Maximilian <Römisch-Deutsches Reich, Kaiser, I.> ; Laschitzer, Simon [Editor]; Kunsthistorische Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses <Wien> [Editor]
Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses (ab 1919 Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien): Der Theuerdank: durch photolithographische Hochätzung hergestellte Facsimile-Reproduction nach der ersten Auflage vom Jahre 1517 — Wien, 8.1888

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Zeit zu setzen sein dürfte. An der Herstellung der Genealogie, der Ehrenpforte und des Gebetbuches ist
Hans Schäufelein sicher unbetheiligt. Das einzige von den grossen Werken des Kaisers Maximilian I., an
dessen Illustrirung er nachweislich einen grösseren Antheil hat, ist eben nur der Theuerdank. Demnach
ist es gar nicht anders möglich, als dass obiger Brief, soweit von Schäufeleins Arbeiten die Rede ist, sich
nur auf den Theuerdank beziehen kann. Damit wird es aber zugleich auch mehr als wahrscheinlich, dass
ebenso die im ersten Briefe dargelegte Angelegenheit betreffs der Holzschneider, da sie auch im zweiten
Briefe nochmals erwähnt wird, zum Mindesten in der Hauptsache den Schnitt derTheuerdank-Holzschnitte
berührt. Auf die Resultate, welche wir aus diesen beiden Briefen gewinnen können, werde ich in dem
Capitel über die Künstler des Theuerdank des Weiteren zurückkommen.

Auch das folgende Schreiben, das Konrad Peutinger am 5. October 1513 an Kaiser Maximilian I.
richtete, dürfte im Wesentlichen die Herstellung der Theuerdank-Illustrationen betreffen. Er schreibt: »An
Schonsperger und andern formschneidern haben Paumgartner und ich sonst kein mangel. Und sonderlich
ist Paumgartner erbütig das, so auf das abreissen und formschneiden gat, von wegen ewr Mt. trewlich dar-
zuleyhen, und wir auch beid daruf genaigt, noch mer formschneider zu bestellen, damit ewr Mt. arbeit ge-
fordert und zu end gebracht werde. . . . Und also auf ewr Mt. ferrer bevelh der hiemit zuschick alle figuren,
die bisher geschnitten, ausserhalben trey, so die formschneider noch under handen haben, desgleichen
abgemacht figuren, so abgerissen hie sein und noch geschnitten werden sollen, damit kay. Mt. abnemen
mögen, den mangel, ob der daryn erscheint, zu erstatten.«1 Hieran mögen sich die paar Nachrichten
schliessen, in welchen vom Zuschicken verschiedener Figuren des Theuerdank an den Kaiser die Rede ist.

Unterm 14. October 1514 erhielt »Hanns Schonsperger, burger zu Augsburg« den Befehl, »daz er
Hannsen Paumgartner, phleger zu Erenberg, alle geschniten formen, so berait und gemacht sein, von
stund an überantworten und die, sovil dero sein, aigentlich aufschreiben, ine auch damit nit aufziehen,
dan derselb Paumgartner bevelh hat, waz er furter damit handien solle«.2

Noch im Jahre i5i6 werden zum Theuerdank gehörige Bilder dem Kaiser zur Begutachtung zuge-
schickt, die er dann wieder retournirt. So sendet er unterm 28. Februar aus Letsch an Konrad Peutinger
sechs Figuren, darunter eine den Theuerdank betreffende, zurück.3 Von letzterer berichtet hierauf Peu-
tinger am 9. Juni, dass sie »vor langest gerissen, geschnitten und ausgemacht worden« sei.**- Sechs weitere
Figuren, darunter vier zum Theuerdank, wurden ihm vom Kaiser unterm 16. Mai zurückgestellt und ihm
zugleich befohlen, »sie machen zu lassen wie die andern Weisskunig- und Theuerdank-Figuren«.5

Schliesslich ist noch eine an und für sich ziemlich unscheinbare, in Rücksicht auf andere Beobach-
tungen und im Zusammenhalt mit diesen sehr wichtige Nachricht aus dem Jahre 1514 zu erwähnen. Am
11. Juni erhält der Vizthum unter der Enns »Larenntz Sawrer« den Auftrag, »daz er Marxen Treytzsawr-
wein, secretarien, gegen überantwortung des Tewrdannkhs ein dreiling weins aus gnaden geben soll aus
dem vitzthumbambt«.0 Ich werde später bei Besprechung der erhaltenen Manuscripte des Theuerdank
auf diese Nachricht noch zurückkommen. Ein paar andere urkundliche Notizen werde ich gelegentlich
verwenden.

II.

Die handschriftlichen Ueberlieferungen des Theuerdank.

Dr. Carl Haltaus hat zwar auch die erhaltenen Manuscripte des Theuerdank in den Kreis seiner
Studien einbezogen und mit Ausnahme von ein paar geringeren Fragmenten in einem besonderen Para-
graph seiner Monographie ziemlich ausführlich behandelt. Doch sind seine Ausführungen in keiner Weise

1 Th. Herberger, Konrad Peutinger in seinem Verhältnisse zu Kaiser Maximilian I., S. 31, Anm. 96 und 97.

2 Jahrbuch, Bd. I, Regest Nr. 333.

3 Th. Herberger, Konrad Peutinger in seinem Verhältnisse zu Kaiser Maximilian I., S. 27, Anm. 83.

4 Ebenda, S. 30, Anm. 93. 5 Ebenda, S. 27, Anm. 83.
(< Jahrbuch, Bd. I, Regest Nr. 324.
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