Kunsthistorische Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses <Wien> [Editor]
Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen des Allerhöchsten Kaiserhauses (ab 1919 Jahrbuch der Kunsthistorischen Sammlungen in Wien) — 12.1891

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URKUNDEN, ACTEN UND REGESTEN

AUS DEM

K. K. STATTHALTEREI-ARCHIV IN PRAG

HERAUSGEGEBEN VON

KARL KÖPL,

K. K. STATTHALTEREI-ARCHIVAR.

{Fortsetzung.)

7939 iSag September Landeck.

Herzog Karl von Münsterberg, oberster Haupt-
mann in Niederschlesien, schreibt unter Anderem an die
böhmische Kammer:

Meister Benedix, der baumeister zu Präge, hat uns
auch zu Franckstein eczliche baue angefhangen; die-
weil er aber nicht hernider khommet und denselben
follent angibet, so geschiet uns doran groser schaden;
so khönnen uns auch die gemecher nicht gefertiget
werden. Dorumb begeren wir euch mit besonderm
vleis, wollet gedachten meister Benedict erleuben, be-
fhelen und doran sein, das er hinab gen Franckstein
khomme und uns den angefangenen bau fertige und
unsern schaden doran vorhüte oder dem Jorgen, polirer,
so er an seiner Stadt zu Franckstein gelassen, ferner
angeben und bef hei thue, whie er's mit dem baue weiter
anstellen und machen solle, dodurch uns der bau ge-
fördert, als wir dan nicht zweifeln, (ihr) werdet uns
hirin zu gef hallen erscheinen und dis bei meister Bene-
dicten also zu verschaffen wissen. — Geben zue Landegk
freitags nach Johannis entheuptung anno etc. i529ten.

Orig., das [M Verschluss rückwärts aufgedrückt gewesene
Sieget in rothem Wacht ist abgefallen und fehlt; Schlesien. — Vgl.
K. Köpl: Ueber Benesch von Laun in den »Mittheilungen des Ver-
eins für Geschichte der Deutschen in Böhmen«, XXVII. Jahrg., 1888,
S. 36—45. Den wesentlichsten Inhalt dieses Aufsatzes hat K. B. Mddl
in den »Pamdtky arcliaeologicke amistopisne«,XIV,Spalte441—444,
reproducirt. — Ueber den Bau des Schlusses Frankenstein, welchem
angeblich die Königsburg 7« Ofen ppn Muster gedient hal und der
im Jahre 1524 begonnen worden war. enthält der Aufsaß »Herzog
Karl I. von Münsterberg.Oels und seine Schwester Margaretha von
Anhalt« von Dr. G. A. Schimmelpfennig in der »Zeitschrift des Ver-
eins für Geschichte und Alterthum Schlesiens«, XVIII. Bd., 1884,
S. 160—161, einige Mittheilungen, namentlich über den von Dessau
berufenen Schlosser Lorenz vom Berge; dass das Schloss Franken-
stein ein Werk des unter dem Namen Benesch von Laun bekannten,
richtig aber Benedict Ried von Piesting oder Pistow heissenden
königlichen Baumeisters auf dem Prager Schlosse ist, wird erst durch
das obige Schreiben festgestellt.

7940 i5^5 September 8, Wien.

König Ferdinand I. verständigt den Hauptmann
des Prager Schlosses, dass er dem Kammerthürhüter
Gilg Kurc^ als Belohnung für die von ihm geleisteten
Dienste ^wei Zimmer auf dem Prager Schlosse hinter
der Kirche an der Mauer, wo früher der Stemmet^
Meister Benedict gewohnt habe, sowie eine Stallung für
XII.

^wei Pferde auf Lebenszeit gegeben habe. — Datum

Wien, Mittwoch am Tage nach Maria Geburt i5$5.

Copialbuch Nr. i3, pag. 35o. Böhmisch. — Dieses Schreiben
in Verbindung mit Reg. Nr. 5o.6i und 5gCC set^t das bisher ver-
schieden angegebene Todesjahr des als Benesch von Laun bekannten
königlichen Baumeisters auf dem Prager Schlosse auf das Jahr i534
fest. S. K. Köpl: Ueber Benesch von Laun. Vgl. Reg. Nr. 793Q.

7941 i54"j Januar 12, Schloss Prag.

König Ferdinand I. schreibt an münzmaister und
wardein in Sand Joachimstall, valvierun(g) der münz
betreffent:

Wir bevelchen euch, das ir nun hinfüron alle
unsere Joachimstallische münz, das sein die Joachimbs-
taller gülden groschen, beschickht und verordnet, das
sie am gehalt namblich ain jede gemischte markht vier-
zehen lot sechs gren fein silber halten. Und nachdem
di prandsilber, so verschickht und in tigl verordent, auf
das pheninggewicht und nicht auf das grangewicht
probiert werden, so ist abermals unser bevelch, das ir
anstatt den sechs gren sechsthalben phening in der
beschickhung seezt. — Datum den zwelften januarii
anno etc. im sibenundvierzigisten.

Copialbuch Nr. 3g, Fol. /'.

7942 i547 Januar 14, Schloss Prag.

König Ferdinand I. schreibt an den einnember in
(Joachims-) Tall, der Schmelzer aus Kärnden besoldung
und vererung betreffend:

Wir haben den Schmelzern, so aus Karennten in
Tall bracht worden, vonwegen irer arbeit von anfang,
als si daselbsthin ankhumen, den zwaien maistern
jeden di wochen zwen gülden und dem dritten, ainem
jungen, anderthalben gülden in münz zu besoldung bis
auf unser wolgefallen bewilligt. Darnach möge der Ein-
nehmer mit den Schmelzern abrechnen. Dann so haben
wir dem ainen Schmelzer mit namen Augustin Prew
auf sein underthenigist pitt und seiner notturft halben
auf 2 wochen anhaimbs in Kernnden zu ziehen erlaubt,
doch das die andern zwen, der maister sambt dem jungen,
im Tall beleiben und sein widerumben daselbsthin er-
warten und mitlerweil sich zum schmelzen gebrauchen
lassen. Wir haben auch den bemelten Schmelzern in
ansehung, das si ainen solchen weiten weeg heraus zogen,
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