sich der Kaiser schliesslich für die Arbeit Melchior
Pfinzing's entschieden und sie als für den Druck würdig und geeignet ausgewählt hatte.

Alles in Allem genommen, ist somit der Theuerdank in der vorliegenden Gestalt des Druckes nichts
Anderes als eine von der geschickten Feder Melchior Pfinzing's in textlicher Beziehung einheitlich durch-
geführte Redaction einer Compagniearbeit, die theils gleichzeitig, theils hintereinander entstanden ist.
Als ganz bestimmt nachzuweisende Mitarbeiter sind nach dem heutigen Stande der Forschung zu nennen:
i. der Kaiser Maximilian I. selbst, 2. der kaiserliche Silberkämmerer Siegmund von Dietrichstein, 3. der
kaiserliche Geheimsecretär Marx Treytzsaurwein und 4. der Probst Melchior Pfinzing von Nürnberg.
Damit aber scheint die Liste der Mitarbeiter am Theuerdank noch keineswegs abgeschlossen zu sein.

III.

Die Holzschnitte des Theuerdank.

/. Die Literatur.

Keine der auf den Theuerdank bezüglichen Fragen ist noch so wenig aufgehellt und gelöst als die Frage
nac den Künstlern der Illustrationen. Und doch haben sich über keine andere Frage so viele Stimmen
oren lassen als gerade über diese. Die Meinungen gingen oft sehr weit auseinander und selbst jene Meinung,
jekhe die meisten Anhänger fand, kommt der Wahrheit nur zum geringen Theile nahe. Ich muss es
a er als meine Hauptaufgabe betrachten, gerade diese Seite der Theuerdankfrage, soweit es mir eben
°g !c ist, klarzulegen und einer allseits befriedigenden und wohlmotivirten Lösung nahe zu bringen.
Tl ^d/ VerSC^'ec^enen Ansichten der älteren Bibliographen und Kunstschriftsteller über die Künstler des
^ ieuer ank hier darzulegen und zusammenzufassen, bin ich durch die fleissige Zusammenstellung, welche
^a aus in der Einleitung zu seiner kritischen Ausgabe des Theuerdank, S. 89—91, gemacht hat, überhoben.

ie meisten sprachen sich für Hans Schäufelein als Zeichner der Holzschnitte aus, aber neben ihm wurden
auch Hans Burgkmair, Sebald Beham und selbst der grösste deutsche Zeichner für den Holzschnitt, Albrecht
urer, genannt. Aber von einer Auftheilung der Illustrationen und von einer Zuweisung derselben an einzelne
estimmte Künstler ist auch bei jenen, welche für die Holzschnitte des Theuerdank verschiedene Künstler
m Anspruch nahmen, natürlich noch keine Rede. Desgleichen hat auch Haltaus, a. a. O., S. 94—9 5, selbst
^ine Memung im Wesentlichen nur dahin ausgesprochen, dass zwar dem Hans Schäufelein der Hauptantheil
an den Illustrationen zufalle, dass daran aber ausserdem noch »manche andere damals in Nürnberg und vor-
züglich bei Dürer arbeitende Künstler Theil haben. Wer diese aber wären, lasse sich mit Gewissheit nicht
aupten«. Auch er hat eine Scheidung der Holzschnitte nach den einzelnen Künstlern nicht vorgenommen.
Seit dem Erscheinen der Haltaus'schen Monographie (1836) haben noch zahlreiche andere Kunst -
SC r^tstener die Gelegenheit wahrgenommen, sich über die Künstler der Theuerdank-Illustrationen zu
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