Kunsthistorische Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses <Wien> [Editor]
Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses (ab 1919 Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien) — 12.1891

Page: 279
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DAS OFFICIUM BEATAE MARIAE VIRGINIS
IN DER K. UND K. FAMILIEN-FIDEICOMMISS-BIBLIOTHEK.

Von

Friedrich Freiherrn von Hess-Diller.

nter den Cimelien der k. u. k. Familien-Fideicommiss-Bibliothek wird ein miniatur-
geschmücktes Gebetbuch aufbewahrt, welches der Zeit höchster Entfaltung der
Büchermalerei entstammt. Seinem Kunstwerthe nach wird es von manchem
Codex jener Zeit übertroffen, in der die Massenhaftigkeit der Production der Güte
keinen Eintrag that. Immerhin bietet es des Eigenartigen genug, um einer näheren
Betrachtung werth zu sein. Namentlich zeichnen es die Signaturen aus, welche
einige seiner Blätter tragen und die theilweise von Mitgliedern des Allerhöchsten
Kaiserhauses herrühren. Ausserdem bietet es bemerkenswerthe Anhaltspunkte für die Bestimmung von
Ort und Zeit seines Entstehens.

Dass die Nachforschungen hierüber zu einem befriedigenden Resultate führten, ist vorzüglich der
überaus bereitwilligen Unterstützung des Herrn E. Ouverleaux, Conservateur-adjoint der Bibliotheque
Royale in Brüssel, zu danken, auf dessen Beiträge an betreffender Stelle noch hingewiesen wird.

Ueber die Schicksale des Buches hingegen von dem Verlassen der Werkstatt bis zu seiner Ein-
reihung in die k. u. k. Familien-Fideicommiss-Bibliothek und die Art, wie es dorthin gelangte, lässt sich
nichts feststellen. Der gedruckte Katalog genannter Sammlung enthält an der Spitze des I. Bandes
(Manuscripta) folgende lateinische Beschreibung: »Officium beatae Mariae virginis. Cod. mem-
bran. saec. XV. Fol. 154. 8°. nitide exaratus, litteris initiorum et marginibus compluribus auro fulgidis,
floribusque et animalibus variis ab artificis penicillo ornatus, praeterea 23 picturis magnificus. Initium
ducit de more a Calendario. Officium B. M.V. incipit pagina 35, cui praecedit pictura exhibens virginem
ab angelo salutatam, in cuius ornatu marginali conspicitur eques de genibus precans, chlamyde amictus,
ex quadam illustri bellica Stirpe, ut ex variis scutis gentilitiis hic et in codice passim occurentibus arguere
licet, in cuius usum codex fortasse conscriptus fuit. Quod autem codicem hunc notatu dignum reddit,
scnptura est quinque feminarum principum austriacorum, quae praevio eius folio memoriam sui
commendaverunt.«

Sie ist dem schriftlichen Verzeichnisse der Bibliothek entnommen, das aus dem Jahre 1811
stammt. Weitere Aufzeichnungen über das Manuscript finden sich nicht vor.

Der Codex enthält 176 Blätter in Pergament, 17-1 Cm. hoch und 12 Cm. breit. 27 davon, mit
Vollbildern geziert, erscheinen stärker und rauher wie die übrigen, welche sehr fein und sorgfältig
geglättet sind. Diese, mit Liniirung in blassem Carmin versehen, tragen den von sehr breiten Rändern
rings umgebenen Text in einer Colonne. Ihm gehen 7 unbeschriebene Blätter voraus. Auf Blatt 8
stehen in gothischer Cursive, von verschiedener Hand geschrieben, die in Fig. 1 in Facsimile gegebenen
Mottos, Namen und Zahlen.

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