Deutsches Archäologisches Institut [Editor]; Archäologisches Institut des Deutschen Reiches [Editor]
Jahrbuch des Deutschen Archäologischen Instituts: JdI — 26.1911

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VERLAG VON GEORG REIMER BERLIN W. 35

Über die
Maltechnik der Alten
Mit besonderer Berücksichtigung der
römisch-pompejanischenWandmalerei
Nebst einer Anleitung zur mikroskopischen Untersuchung
der Kunstwerke
Von Professor Dr. E. Raehlmann in Weimar
Mit 3 Tafeln Preis 6 Mark
Die Technik der alten Meister, die Technik der alten griechischen und römi-
schen Kunst ist uns abhanden gekommen. Wir wissen heute nicht mehr,
wie die Werke der großen Künstler aus der Renaissancezeit, die Leinwand-und
Tafelmalereien des 14., 15. und 16. Jahrhunderts zustande gekommen sind. Noch
weniger wissen wir von der Kunsttechnik der alten Griechen und Römer, ob-
wohl eine große Menge von Wandmalereien bei den Ausgrabungen der vom
Vesuv verschütteten Städte Campaniens ans Tageslicht gekommen ist. Über die
Technik, mit welcher diese Zeugen altgriechischer Kunst gemalt worden, über die
Farben, welche verwendet worden sind, über die Art und Weise endlich, wie
diese Malereien auf der Wand befestigt wurden, ist ein Streit unter Kunst-
forschern sowie unter Künstlern entstanden, der zu einer förmlichen Streit-
literatur die Veranlassung gegeben hat.
Der Gelehrte, der Künstler, der die alten Gemälde beurteilt, ist an seine
Erfahrung, an das, was er aus den hinterlassenen Schriften der Alten kennt,
und schließlich an sein Auge gebunden. Aber was der eine zu wissen oder
zu sehen glaubt, stellt der andere in Abrede, sieht der dritte anders!
Wenn wir dagegen das Mikroskop zur Untersuchung der Malereien an-
wenden, dann erschließt uns die Natur einen Teil ihrer Geheimnisse, indem
sie uns das Material schärfer zu sehen erlaubt, welches die Maler längstver-
gangener Zeiten zu ihren unsterblichen Werken verwendet haben.
So gewinnen wir viele und sehr wichtige Anhaltspunkte, um die Stoffe in
den Malschichten der alten Meister zu erkennen.
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